13.10.2026N. Bernhardt
Rote Karte für die Busflotte der WSW
„285 Pferdestärken, 0 Gramm Kohlendioxid“ ziert das Heck eines VanHool-Wasserstoffbusses der Wuppertaler Stadtwerke (WSW). Das ist ja toll: 240 Volt, 3,8 Kilowatt. 0 Gramm Kohlendioxid. Der Strom kommt zu Hause auch aus der Steckdose. – Warum diese Werbung Greenwashing ist, erläutert dieser Artikel.
Die WSW haben sich nach eigener Aussage 2019 „bewußt für die Wasserstofftechnologie entschieden, da sie die Anforderungen unseres Busbetriebs in Wuppertal mit seiner anspruchsvollen Topografie besonders gut erfüllt.“ Um dann im selben Interview nach „verläßlichen Förderprogrammen von Bund und Land“ zu schreien.
Ⅰ: Wasserstoff ist teuer.
Denn: Mit Wasserstoff betriebene Busse sind verglichen mit batterieelektrischen oder dieselbetriebenen Bussen deutlich teurer und erreichen – anders als der batterieelektrische Pendant – in der Regel im Betrieb keine Kostenparität, also bleiben auch im Betrieb teurer. [4] Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb in Wuppertal immer noch über vier fünftel der blauen Linienbusse mit Dieselantrieb fahren. [1]
Bei generellem Ersatz der alten Diesel- durch Wasserstoffbusse seit 2019 müßte der Anteil inzwischen bei über 50 Prozent liegen.[5] Aber auch ohne den Wasserstoff sind in Wuppertal noch 83,3 Prozent Dieselbusse unterwegs. [1]
Ⅱ: Wasserstoff aus Müllverbrennung ist weder grün, noch effizient.
Der Ausgangsstoff für den Wuppertaler Wasserstoff ist zunächst fossiler „Müll“, der bei Verbrennung giftige Schwermetalle freisetzt. Durch die aufwendige Filterung der Abgase beträgt die thermische Ausbeute für die Produktion von Strom und Fernwärme auf Korzert lächerhafte 15 Prozent. [2] Aus einem Teil des gewonnenen Stroms wird wiederum Wasserstoff produziert, damit die Wasserstoffbusse betankt, wo der Wasserstoff wieder in elektrische Energie für die Fahrmotoren umgewandelt wird.
Die ganze Zauberei geht mit einem beträchtlichen Energieverlust einher: Mit dem von Korzert 2023 eingespeisten Strom lassen sich entweder rund 14.780 batterieelektrische Pkw betreiben, aber nur rund 5.540 wasserstoffbetriebene Autos. [2] Da ist wohl selbst eine Dampfturbine effizienter, die mit „grüner Kohle“ Strom erzeugt – die liegt ja auch einfach so in Garzweiler und Hambach herum.
Je mehr Korzert den thermisch verwertbaren Anteil auf Strom und Wasserstoff verlagert, desto mehr müssen die WSW bei der Fernwärme mit fossilem Gas zuheizen – was während Corona ein Grund war, die Preise für Fernwärme zu verzehnfachen. Insgesamt ist „Müll“ als fossile Quelle ein zweischneidiges Schwert für die Wasserstoffgewinnung.
Ⅲ: Kunststoffe besser wertstofflich wiederverwerten
Wesentlich ressourcenschonender und damit umweltfreundlich wäre allerdings eine konsequente wertstofflich Wiederverwertung der Kunststoffe anstatt diese lediglich „thermisch zu verwerten“ und damit die 22 Kilowattstunden, die für die Produktion für ein Kilo Plastikgranulat erforderlich waren, gleich mit durch den Schornstein zu blasen. [2] Aber derart effizientes ist in Wuppertal unerwünscht – nicht nur könne man so die Müllverbrennungsanlage nicht mehr wirtschaftlich betreiben, sondern auch keine flächendeckende „klimaneutrale“ Fernwärme mehr anbieten bzw. müßte dann einen erheblichen Teil mit Gas zuheizen.
Solingen hat übrigens die gleiche Topographie wie Wuppertal. Die dort eingesetzten batterieelektrischen Busse schaffen die Topografie auch ganz hervorragend und können nebenbei auf Hauptstrecken über die Oberleitung geladen werden.◾
Fußnoten
[1] Elektrifizierung der Busflotten im Städtevergleich. Deutsche Umwelthilfe, 6. Oktober 2026
https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/elektrifizierung-der-busflotten-im-staedtevergleich-deutsche-umwelthilfe-fordert-beschleunigte-elekt/
[2] njuuz.de: Korzert: Wasserstoff aus Strom aus Müll – ineffizient und teuer
[3] njuuz.de: Kunststoff: Recycling anstatt „thermische Verwertung“
[4] Betrachtung für private Verkehrsunternehmen, exklusive Fahrzeugförderung, Ramboll/Civity, Vortrag: Elektrifizierung im ÖPNV – Flottentransformation wirtschaftlich gestalten, 19.03.2026. Siehe dazu Fußnote 18 in [1].
[5] Bei rund 20 Neuanschaffungen im Jahr, acht Jahre lang = 160 Busse.
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