17.06.2026N. Bernhardt
Hardtufer: Ein paar Ghostbikes für eine „Fahrradstraße“
Bild 1: Radfahrer werden auf der neuen „Fahrradstraße“ mit ein paar aufgemalten Ghostbikes bedacht. (©N.Bernhardt)
Noch (Stand 16. Juni 2026) stehen die Schilder „Fahrradstraße“ nicht, aber für die neue „Fahrradstraße“ am Hardtufer wird schon kräftig die Werbetrommel gerührt. 450.000 Euro soll ein neuer Deckbelag (ohne Gehweg) inklusive einer baulichen Trennung des Gehwegs auf der Wupperseite gekostet haben.
Radfahrer müssen sich mit ein paar aufgemalten Ghostbikes zufriedengeben, denn jenseits des Hardtufers hat sich sehr viel geändert, nämlich gar nichts. Von Elberfeld kommend steht man sich an der alten Bettelampel auf zwei Stellplätzen die Füße platt, während wie üblich nicht vorhandene Verkehrsteilnehmer aus anderen Richtungen grün signalisiert wird. Für die jahrelange „Baustelle“ wurde der östliche Hofkamp zur Einbahnstraße – für eine lärm- und verkehrsreduzierte Dauerlösung geht dasselbe offenbar niemals nicht. Dann könnte man nämlich auf die dämliche Ampel an der Haspeler Brücke verzichten und eine rechts-vor-links-Regel oder gar Vorrang für den Radverkehr einführen.
Stattdessen nutzt man die ehemals drei Fahrspuren am westlichen Ende des Hardtufers, um den guten Kraftverkehr vom schlechten Radverkehr zu trennen, damit sich dieser nach der Kreuzung wieder auf dem Hofkamp auf einer Fahrspur und einem dämlichen schmalen Sch(m)utzstreifen vereint. Sehr clever.
Weil die ganze Separation so viel Platz braucht, können Radfahrer von Elberfeld kommend auch nicht direkt auf die „Fahrradstraße“, sondern werden auf einem rund 60 Meter langen Radfahrstreifen geführt, bis sie entweder geradeaus über einen neuen verkehrssicherheitsgefährdenden Betonsockel einen Abgang über den Lenker auf den baulich getrennten Gehweg machen, oder artig warten, bis sie in einer starken Verschwenkung zwischen Verkehrszeichen links und Betonsockel rechts auf die Fahrradstraße dürfen, vergleiche Foto 1 oben.
Wo ist das verdammte Problem eine Modalsperre zu errichten?
Am östlichen Ende der „Fahrradstraße“, die sich offensichtlich bis etwa zur Arbeitsagentur auf der Hünefeldstraße hinziehen soll, ändert sich rechtlich gar nichts: Man fährt wie gehabt auf gegen Einbahn auf einer um die vier Meter breiten Gasse. Es ist offensichtlich zu viel verlangt, am Übergang Hardtufer/Hünefeldstraße eine sogenannte Modalsperre zu errichten, die das Hardtufer den Radfahrern beläßt. Auch hier heißt es: geht nicht, weil… Widmung, Durchgangsverkehr – der am Hofkamp für die WSW-Baustelle ganz selbstverständlich unterbunden wurde. Die Widmung einer Straße für Radverkehr, amtlich „Teileinziehung“, ist ein förmlicher Akt. Für das Stück Fußgängerzone der Friedrich-Ebert-Straße am Laurentiusplatz ging das ja auch „mal eben so“.
Bild 2: Dank des offiziellen Parkstreifens auf dem bergseitigen Gehweg im westlichen Teil der neuen „Fahrradstraße“ (Bild links) wird sich dieser wie bisher nach Gewohnheitsrecht auf das gesamte Hardtufer ausdehnen (Mitte). Zumal wir das am Beispiel (Neuer) Friedrichstraße ja genauso handhaben (Bild rechts). (©N.Bernhardt)
Rechtlich ändert sich mit Einrichtung der „Fahrradstraße“ nichts. Selbst den Parkstreifen auf der Bergseite ordnet man in Teilen wieder an. Da das Ordnungsamt immer woanders ist, kann man die Parksituation aus der „Fahrradstraße“ (Neue) Friedrichstraße direkt auf das Hardtufer übertragen. Dort werden nach anfänglichen Kontrollen die offiziell ausgewiesenen Parkstreifen inzwischen nach Bedarf bis zur nächsten Kreuzung erweitert. Es läßt sich also voraussagen, daß der offiziell angeordnete Parkstreifen über die gesamte Länge des Hardtufers fortgesetzt wird. Alles wie gehabt und es fallen keine Stellplätze weg.
Einige Radfahrer mit Liebe zur eigenen Gesundheit werden wie gewohnt den Gehweg Richtung Hünefeldstraße nutzen, da dieser nun endlich baulich gegen die entgegenkommenden Zwangsüberholer abgesichert ist. Mit etwas mehr Verkehr durch Kinderwagenschieber und Rollstuhlfahrer wird man allerdings auf der „Fahrradstraße“ rechnen müssen, da für sie die Betonsockel nun ein unüberwindbares Hindernis darstellen.
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