„Glaube braucht Haltung“

Nach einem Jahr im Probedienst wird Manuel Stötzel am Sonntag (17.05.) als Pfarrer der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld eingeführt. Im Interview spricht er über die Barmer Theologische Erklärung, Kirche im Wandel - und warum widerständige Theologie heute aktueller ist denn je.

Nach einem Jahr im Probedienst wird Manuel Stötzel am Sonntag (17.05.) als Pfarrer der Gemeinde Gemarke-Wupperfeld eingeführt. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Barmer Theologischen Erklärung, Kirche im Wandel – und warum widerständige Theologie heute aktueller ist denn je.

Die Gemarker Kirche ist als Ort, an dem die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet wurde, weltweit bekannt. Was macht dieses Erbe mit Ihnen als Theologe?

Manuel Stötzel: Ich empfinde es als Privileg, an diesem Ort wirken zu dürfen. Die Barmer Theologische Erklärung entstand 1934 als theologisches Bekenntnis gegen die Vereinnahmung der evangelischen Kirche durch die sogenannten Deutschen Christen und den nationalsozialistischen Staat. Auch heute erinnert sie daran, dass die Kirche allein an Jesus Christus gebunden ist und ihren Auftrag nicht politischen Ideologien unterordnen darf.

Der Erbe der Barmer Theologischen Erklärung ist für mich eine Erinnerung daran, Glauben verantwortlich zu leben.

Mich beeindruckt der Mut der Frauen und Männer der Bekennenden Kirche, die unter großem Druck ihrem Glauben und Gewissen treu geblieben sind. Dieses Erbe ist für mich kein Denkmal der Vergangenheit, sondern eine bleibende Erinnerung daran, Glauben verantwortlich zu leben und Orientierung aus dem Evangelium zu suchen.

Sie sind nun seit einem Jahr in der Gemeinde. Wo sehen Sie die Chancen, aber auch die Herausforderungen?

Manuel Stötzel: Ich erlebe hier viele engagierte Menschen, eine große Offenheit und den Wunsch, Kirche lebendig zu gestalten. Darin liegt eine große Chance. Gleichzeitig merken wir natürlich, dass sich Kirche – so wie überall – auch hier in Wuppertal und in unserer Gemeinde verändert: weniger Ressourcen, weniger Selbstverständlichkeit, weniger Bindung.

Gerade in Zeiten des Wandels kann viel Neues entstehen, wenn wir mutig sind.

Die Herausforderung wird sein, trotzdem Räume zu schaffen, in denen Menschen Gemeinschaft, Trost und Sinn erfahren können. Ich glaube aber, dass gerade in Zeiten des Wandels viel Neues entstehen kann, wenn wir mutig sind und in Kooperationen mit anderen Gemeinden als sogenannte Weggemeinschaften unterwegs sind.

Sie haben in Ihrem beruflichen Werdegang schon einige Städte und Gemeinden erlebt – von Leipzig bis Lissabon. Was war neu für Sie in Wuppertal?

Manuel Stötzel: Wuppertal bedeutet für mich ein Stück Heimat. Als Student an der Kirchlichen Hochschule habe ich hier tolle Menschen kennengelernt. Mit einigen von ihnen bin ich bis heute verbunden. Und ich habe diese Stadt lieben gelernt. Wuppertal hat für mich eine ganz eigene Mischung aus Bodenständigkeit, einer bewegten Geschichte und großer Herzlichkeit. Auf manch eine:n wirkt die Stadt zunächst vielleicht etwas rau, aber wenn man die Menschen hier näher kennenlernt, merkt man sehr schnell, wie viel Wärme und Offenheit einem hier entgegenschlägt. Und mit dem E-Bike sind die Berge kein Problem mehr.

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für ein Theologiestudium. Warum wollten Sie Pfarrer werden?

Manuel Stötzel: Schon als Kind und Jugendlicher habe ich Kirche als Heimat empfunden. Eigentlich wollte ich immer Schauspieler werden, doch in meinem letzten Schuljahr hat es Klick gemacht. Die Freude daran, Gottes Geschichte mit uns Menschen immer wieder neu zu erfahren und weiterzugeben, macht meine Motivation am Pfarramt aus.

Ich wünsche mir eine Kirche, die genau hinhört, die Gemeinschaft lebt und mutig neue Wege geht.

Und ich empfinde es als etwas ganz Besonderes, Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen begleiten zu dürfen und habe Freude daran, gemeinsam mit ihnen Kirche zu sein und zu gestalten.

Welche Ideen, Hoffnungen und Visionen bringen Sie für die Kirche von morgen mit?

Manuel Stötzel: Ich möchte mit dazu beitragen, dass Kirche in unserer Stadt sichtbar ist und ansprechbar bleibt. Ich möchte gemeinsam in unserer Gemeinde und Weggemeinschaft neue Wege finden, um Menschen zu stärken, ihnen in schweren Situationen beizustehen, sich mit ihnen zu freuen und mit ihnen zu feiern. Das tun wir aktuell zum Beispiel mit „Kirche Kunterbunt“ oder im Trauercafé. Ich wünsche mir eine Kirche, die genau hinhört, die Gemeinschaft lebt und mutig neue Wege geht. Eine Kirche, in der Menschen ganz unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Lebensgeschichte spüren: Hier bin ich willkommen. Hoffnung macht mir dabei, dass viele Menschen nach Sinn in ihrem Leben, nach Halt und Gemeinschaft suchen. Da haben wir echt was zu bieten, wenn wir offen, ehrlich und nah bei den Menschen sind.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.
Foto: privat

Zur Person:

Manuel Stötzel wurde 1992 in Kreuztal geboren. Er hat Theologie in Wuppertal, Leipzig und Münster studiert und sein Vikariat in Herford gemacht. Nach dem zweiten theologischen Examen ist er 2024 für ein Jahr in die deutsche Auslandsgemeinde nach Lissabon gegangen. Seit April 2025 arbeitet Manuel Stötzel in der Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld.

Am Sonntag (17.05.) wird Manuel Stötzel um 11 Uhr in einem Gottesdienst in der Gemarker Kirche vom stellvertretenden Superintendenten Frank Schulte in sein neues Amt eingeführt.

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