12.07.2026N. Bernhardt
Klimaresilienz: Jeden Quadratzentimeter bis zur Nordbahntrasse zubauen!
„Wuppertal reagiert auf Hochwasser und Klimaresilienz“ und gründet 2021 eine „Taskforce“. Wuppertal startet – angeblich – in eine klimaresiliente Zukunft. – Ah, ein Projekt!
In der Praxis sieht man davon indes wenig bis nichts. Beispiel Nordbahntrasse: Während man in den unangetasteten Bereichen der Trasse oft unter Bäumen im Schatten wandert oder fährt, mußte zwischen Bahnhof Wichlinghausen und Am Diek die Trasse unbedingt auf 1,3 km durch viel Beton ersetzt werden.
Auch aktuell ist man im Bereich unterhalb der Münzstraße ungeschützt der Sonne ausgesetzt, weil unbedingt jeder Quadratzentimeter bis zur Trasse bebaut werden muß. Jetzt wird dort auch noch der Bereich südlich der Trasse ausgebaggert, Bäume gerodet. Wer genehmigt solchen Mist eigentlich?
Ist das die Resilienz aus dem Blumentopf? Und was hat die BUGA eigentlich zu bieten, außer daß man den halben Kiesberg auf den Kopf stellt und ein Landschaftsschutzgebiet mal eben flächennutzungsplanändert, um daraus einen Parkplatz zu machen?
Weiter mit:
Vom Bahnhof Wichlinghausen bis zur Straße Am Diek sind es laut Google Maps 850 m. Dazwischen liegt das schon nicht mehr ganz neue Neubaugebiet „Bergisches Plateau“. Das wurde in den 2010er Jahren gebaut, also deutlich vor der Taskforce. Rechts und links der Luhns- bzw. Dr.-Kurt-Herberts-Straße liegen breite Grünstreifen mit jungen Bäumen.
Ich kann die Darstellung im Beitrag („viel Beton“) gar nicht nachvollziehen. Soll das Übertreibung sein?
Dass Grundstücke heute an einem Radweg anders bebaut werden als Grundstücke historisch an einer stark befahrenen Bahnstrecke, wundert mich wenig.
Nun wir sind ja auch nicht fertig mit der Bebauung. Es wurde allerdings durchaus schon mehr Bebaut welches anders Städtebaulich geplant werden hätte können. Zum Beispiel beim Sheffler Gelände oder aber auch beim Vorrang in Vohwinkel. Auch dort wird im übrigen die BUGA und deren Bautätigkeiten noch mal zur einer Verschlechterung führen werden.
Wenn Sie von Schee kommen und die Trasse vor der Beule verlassen müssen, sind das rund 1300 Meter, die man auf dem Rad bis Bahnhof Wichlinghausen zurücklegt. Selbst gemessen mit Fahrrad.
Daß ein Entwicklungsprojekt wie das „Bergische Plateau“, das Projekt zur Beseitigung des mangelhaften Discounterangebots mit Blumenladen von Stadt und Rat in einer Zeit durchgewunken wird, wo die Stadt absolut null Unterstützung für die Nordbahntrasse zeigte, läßt sich noch irgendwie nachvollziehen. Wenn Radverkehr im Jahre 2010 irgendeine tragende Rolle in der Stadtplanung gespielt hätte, würde ein vorausschauender Planer vielleicht einen 4-5 Meter breiten kreuzungsfreien Streifen für den „Durchgangsradverkehr“ freihalten, wo man nicht ständig über spielende Kinder oder querende Anliegerstraßen stolpert. Das sind ja auch Dinge, die man als Stadtplaner im voraus mit dem Investor/Grundstückseigentümer aushandeln kann. Sofern überhaupt sowas wie ein Stadtentwicklungskonzept existiert, das auch in den Medien und Köpfen der Wuppertaler präsent ist.
Wuppertal ist mit Pressemitteilungen über Maßnahmen zu Klimaresilienz und „Schwammstadt“ stets präsent, als seien wir Vorreiter für Deutschland. Nur sehen tut man nichts. Den Beton an der Trasse meint eindeutig (wie auf dem verlinkten Foto) die Bebaaung an der Goldammerstraße. Da paßt ja zwischen Trasse und Privatgärten – häufig nur eine öde Wiese – nicht mal ein Bäumchen, in denen man Schatten oder gar Privatsphäre genießen kann. Der Teil der Strecke ist bei Hitze einfach abstoßend.
