09.10.2026evangelisch wuppertal
Zuhören, aushalten, gestalten
Barrierefrei und offen für alle: So wünscht sich Pfarrer Christian Lerch seine Kirche. Und weil das gut zur Gemeinde Wuppertal-Vohwinkel passt, startet er dort als neuer Gemeindepfarrer. Am Sonntag (11.10.) wird er eingeführt.

Barrierefrei und offen für alle: So wünscht sich Pfarrer Christian Lerch seine Kirche. Und weil das gut zur Gemeinde Wuppertal-Vohwinkel passt, startet er dort als neuer Gemeindepfarrer. Am Sonntag (11.10.) wird er in sein neues Amt eingeführt.
Mit 49 Jahren hatte Christian Lerch noch mal Lust, sich beruflich auf Neues einzulassen. Als Theologe sind die Möglichkeiten groß. Doch für ihn war klar: Er möchte Gemeindepfarrer bleiben, „weil ich hier die ganze Bandbreite des Lebens begleite.“ Nach 13 Jahren als Pfarrer der Lutherkirchengemeinde in Solingen wechselt er nun in die Gemeinde Wuppertal-Vohwinkel. „Für mich war es jetzt ein guter Zeitpunkt, um Kirche an anderer Stelle zu gestalten.“
Die Zeiten dafür sind nicht einfach. Die Zahl der konfessionslosen Menschen in Deutschland nimmt stetig zu. Die Kirche wird kleiner und ärmer, aber Christian Lerch sieht darin auch eine Chance für die Gemeinden, sich anders und neu aufzustellen. Die Gemeinde Vohwinkel, zu der heute noch rund 6.000 Menschen gehören, hat damit schon vor Jahren begonnen. Sie musste sich von Gebäuden und auch Pfarrstellen trennen. Heute leitet ein multiprofessionelles Team die Gemeinde, das aus zwei Pfarrern, einer hauptamtliche Kirchenmusikerin, einem Diakon und einer weiteren Mitarbeiterin besteht. Ein Gemeindebüro gibt es auch noch.
Wir brauchen mehr denn je Orte, an denen wir nicht nur unter Menschen sind, die genauso denken und leben wie wir.
„Eine lebendige Gemeinde, in der viel passiert“
Viel ehrenamtliches Engagement zeichnet die Gemeinde aus. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es gibt unterschiedliche Gesprächskreise und Gottesdienstformate. Besonders beliebt sind die Jugendgottesdienste mit moderner Musik und Bands. Wenn dazu an Pfingsten eingeladen wird, kommen meist rund 200 Menschen. „Es ist eine lebendige Gemeinde, in der viel passiert und die offen ist für neue Ideen. Das gefällt mir“, sagt Christian Lerch.
Ihm ist es wichtig, dass „Kirche auch wirklich Kirche für alle ist“ und so vielfältig, divers und bunt wie die deutsche Gesellschaft. „Wir brauchen mehr denn je Orte, an denen wir nicht nur unter Menschen sind, die genauso denken und leben wie wir“, betont der Theologe. „Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sonst vielleicht gar keine Berührungspunkte gehabt hätten.“
Unterschiede aushalten und gemeinsam Kirche gestalten
Diese Offenheit für alle, die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam Kirche zu gestalten, ist für ihn die Grundlage des christlichen Glaubens: „Für Gott zählt nicht das, was wir leisten, wieviel wir besitzen, wo wir herkommen, wie wir aussehen oder wen wir lieben, sondern was wir sind: Seine geliebten Kinder. In seinen Augen haben wir alle den gleichen Wert und die gleiche Würde.“
Unsere Kirche ist viel offener gegenüber anderen Lebensformen geworden. Das müssen wir heute verteidigen.
Die Gemeinde wünscht er sich als einen sicheren Ort, an dem die Menschen sein können wie sie sind. So wie er es selbst als queerer Pfarrer, der mit einem Mann verheiratet ist, schon lange erlebt. „Unsere Kirche ist in den letzten zwanzig Jahren sehr viel offener gegenüber anderen Lebensformen geworden. Dafür dürfen wir dankbar sein.“ Doch diese Errungenschaften müssten auch verteidigt werden, betont er.
„Wir leben in einer Zeit, in der Demokratie und Menschenrechte zunehmend in Frage gestellt werden. Dem müssen wir als Kirche entgegentreten mit der guten Botschaft, die wir als Christ:innen haben“, sagt Christian Lerch. Eine klare Haltung ist ihm wichtig, aber auch, Menschen mit ihren verschiedenen Lebens- und Glaubensfragen, Fähigkeiten und Blickwinkeln erstmal zuzuhören und Begegnungsräume dafür zu schaffen. „Ich bin mir sicher, dass wir als Gemeinde in unserem Stadtteil viel bewegen und – wie die Bibel es formuliert – Salz der Erde sein können.“
Einführung von Pfarrer Christian Lerch
Pfarrer Christian Lerch wird am Sonntag (11.10.) um 10 Uhr im Gottesdienst in der Gräfrather Kirche in Vohwinkel vom stellvertretenden Superintendenten Frank Schulte eingeführt. Im Anschluss lädt die Gemeinde zum Empfang ein.
Christian Lerch ist in Essen geboren und hat in Wuppertal und Heidelberg Theologie studiert. Im praktischen Teil seiner Ausbildung war er in Kirchengemeinden in Düsseldorf und Wuppertal tätig, bevor er lange als Pfarrer in Solingen gearbeitet hat. Er ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.
Text: Sabine Damaschke
Foto: privat
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