Abschied im Ruhestand

Erst in der Rente hat Waltraud Hummerich ihren Traum, als Gemeindepfarrerin zu arbeiten, verwirklicht. Nach 28 Jahren im Schuldienst und drei Jahren in der Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck wird sie nun verabschiedet.

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Erst in der Rente hat Waltraud Hummerich ihren Traum, als Gemeindepfarrerin zu arbeiten, verwirklicht. Nach 28 Jahren im Schuldienst und drei Jahren in der Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck wird sie nun verabschiedet.

Viele Menschen freuen sich, wenn sie endlich in Rente gehen können. Sie haben sich vor drei Jahren noch mal in neue Aufgaben eingearbeitet. Was hat Sie daran gereizt?

Waltraud Hummerich: Ich mag Herausforderungen. Im Schuldienst habe ich viel Gelassenheit und Geduld gelernt und erfahren, wie sich mit guten Ideen und Kreativität Neues gestalten lässt. In meinem Berufsleben bin ich oft gefragt worden, ob ich nicht wieder als Gemeindepfarrerin arbeiten möchte. Als dann die Anfrage kam, die Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck noch für einige Zeit in meiner Rente als Pfarrerin zu unterstützen, habe ich sofort zugesagt. Damit schließt sich für mich beruflich ein Kreis, der mich von Emden nach Wuppertal geführt hat.

Wie sind Sie nach Wuppertal gekommen?

Hummerich: Nach meinem Vikariat in Ostfriesland habe ich meine erste Stelle beim Wuppertaler Predigerseminar als Studieninspektorin bekommen. Von dort bin ich zunächst wieder weggegangen, um in einem Frauenforschungsprojekt in Göttingen zu arbeiten. Im Jahr 1995 kam ich schließlich als Schulpfarrerin ans Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal. Von 2001 bis 2023 war ich am Carl-Duisberg-Gymnasium.

Es war eine Umstellung, von der Schule in die Gemeinde zu gehen, aber auch eine Bereicherung.

Übrigens wurde ich dort häufiger von den Schüler:innen gefragt, wo denn meine Gemeinde ist. Und dann habe ich immer gesagt: Na, ihr seid das jetzt! Ich musste den Kindern und Jugendlichen erklären, dass ich zwar keine ausgebildete Lehrerin bin, aber auch Religionsunterricht geben darf – wie die Pfarrer:innen im Konfirmandenunterricht.

War es eine große Umstellung, als Gemeindepfarrerin nicht mehr nur mit jungen, sondern auch vielen älteren Menschen zu tun zu haben?

Hummerich: Ja, eine Umstellung war das schon, doch auch eine Bereicherung. Ältere Menschen blicken auf ein langes, mitunter bewegtes Leben und verfügen über viel Lebensklugheit. Davon kann ich lernen, auch wenn ich selber mittlerweile nicht mehr zu den Jüngeren zähle. Mir wurden Lebensgeschichten anvertraut, mit den Brüchen und offengebliebenen Fragen, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen. Doch auch mit den Weisheiten: Die Träume und Wünsche nicht aufzugeben, zu vertrauen auf Gottes Segen und die Begrenztheit des eigenen Lebens zu akzeptieren. Rose Ausländer sagt es in einem Gedicht: „Sei was du bist. Gib was du hast.“ Das trifft es gut.

Gottesdienste, Seelsorge, Gemeindearbeit: Was hat Ihnen besonders viel Freude gemacht?

Hummerich: Jedes auf die eigene Weise: Im Gottesdienst konzentriert sich die Gemeinde, hört auf das biblische Wort und auf die Auslegung, bringt die eigenen Anliegen vor Gott mit der Bitte um Geleit.

Ich spüre immer eine große Verantwortung, verständlich und lebensnah zu sprechen.

Da spüre ich immer eine große Verantwortung, verständlich und lebensnah zu sprechen. Auch seelsorgerliche Gespräche habe ich gerne geführt. Wir lernen zwar von Anfang an im Pfarrberuf das genaue, verstehende Zuhören, und doch ist wirkliches Verstehen immer ein Geschenk. Das ist nicht selbstverständlich, sondern fordert mich immer neu heraus. Für das mir entgegengebrachte Vertrauen bin ich sehr dankbar.

Ein Schwerpunkt war für mich die Kinder- und Jugendarbeit mit der Organisation der „Offenen Tür“ im Jugendhaus in der Bartholomäusstrasse sowie den Angeboten im Bereich der Gemeinde mit Kinderbibeltagen und der Kinderkirche am Hottenstein. Es hat mir besondere Freude gemacht biblische Erzählungen weiterzugeben.

In diesen Zeiten, in denen Kirche kleiner und ärmer wird, in eine Gemeinde zu gehen, ist eine Herausforderung. Wie haben Sie die Strukturdebatten erlebt?

Hummerich: Die Gespräche zu den Strukturveränderungen in unseren Gemeinden sind notwendig, nicht immer einfach, doch nie langweilig. Ich habe mich in der Steuerungsgruppe auf der Ebene des Kirchenkreises für den Weggemeinschaftsprozess – die Kooperation bin zur Fusion der Gemeinden – engagiert. In der Gemeinde war ich dann für die Weggemeinschaft Wuppertal-Ost aktiv.

Wichtig ist es, denke ich, auf sich selbst mit Humor blicken zu können.

Beides habe ich sehr gerne gemacht – und dabei gelernt, dass eine intensive Beteiligung aller im Prozess den Erfolg zwar nicht garantiert, aber uns einer mehrheitlich akzeptierten und daher langfristig guten Lösung möglichst nahebringt.

Was nehmen Sie persönlich aus dieser Zeit in der Gemeinde mit? Was haben Sie gelernt – vielleicht auch für den Umgang mit dem Älterwerden und dem Ruhestand?

Hummerich: Wichtig ist es, denke ich, auf sich selbst mit Humor blicken zu können. „Du bist ein Gott, der mich sieht“ – dieses Wort habe ich mir zum Abschied ausgesucht. So getrost weiterzugehen (im „Ruhegang“), zu vertrauen, dass Gott nicht nur mich mit liebendem Blick anschaut, gibt mir Zuversicht, für mich und für die Welt, in der meine Enkelin noch gut und friedlich leben können soll.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.
Foto: Sabine Damaschke

Abschiedsgottesdienst

Waltraud Hummerich wird am Sonntag (21.06.) aus dem Pfarrdienst in der Kirchengemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck in einem Gottesdienst von Superintendentin Katharina Pött verabschiedet. Er findet um 15 Uhr in der Erlöserkirche (Stahlstraße 9) statt. Anschließend wird zu einer Abschiedsfeier eingeladen.

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