27.06.2026Wuppertaler Friedensforum
Vor 85 Jahren – Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion

Rückblick: Lesung „Vor 85 Jahren – 22. Juni 1941. Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion.“
Die sowjetischen Republiken zahlten mit 27 Millionen zivilen und militärischen Opfern den weit aus höchsten Blutzoll im Zweiten Weltkrieg und für die Befreiung Europas vom Faschismus. Bis heute wird das Gedenken daran in Russland, Belarus und der Ukraine hochgehalten.
Reiner Rhefus ordnete die verlesenen Originaltexte aus dem Jahr 1941 kenntnisreich in den historischen Kontext ein. Das Besondere an dieser und anderen Lesungen ist, dass er, Olaf Reitz und Kati Göbel Ereignisse und Textdokumente zusammenstellen, die weithin unbekannt sind. So vermitteln sie ein neues und eindrucksvolles Bild der zeitgenössischen Wirklichkeit. Dass die Primärtexte ohne wertende Kommentare zu Gehör gebracht wurden gab den Zuhörenden die Möglichkeit, tief in die Zeit einzutauchen und ihre eigenen Gedanken und Gefühle dazu zu entwickeln.
Wichtig, wenn auch kaum zu ertragen waren Zitate der Täterseite, aus Hitlers „Mein Kampf“ oder dem sogenannten Kommissarbefehl, aus denen die NS-Ideologie unverblümt hervorgeht. Ziel des Einmarschs in die Sowjetunion war die vollständige Unterwerfung und Versklavung des „jüdisch-bolschewistischen Untermenschen“, um nach Vorbild des Kolonialismus Ressourcen und Land für den „arischen Herrenmenschen“ zu erlangen. Dieses Kriegsziel kam auch in einer Rede Hitlers auch vor den führenden deutschen Industriellen unverhohlen zur Sprache, die den Feldzug mit vorbereitet und finanziert haben.
Wie grausig der Vernichtungskrieg vonstatten ging, zeigten Schilderungen von der Auslöschung von Dörfern und deren Bewohnern nach dem Prinzip der verbrannten Erde und der Massenerschießungen jüdischer Menschen.
Ebenso grausam war die über mehr als zwei Jahre andauernde Hungerblockade der Stadt Leningrad. Ein großes Zeichen der Kraft und des Überlebenswillens der Bevölkerung auch in kultureller Hinsicht setzte der Komponist Schostakowitsch, der eine Sinfonie auf das Leiden Leningrads schrieb, die überall in der Sowjetunion gefeiert wurde. In Leningrad selbst bildete sich ein Orchester, das am Rande des Hungertodes die Sinfonie probte und aufführte.
Einen Bezug zu Wuppertal bildeten Texte des Publizisten und Wuppertaler Rabbinersohnes Albert Norden (1904-1982).
Bereichert wurde die Lesung durch Lieder über den Krieg, vorgetragen von russlanddeutschen Menschen aus Wuppertal. In den Liedern kommt die Trauer um junge Soldaten zum Ausdruck. Eines stellt die rhetorische Frage „Und ihr meint, die Russen wollen Krieg?“
Um so tragischer ist es, dass heute tatsächlich wieder Krieg ist, ausgehend vom Angriff Russlands auf die Ukraine. Reiner Rhefus war aktiv in der Städtepartnerschaft mit der russischen Stadt Engels, die aufgrund der aktuellen Lage eingestellt wurde. Er möchte den Austausch wiederbeleben und sucht Menschen aus Wuppertal, die dabei mitmachen möchten.
Das einzige, was dieser aufrüttelnden Veranstaltung fehlte, waren junge Zuhörende, die keinen unmittelbaren Bezug mehr zur NS-Zeit und dem Kriegsgeschehen haben. Ob sich das Thema an Schulen tragen ließe?

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© Fotos: Jochen Vogler, R-mediabase
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