16.06.2026evangelisch wuppertal
Dorfpfarrer in der Stadt
Die Schwelle der Kirche niedrig halten: Das ist Pfarrer Frank Beyer wichtig. Deshalb hat er immer den Kontakt zu den Menschen in Vohwinkel gesucht. Oft auch mit ungewöhnlichen Ideen. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Die Schwelle der Kirche niedrig halten: Das ist Pfarrer Frank Beyer wichtig. Deshalb hat er immer den Kontakt zu den Menschen in und außerhalb seiner Kirchengemeinde in Vohwinkel gesucht. Oft auch mit ungewöhnlichen Ideen. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Mit einer Babysocke im Rucksack, einer Adressliste und viel guter Laune ist Frank Beyer jahrelang in Vohwinkel mit seinen Kolleginnen unterwegs zu jungen Familien gewesen. Allen Eltern neugeborener Kinder hatte die Gemeinde vorher in einem Brief zur Geburt ihres Kindes gratuliert, zur Taufe eingeladen und eine Socke mitgeschickt. Die zweite gab es dann bei einem persönlichen Besuch.
„Wir haben in dieser Zeit unglaublich viele Anmeldungen zur Taufe gehabt“, erzählt Frank Beyer. „Ich habe diese spontanen Besuche geliebt und werde noch heute auf darauf angesprochen.“ Doch nicht nur die „Taufsocke“, auch viele andere Aktionen wie Andachten mit dem Kirchenwagen in ganz Vohwinkel, der Wuppertaler Konfi Cup, Gottesdienste, Gesprächskreise oder Bildungsreisen sind den Menschen im Stadtteil in Erinnerung geblieben.
Kaum gehe er aus der Tür, habe er das erste Gespräch, spottet seine Frau manchmal. „Ich bin halt ein Dorfpfarrer in der Stadt“, entgegnet der 64-jährige Theologe dann.
Viele Abschiede vom Traumberuf
Nun geht er nach 28 Jahren als Pfarrer der Gemeinde Vohwinkel in den Ruhestand – und feiert so viele Abschiede, dass es ihm sichtbar schwerfällt, seinen Traumberuf zu beenden. „Ich habe immer alles gegeben, weil ich keinen Dienst nach Vorschrift machen kann, aber irgendwann lässt die Kraft nach“, erzählt Frank Beyer.
Viele Veränderungen hat er angestoßen und Menschen gewonnen, die sich von seiner Begeisterung anstecken ließen und Kirche ehrenamtlich mitgestalten. Doch nun will er loslassen und ein Jahr „abstinent“ sein, zur Ruhe kommen, bevor er sich im Ruhestand wieder Aufgaben sucht.

Abschied im Kirchenkreis: Im Gottesdienst der Sommersynode 2026 hat Pfarrer Frank Beyer gepredigt.
„Mir war es immer wichtig, die Schwelle der Kirche niedrig zu halten“, erklärt der Gemeindepfarrer. Persönliche Kontakte sind für ihn der Schlüssel, um möglichst viele Menschen mit „der guten Botschaft von der unglaublichen Liebe Gottes“ zu erreichen. Und auch mit der Einsicht, dass „Kirche viel Gutes bewegen kann, selbst wenn die Mitgliederzahlen weniger werden.“
Gut aufgestellt für die Zukunft
Auf einem Sparkurs ist seine Gemeinde in Vohwinkel schon länger. Die Kirchen und Gemeindezentren am Bremkamp und an der Goerdelerstraße mussten geschlossen und abgerissen werden. „Das tat natürlich weh, war aber für den langfristigen Erhalt der Gemeinde unverzichtbar. Davon profitieren wir heute.“ Wenn er geht, wird seine Stelle neu besetzt. Auch ein Gemeindebüro, eine hauptamtliche Kirchenmusikerin und Mitarbeiterin sowie einen Diakon finanziert die Gemeinde. „Für die Zukunft sind wir gut aufgestellt“, meint Frank Beyer.
Vieles von dem, was er in den 28 Jahren angestoßen hat, wird weitergeführt – von Gesprächskreisen über den Besuchsdienst bis hin zum Kirchentag im Westen. Vor allem in der Kinder-, Familien- und Jugendarbeit hat der Theologe Akzente gesetzt. Er organisierte Jugend- und Familienwochenendfreizeiten und gestaltete mit Jugendlichen Gottesdienste mit moderner Musik und Bands. Wenn die Gemeinde an Pfingsten dazu einlädt, kommen meist rund 200 Menschen.
Intensität an Gemeindearbeit nimmt zu
„Während wir weniger werden, erlebe ich, dass die Intensität an Gemeindearbeit zunimmt und die Beteiligung der Engagierten steigt“, betont er. Gut besuchte Gottesdienste, viel innere und äußere Beteiligung, das Suchen nach Wegen, den Glauben zu leben – das alles sei sehr vielfältig und schön in Vohwinkel.
In den beiden Wochen bevor er in einem Gottesdienst offiziell von seiner Gemeinde und Superintendentin Katharina Pött in den Ruhestand verabschiedet wird, konnte er in noch sieben Kinder taufen. „Das war ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk für mich“, sagt Frank Beyer.
Abschiedsgottesdienst
Pfarrer Frank Beyer wird am Sonntag (21.06.) um 10 Uhr in einem Entpflichtungsgottesdienst in der Kirche an der Gräfrather Straße verabschiedet.
Frank Beyer hat in Wuppertal, Marburg, Tübingen und wieder Wuppertal studiert. Nach seinem Studium absolvierte er von 1988 bis 1990 ein Vikariat in der Evangelischen Kirchengemeinde Sonnborn. Anschließend war er dort bis 1992 Pastor im Hilfsdienst. Von 1992 bis 1998 arbeitete er als Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Ronsdorf, bevor er für 28 Jahre in der Gemeinde Vohwinkel tätig war. Der Theologe ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Text: Sabine Damaschke
Fotos: Thorsten Levin
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