Das Ende feiern, wo alles begann

Am Freitag (03.07.) schließt die KiHo das letzte Lehrsemester im grundständigen Pfarramts-Studiengang an dem Ort, an dem sie das erste Semester im Jahr 1935 mit einem Gottesdienst eröffnete: in der Kapelle des Evangelischen Friedhofs in der Hugostraße.


Am Freitag (03.07.) schließt die KiHo das letzte Lehrsemester im grundständigen Pfarramts-Studiengang an dem Ort, an dem sie das erste Semester im Jahr 1935 mit einem Gottesdienst eröffnete: in der Kapelle des Evangelischen Friedhofs in der Hugostraße.

Die Türen verschlossen, alle Gottesdienste verboten: Als Mitglieder der Bekennenden Kirche im Herbst 1934 die Gründung der Kirchlichen Hochschule (KiHo) Wuppertal in der Gemarker Kirche feiern wollten, forderte die Polizei sie auf, nach Hause zu gehen.

Einfach aufgeben wollten einige Presbyter, Pastoren, Dozierende und Studierende nicht. Also machten sie sich kurzentschlossen auf den rund einen Kilometer langen Weg in die Kapelle des Gemeindefriedhofs an der Hugostraße. „Dort fand der Gottesdienst doch noch statt“, wie die Autoren Hartmut Aschermann und Wolfgang Schneider in ihrem Buch „Studium im Auftrag der Kirche“ schreiben.

Den Pfarrernachwuchs selbst ausbilden

An genau diesem Ort endet nun das letzte Lehrsemester im grundständigen Pfarramts-Studiengang der Kirchlichen Hochschule, die vor mehr als 91 Jahren damals aus Protest gegen die Gleichschaltung der Kirchen im Nationalsozialismus entstand. Die Gründung folgte damals der Erkenntnis, dass die evangelische Kirche für die Ausbildung ihres Pfarrernachwuchses selbst verantwortlich werden müsse, da das Nazi-Regime die Grundsätze des christlichen Glaubens zunehmend in Frage stellte.

Scharfe Kritik am NS-Regime und seiner Kirchenpolitik hatten Mitglieder der Bekennenden Kirche bereits im Mai 1934 auf ihrer Synode in der Gemarker Kirche geübt. In ihrer „Barmer Theologische Erklärung“ hatten sie sich in sechs Thesen gegen die falsche Theologie und das Kirchenregime der „Deutschen Christen“ gewandt, die damals damit begonnen hatten, die evangelische Kirche der Diktatur des „Führers“ anzugleichen.

Geheimer Start des Lehrbetriebs

Tatsächlich nahm die KiHo nach dem Gründungsgottesdienst für mehr als Jahr den Lehrbetrieb auf – verdeckt als Abteilung B der Theologischen Schule Elberfeld e.V. -, bis sie am 14. Dezember 1936 von der Geheimen Staatspolizei (GeStaPo) geschlossen wurde. Nach dem Ende der Nazi-Diktatur wurde sie am 1. November 1945 wiedereröffnet. Der Lehrbetrieb im grundständigen Pfarramts-Studiengang dauerte anschließend 81 Jahre an.

Der Campus der KiHo auf dem „Heiligen Berg“

Am 3. Juli 2026 endet er aber nun wohl für immer. Denn nach dem Schlussgottesdienst in der Friedhofskapelle an der Hugostraße wird die KiHo abgewickelt – und am 31. März 2027 wird die traditionsreiche Hochschule – eine der zwei letzten in Deutschland, die sich in kirchlicher Trägerschaft befindet – gänzlich geschlossen.

Weniger Studierende, weniger Pfarrer:innen

Die Entscheidung zur Schließung hatte die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland bereits vor einigen Jahren getroffen. Ausschlaggebend waren vor allem die seit Jahren sinkenden Studierendenzahlen im Pfarramtsstudium, der deutlich zurückgehende Bedarf an Pfarrerinnen und Pfarrern sowie die angespannte finanzielle Lage der Landeskirche.

Künftig soll der theologische Nachwuchs für den Pfarrdienst an staatlichen Universitäten ausgebildet werden, die bereits heute den überwiegenden Teil der evangelischen Theologiestudierenden aufnehmen. Die kirchliche Ausbildung wird dort durch Begleitprogramme der Landeskirche ergänzt.

Ganz verschwinden soll das Erbe der Kirchlichen Hochschule jedoch nicht. Bis zum 31. März 2027 werden der Hochschulbetrieb abgewickelt, Bibliothek, Archive und weitere Bestände gesichert sowie Aufgaben auf andere kirchliche Einrichtungen übertragen. Zudem soll auf dem „Heiligen Berg“ ein Bildungscampus entstehen, auf dem der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang der KiHo „Master of Theological Studies (MThSt)“ für einen Quereinstieg in den Pfarrdienst weiterhin angeboten wird.

Text: Frank Grünberg (KiHo)/Sabine Damaschke
Fotos: Christlicher Friedhofsverband Wuppertal/ Marcel Kuss (ekir)

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