Zwischen Repression und Hoffnung

Seit 32 Jahren verbindet den Kirchenkreis Wuppertal eine Partnerschaft mit CEPAD in Nicaragua. Doch vor zwei Jahren wurde der evangelische Kirchenrat verboten. Im Interview berichtet Pfarrer Jörg Wieder über die schwierige Arbeit der Partner.


Seit 32 Jahren verbindet den Kirchenkreis Wuppertal eine intensive Partnerschaft mit CEPAD in Nicaragua. Doch vor zwei Jahren wurde der evangelische Kirchenrat verboten. Im Interview berichtet Pfarrer Jörg Wieder über die Arbeit der Partner unter schwierigen Bedingungen.

Sie stehen nach wie vor in engem Kontakt mit einigen Mitarbeitenden von CEPAD in Nicaragua. Wie geht es ihnen zwei Jahre nach dem Verbot ihrer Organisation?

Jörg Wieder: Ganz ehrlich: Bei unserer letzten Zoom-Konferenz hatten sie Tränen in den Augen, als wir uns verabschiedet haben. Die Situation ist nach wie vor schwierig und belastend. Seit den blutig niedergeschlagenen Massenprotesten von 2018 gegen den Präsidenten Daniel Ortega wurden mehr als 6.500 Organisationen verboten und deren Vermögenswerte beschlagnahmt. CEPAD gehört wie viele evangelische und katholische Organisationen seit 2024 dazu und sucht seitdem nach Wegen, sich neu zu gründen.

Wenn CEPAD weiter existieren will, geht das wohl nur als sehr viel kleinere Organisation.

Gemäß des seit letztem Jahr gültigen Gesetzes für Nichtregierungsorganisationen können in einer neugegründeten Organisation aber nur natürliche Personen Mitglied sein. Ein künftiges „CEPAD“ kann damit kein Zusammenschluss von Kirchen mehr sein, also kein Kirchenrat wie bisher. Wenn sie überhaupt weiter existieren wollen, dann geht das wohl nur als sehr viel kleinere Organisation.

Trotz des Verbots konnte CEPAD seine Arbeit aber eingeschränkt fortsetzen. Wie ist das möglich?

Wieder: Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes hat im August letzten Jahres überraschenderweise erlaubt, dass der Kirchenrat CEPAD wieder seine Gebäude in Matagalpa für Versammlungen nutzen darf. Die Finanzmittel sind aber weiterhin eingefroren. CEPAD ist derzeit noch in vier Regionen tätig, vorher waren es sieben. Es finden theologische Fortbildungen statt, und es konnten auch kleinere Projekte auf den Weg gebracht werden, die eine bessere Wasserversorgung und ökologische Landwirtschaft fördern. Aber die Repressionen der Regierung nehmen zu.

Unsere Partner haben das Gefühl, dass der Staat an jeder Stelle mithört.

Wie zeigt sich das?

Wieder: Zu den Treffen der Pastoren aus verschiedenen Kirchen müssen inzwischen die „secretarios póliticos“ der Regierungspartei FSLN eingeladen werden. Das Innenministerium will zudem die Predigten vorgelegt bekommen, die bei größeren Veranstaltungen im öffentlichen Raum gehalten werden.

Treffen in den CEPAD-Räumen sind zwar wieder geduldet, aber die Kontrolle wurde verschärft.

Partner haben das Gefühl, dass der Staat an jeder Stelle mithört. Außerdem haben regierungsnahe Pastoren jetzt die „Federación de Iglesias Evangéicas de Nicaragua“ FIENIC gegründet. Es besteht die Befürchtung, dass alle Pastoren zur Mitgliedschaft verpflichtet werden. Die bisherige unabhängige Pastorenvereinigung wurde verboten.

Sie haben selbst sechs Jahre in Matagalpa gelebt und begleiten diese Partnerschaft schon seit ihrer Gründung 1992. Ist das, was da gerade passiert, völlig neu und unerwartet?

Wieder: Ja und Nein. Die vielen Jahrzehnte in seiner Geschichte war Nicaragua eine Diktatur, von Korruption geprägt und eng mit den USA verbunden. Dann stürzten 1979 die Sandinisten, die linksgerichtete Guerillabewegung FSLN, die letzte Somoza-Diktatur. Daniel Ortega war einer der führenden Sandinisten. Nach dem Sieg der Revolution gehörte er zur Übergangsregierung und wurde 1985 zum Präsidenten gewählt.

So radikal wie heute habe ich Nicaraguas Ortega-Regierung noch nicht erlebt.

Er ist mit einem sozialen Programm angetreten und hat auch heute durchaus noch die Armen im Blick, aber nach seiner Wiederwahl 2006 eine „autoritäre Präsidialherrschaft“ etabliert. Das Land war immer korrupt und die Rechtsstaatlichkeit nur schwach ausgeprägt. Doch so radikal wie heute habe ich Nicaraguas Ortega-Regierung noch nicht erlebt.

Warum liegt Ihnen CEPAD mit seinem theologischen und sozialen Engagement so am Herzen?

Wieder: Ich habe mich schon immer für die weltweite Kirche interessiert und dafür, wie der Glaube anderswo gelebt wird. In Nicaragua bin ich so vielen Menschen begegnet, die trotz bitterer Armut fröhlich und optimistisch durchs Leben gehen und ganz überzeugt sind von ihrem Glauben. Bei CEPAD habe ich mich in der theologischen Fortbildung engagiert und bin dafür auch viel in den Dörfern auf dem Land unterwegs gewesen. Dort gab es Menschen, die sind zwei Tage zu Fuß gelaufen, um an meinem Seminar teilnehmen zu können. Das hat mich zutiefst beeindruckt und mir klar gemacht, was für ein privilegiertes Leben wir hier in Deutschland führen.

Es ist unglaublich wichtig, dass wir den Kontakt halten, für CEPAD beten und damit unsere Solidarität zeigen.

Was kann Wuppertal als Partnerkirchenkreis für CEPAD tun?

Wieder: Es ist unglaublich wichtig, dass wir den Kontakt halten, für die Mitarbeitenden von CEPAD und die evangelischen Gemeinden beten und damit unsere Solidarität zeigen. Finanziell dürfen wir unsere Partner derzeit nicht offiziell unterstützen, aber das steht bei ihnen auch nicht im Fokus. Sie betonen immer wieder, wie ermutigend es für sie ist, dass wir mit ihnen fühlen und für sie da sind.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Die Partnerschaft mit CEPAD

Die Partnerschaft besteht seit Anfang der 1990er Jahre und basiert auf gegenseitigem Austausch, theologischer Bildung und Unterstützung pastoraler Arbeit in Nicaragua. Gegründet nach dem verheerenden Erdbeben von 1972, ist CEPAD weit mehr als eine Hilfsorganisation: Über Jahrzehnte hinweg hat der evangelische Kirchenrat rund 5.200 Gemeinden im ganzen Land gestärkt, Hoffnung gesät und Perspektiven eröffnet. Mit finanzieller Hilfe auch aus Wuppertal konnte CEPAD in den letzten Jahren rund 1.550 Menschen in 420 Familien und 395 Haushalten unterstützen.

Fotos: Sabine Damaschke/CEPAD

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