Schwebebahn: „Rappel, rappel“ statt „flüster, flüster“

Vom Märchen der „Flüsterschiene“ bis zum heutigen Gerappel und unnötigen Lärm

Noch auf dem originalen Schwebebahngerüst hatten die Stadtwerke östlich der Station Pestalozzistraße zwei Gerüstbrücken mit neuen „Flüsterschienen“ umgerüstet: ein von der Firma ORTEC entwickeltes System, Straßenbahnschienen mit Gummiummantelung leiser zu machen, fand auch bei der Schwebebahn Anwendung. Und man konnte sich tatsächlich auch als Fahrgast davon überzeugen, daß das System dem Prinzip nach funktioniert. [1] Das war auch notwendig, denn einerseits darf die „neue Schwebebahn“ nicht lauter sein als das Original, anderserseits ist das neue Traggerüst wesentlich schwerer als das alte und überträgt den sogenannten Körperschall besonders gut (Resonanzkörper).

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Was die Stadtwerke aber natürlich nicht geflüstert haben: es gibt natürlich auch Bereiche, wo nix Flüsterschiene, sondern altbekannt Stahlschiene auf Stahlgerüst aufliegt: Namentlich an den Ankerstützen (Doppelstützen) sowie über rund drei Meter Länge jeweils im Bereich der Dilatationsüberbrückungen (DÜ), wie wir das in den Tondateien anhören können und Anwohner tagtäglich müssen. Wie sieht es da mit Lärmschutz aus? Natürlich nada, nix, Pech gehabt. Sonst könnte man von einer flüsterleisten Bahn nämlich erwarten, daß sie einfach mit einem leichten Düsen vorbeifährt. Ganz ohne Gerappel oder Flachstellen-Bummbumm. Und „Flüsterschienen“ nicht nur, um den Lärm kleinzurechnen – wie auf dem Teststück östlich der Pestalozzistraße, ganz ohne DÜ und Ankerstütze.

Aber das ist ja bei der WSW Tradition: Nachdem man nach Anschaffung der betablauen Gelenktriebwagen „GTW 15“ anfangs offen mit den technischen Problemen der ETCS-Museumsbahn umgegangen ist und diese namentlich genannt hat, flüstert man heute nur noch grob was von einem „technischen Problem“. – Ob das die altbekannten Probleme mit dem „verlorenen Funk“ sind oder sich eine Feuerwehrleiter unterm Gerüst festgeklemmt hat – das behalten die WSW lieber für sich.

Der „hohen Zuverlässigkeit“ zum Trotz fährt die Schwebebahn in gewohnt zuverlässigem Untakt und nervt dabei Anwohner von Dilatationsüberbrückungen (DÜ) mit unnötigem Gerappel und Stromabnehmergeratter (hier speziell Richtung Oberbarmen). Insbesondere die Stromabnehmer hat man beim blau-orangen GTW 72 überhaupt nicht gehört und auch der 125 Jahre alte Kaiserwagen schafft die DÜ ohne Geratter– warum also das Geratter bei den neuen?

Ironie: Bus wird für E-Scooter und Radfahrer zur Gefahr

Wenn man doch auch „normal“ über die DÜ kurven kann ohne das ganze Gerappel und Geratter, wo also liegt dann das Problem, dies bei allen Triebwagen inklusive Museums-GTW15 hinzubiegen?

Oder ironisch formuliert: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV „empfiehlt“ aufgrund einer Studie, die in Deutschland 13 Fälle von Bränden von Pedelecakkus (inklusive einem E-Motorroller) untersucht, seinen Mitgliedern, die Mitnahme von eScootern in Bussen und Bahnen zu verbieten. Die WSW lassen natürlich nicht lange bitten und sprechen ein pauschales Mitnahmeverbot für eScooter in ihrer Bussen und Schwebebahnen aus.</

Analog müßten wir pauschal Busse und Schwebebahn verbieten, weil die einen durch ihren Ölverlust für andere Verkehrsteilnehmer eine nicht hinzunehmende Unfallgefahr darstellen (2 Radfahrer dank WSW-Ölspur gestürzt) und die anderen durch unnötigen DÜ-Lärm eine Gesundheitsgefahr für die Anwohner darstellen. – Eher könnte man 31 Kaiserwagen samt Beiwagen ordern und mit leisem Direktantrieb ausstatten. Leider müssen wir vermutlich aufgrund der Förderrichtlinien mit den Museums-GTW15 noch weitere 15 Jahre vorliebnehmen…

Vermutlich könnte das regelmäßige Schleifen der Schienenstöße auch zu weniger Gerappel beitragen – aber das würde ja nur wieder Geld kosten.

Fuß-♫

[1] ORTEC empfielt einen Austausch dieser Gummielemente alle 9 bis 13 Jahre. Bei der Schwebebahn fing man 2017 – also 20 Jahre nach Einbau der ersten neuen Gerüstbrücken – mit dem Austausch an und beendete diesen 2025. Nur kamen die neuen Gummiteile nicht mehr von ORTEC. Die Firma wollte imzuge des Austauschs bei der Schwebebahn nicht mehr genannt werden.

Tondateien, FLAC-Audioformat, online bis ca. Ende Juli 26.

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