Statt „proaktiv“ Flächen zur Begrünung vorrangig mit schattenspendenden Bäumen vorzusehen, müssen wir stattdessen mit Restflächenvermarktung sehen, wo wir ein Stück Straße wegnehmen und dort Bäume pflanzen. Diese Fehlplanung in den Ämtern lenkt die Aufmerksamkeit passenderweise in Richtung „blöden Klimaschutz“, der einem den Parkplatz wegnimmt.
30 Jahre hat die Stadt Wuppertal zum Schuldenabbau sein „Tafelsilber“ verramscht und damit systematisch jeden Einfluß auf die Nutzung und Stadtentwicklung aus der Hand gegeben. Dann müssen aber unbedingt hier 160 Millionen für den Döppersberg abfließen, dort 200 Millionen fürs Bauschzentrum, wahrscheinlich dreistellige Summen inkl. Folgekosten für eine Super-BUGA (ohne eingebauten Klimaschutz und „Schwammstadt“). Angenommen Wuppertal hätte eine Satzung zur Klimaresilienz, das Grundstückseigentümer entweder bei Neubauprojekten zu einem gewissen Grünflächenanteil verpflichtet, oder wahlweise der Stadt ein Vorkaufsrecht für den Grünflächenanteil einräumt: In solchen Fällen hätte die Stadt für die Ausübung des Vorkaufsrecht leider wieder kein Geld.
Aber bei den Trauerfeiern zur Hochwasserflut sind Politiker aller Couleur sofort zum „Gedenken“ präsent.
> Bereich unterhalb der Münzstraße ungeschützt der Sonne ausgesetzt,
Ein innenstädtische Industriebrachfläche, die zu Wohnungsbauzwecken genutzt wird. Dabei werden ökologische und soziale Standard durch die Stadt vorgegeben.
Wo sollen sonst Wohnungen entstehen? Auf grüner Fläche? In Naturschutzgebieten? Möglichst weit weg damit die Bewohner:innen auf jeden Fall nur mit fetten Autos Ihre Brötchen holen?
Wesentlich besser wird sich das Areal in meinen Augen nicht nutzen lassen. Klar, Lehmbauten oder Baumhütten wären ökologisch vielleicht noch besser aber eben nicht realistisch.
Es geht mir lediglich darum, nicht bis zum letzten Zentimeter an die Trasse zu bauen. Sondern entlang der Wege und Straßen Ṕlatz für Grün und Bäume zu lassen, die die Temperaturen auf den Wegen um rund 10°C senken können, weil sie Licht absorbieren und nicht den blanken Beton oder Asphalt aufheizen.
Nachträglich die Trasse begrünen, weil dies aktuell „vergessen“ wurde oder kein Geld da ist, geht ja auch nicht. Weil: links und rechts der Trasse mußte der letzte Zentimeter zugebaut werden.
Ein Blick in die Planungsunterlagen (erreichbar über https://www.wuppertal.de/microsite/unser-barmen/projekte/laufende-projekte/entwicklung-der-potentialflaeche-heubruch/entwicklung-der-potentialflaeche-heubruch.php) zeigt das nichts „vergessen“ wurde. Ganz im Gegenteil; Stadtplanerische hervorragend und vorbildlich. Nur ein Zitat:
„Daher ist bei einer Bebauung grundsätzlich
sicherzustellen, dass sich die klimatische Situation nicht verschlechtert (bspw. durch Dachbegrünungen, Baumpflanzungen sowie die Berücksichtigung eines Grünstreifens entlang der Nordbahntrasse).“
Die konkreten Details sprechen für sich. Auch für die privaten Grünflächen wurden konkrete Vorgaben unter Berücksichtigung des Umwelt- und Klimaschutzes gemacht. Dem vernehmen nach sind ein paar der ersten Bewohner auch ziemlich überrascht, dass sie Ihre Vorgärten nicht nach gutdünken schottern dürfen.
Das was da gebaut wurde sieht anders aus: Von der Trasse 1m Schotter, dann Mauer, dann Minigarten, nach wenigen Metern Haus.
Ja eine Projektgruppe im Stuhlkreis ist das richtige vorgehen um sich nicht inhaltlich mit der Stadtentwicklung zu beschäftigen. Natürlich bedarf es Wohnungen am besten welche die auch bezahlbar sind. Wirklich günstig sind die jedoch nicht. Dafür das der Nördliche Teil der Bebauung Parkquartier heißt ist von einen Park nicht viel zu sehen. Ein bischen Dachbegrünung wird das Klima nicht unbedingt verbessern.