Ein „Parkplatzkonzept“ als Sackgasse am Beispiel Neviandtstraße

Über Kinkerlitzchen bei Stellplätzen und Bürgerbeteiligung der Art „Abwehr mit Standardfloskeln“.

Bild: ©N.Bernhardt. Auf der Neviandstraße zwischen Abzweig Viehhofstraße, an der nur Radfahrer abfahren dürfen, und dem Kiesbergtunnel gibt es außer einer Sackgasse keinerlei Ausweichstraßen, auf die man bei Einrichtung von Bewohnerparkplätzen ausweichen könnte.

Ein Anwohner der Neviandtstraße – landschaftlich wunderschön im Kessel zwischen Kiesbergtunnels und in Verlängerung der Viehhofstraße gelegen – wünscht sich aufgrund prekärer Parksituation eine Lösung – zum Beispiel Anwohnerparkplätze. Hinten in der Baumstraße gibt es am Ar… der Welt noch ein städtisches Alten(pflege)heim, dessen Besucher die Parksituation verschärfen.

Welche Maßnahme darf der Herr von der Stadt erwarten? Keine. Genau dieselbe Schiene wie das von der Stadt aufgegebene und vergammelte Gebäude Neviandtstraße 87 von 1910, erbaut „mit den Mitteln der Erbschloe-Stiftung“, wie es auf einer Inschrift heißt. Ein wunderschöner Lost Place und Denkmal dafür, daß Geld immer nur für anderes da ist.

„Begründung“ der Verwaltung gegen das Tun gegen Parkplatzmangel: Im Kessel zwischen Kiesbergtunnel, Neviandtstraße und der Sackgasse Baumstraße könnte Bewohnerparken „zu Verlagerungseffekten in angrenzenden Straßen führen“. Das sind Standardfloskeln: Die Leute parken dann im angrenzenden Wald oder Kiesbergtunnel, oder watt?

Natürlich sind für solche Bewohnerparkplätze komplizierteste, teuerste und auf/-dickwändigste Parkraumkonzeptgut- und schlechtachten notwendig – das dauert, ist teuer und natürlich kann das die Verwaltung unmöglich leisten! Selbstredend hat man quasi nebenbei in der Hospitalstraße oder in der Luisenstraße nördlich des Deweerth’schen Gartens Bewohnerparken realisiert: eine Seite ist für Bewohnerparken reserviert, die andere Seite für jedermann. Das würden sogar Grundschüler der ersten Klasse hinbekommen. [2]

Jeder Hauseigentümer und Gewerbtreibender ab der Größe eines Bauchladens muß Stellplätze nachweisen – oder als Ablöse ein kleines Vermögen an die Stadt abdrücken, damit sie neue Stellplätze schafft. Und was macht die Stadt? Sie baut für das Zusammenziehen städtischer Behörden in die Bundesbahnverwaltung keine neuen Parkhäuser. Sie macht aus dem eigenen Parkhaus am Kasinogarten kein Vorzeigeprojekt und Anwohnerparkhaus, sondern vermietet es an einen privaten Betreiber. Sie überbaut für das Bauschzentrum die letzten Parkplätze am Schauspielhaus und raubt der Tiefgarage unterm Cinemaxx die Anbindung. Sie verkauft mal eben am Sonnborner Ufer die Hälfte der Stadion-Stellplätze an den ALDI. Sie ändert mal eben den Flächennutzungsplan für das Buntenbecker Feld, um wegen angeblich sofortigem Bedarf an Gewerbeflächen für die nächsten sieben Jahre erst einmal einen Remote-Parkplatz für die BUGA anzulegen.

Und selbstredend: Für städtische Altenheime muß man als Stadt offenbar keine Stellflächen nachweisen. Man berechnet dafür einen Teil öffentlicher Parkplätze in der Nähe ein (so wie bei der Bundesbahnverwaltung) und erzählt dann einfach was davon, daß der einzelne Anwohner ja gar kein Anrecht auf einen persönlichen Stellplatz vor dem Haus hat. Das Aufstellen von ein paar Schildern mit Parkverbot und erlaubtem Parken nur für Bewohner könnte ja ein paar Hirnzellen aktivieren und die Hand vom Schoß heben.

[1] VO/0580/26 Parkplatzsituation Neviandtstraße/Baumstraße
https://ris.wuppertal.de/vo0050.asp?__kvonr=35749

[2] VwV-StVO, zu § 45 Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen, Randnr. 32: „Innerhalb eines Bereiches mit Bewohnerparkvorrechten dürfen werktags von 9.00 bis 18.00 Uhr nicht mehr als 50%, in der übrigen Zeit nicht mehr als 75% der zur Verfügung stehenden Parkfläche für die Bewohner reserviert werden.“ – Der Einfachheit halber kann ganztägig die Hälfte der Parkflächen für Bewohner reserviert werden.
https://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm

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