WSW: „Schwebebahn fährt zuverlässig“ – irgendwie.

Pressemitteilung läßt Probleme beim zuverlässigen Takt offen

In einer neuerlichen WSW-Pressemitteilung heißt es: „Schwebebahn bleibt zuverlässig“. Darin wird lediglich das Problem der Betriebsunterbrechungen beschrieben und der Bahn für Januar eine „hervorragende“ betriebliche Verfügbarkeit von 99,7 Prozent bescheinigt.

Mit diesen Zahlen können sich die Fahr- und Wartegäste allerdings nichts kaufen. Denn die Schwebebahn fuhr gestern Nachmittag (13. Mai 2026) mal wieder in einem Zufallstakt irgendwas zwischen einer und 18 Minuten. Diese Verspätungen (Untakt) innerhalb der 99,7 Prozent betrieblichen Verfügbarkeit liegen zwar ausschließlich im Verantwortungsbereich der WSW, werden aber in der Pressemitteilung mit keinem Wort erwähnt. Von den einstigen Plänen und Zuwendungen für einen morgendlichen zuverlässigen Zweiminutentakt will bei dem Verein mit dem Punkt eh keiner mehr was wissen.

Stellen wir uns gestern mal an die Kluse und beobachten das Gespann GTW #30, (#24), #12, #11 und #07. Letzte Aussage der WSW war, daß die Schwebebahn theoretisch alle 3 Minuten und 40 Sekunden fahren könnte – wenn sie denn nach Takt verkehrte.

In der ersten Runde Richtung Oberbarmen ab 16.27 Uhr können wir einen Abstand („Takt“) von 2-4-4-9 Minuten beobachten. GTW #24 geht in Oberbarmen schlafen.

Die Rückrunde Richtung Vohwinkel startet GTW #30 um 16.58 Uhr. GTW #12, #11 und #07 folgen nach 9-2-8 Minuten.

GTW #30 startet Runde 2 Richtung Oberbarmen um 17.31 Uhr. GTW #12, #11, #07, #10 und #02 folgen nach 11-5-7-3-12 Minuten Untakt.

Vor der Rückrunde 2 Richtung Vohwinkel geht GTW #12 in Oberbarmen in den Feierabend. Nein, nicht nur der Fahrer, sondern die ganze Schwebebahn. Früher gab es Mitarbeiter, die nannten sich Springer. Nicht weil die vom Gerüst Bunjee springen, sondern im konkreten Fall GTW #12 hätten übernehmen können. Hättste hatten, Bremsplatten: Diese Mitarbeiter sind in Zeiten wo ETCS für ein Karussell so viel Geld kostet natürlich nicht mehr vorhanden.

Funfact Numero 2: In Zeiten wo die vordere Wendeschleife in Oberbarmen Zukunftsmusik war und Anwohner deshalb noch ruhig schlafen konnten, gab es in der Wagenhalle immer einen Pool von mehreren wartenden Triebwagen, deren Fahrer Pause machten. Dieser Pool fing auch Verspätungen einzelner Bahnen aus Vohwinkel auf. Mit Einbau der vorderen Wendeschleife ist auch dieser Puffer natürlich nicht mehr vorhanden. Mit beiden Funfacts tragen die WSW Verspätungen erfolgreich Runde für Runde weiter.

GTW #30 passiert die Kluse in der zweiten Rückrunde Richtung Vohwinkel um 18.06 Uhr. In Gegenrichtung grüßen uns GTW #02, #27, #14, #19, #09 und #06 nach 12-2-2-1-2-4 Minuten, während wir immer noch auf GTW #11 warten. Die bequemt sich dann nach 18 Minuten (um 18.22 Uhr). GTW #07 und #10 folgen dann nach jeweils weiteren 7 Minuten um 18.29 Uhr und 18.36 Uhr. Motto: Je voller, desto doller.

Das ist im Ergebnis das, was die Stadtwerke unter „Schwebebahn bleibt zuverlässig“ verstehen.
Charlie Chaplins Moderne Zeiten 90 Jahre später in der WSW-Version: Wir haben zwar ein über 600 Millionen Euro teures Traggerüst mit erweiterten Kurvenradien, eine teure neue Wagengeneration mit der dreifachen Motorleistung eines Kaiserwagens und ein noch teureres Betriebssystem („ETCS für ein Karusell“), um nun –theoretisch– endlich überall unbeschränkt Tempo 60 fahren zu können. In der Praxis haben wir mit der „Wagengeneration 15“ aber ins Klo gegriffen und dürfen deshalb längst nicht überall Tempo 60 fahren, gehen den Anwohnern mit ständig auftretenden Bremsplatten auf den Sack und müssen – Bindungsfrist sei Dank – diesen Zustand einer Museumsbahn noch bis etwa 2040 ertragen. Als Dankeschön schmeißen wir die Wagenhalle und Werkstatt Vohwinkel als letztes Original und technisches Zeugnis unserer Väter auf den Müll.

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