Vom Bauernhof auf die Kanzel

33 Jahre lang hat Ruth Knebel die evangelische Gemeinde Ronsdorf geprägt. Zum Ruhestand spricht sie über ihre Wurzeln auf dem Bauernhof, Veränderungen im Pfarrberuf und warum gemeinsames Essen für sie gelebter Glaube ist.


33 Jahre lang hat Ruth Knebel die evangelische Gemeinde Ronsdorf geprägt. Zum Ruhestand spricht sie über ihre Wurzeln auf dem Bauernhof, Veränderungen im Pfarrberuf und warum gemeinsames Essen für sie gelebter Glaube ist.

Sie sind auf einem Bauernhof groß geworden. Wie hat Sie das in Ihrem Beruf als Pfarrerin geprägt?

Ruth Knebel: Es hat vor allem meinen Umgang mit Zeit beeinflusst. Auf einem Bauernhof gibt es immer etwas zu tun – genau wie im Pfarrdienst. Ich habe daher selten danach geschaut, wann ich Feierabend habe oder wie viele Stunden ich eigentlich arbeite. Das war – wie ich im Nachhinein zugeben muss – nicht immer gesund und richtig. Geprägt hat mich sicherlich auch, dass ich überall zupacke, wo ich es für nötig halte und auch als Frau handwerkliches Geschick mitbringe, weil genau das auf einem Bauernhof gefragt ist. Ich bin bis heute naturverbunden und lebe sehr nachhaltig.

Sie gehören noch zu einer Generation von Frauen, die es manchmal schwer hatten, als Pfarrerinnen akzeptiert zu werden. Wie sah das bei Ihnen aus?

Ruth Knebel: Vorbehalte sind mir als Frau im Pfarramt zum Glück nur sehr selten begegnet. Ich erinnere mich aber an eine meiner ersten Predigten, die ich als Vikarin in meiner Heimatkirche im Hunsrück gehalten habe. Ein alter Nachbar, der immer besorgt nach unserer Familie fragte, wenn wir aufgrund unserer landwirtschaftlichen Arbeit sonntags nicht im Gottesdienst gewesen waren, kommentierte sie so: „Ich habe nicht zugehört, denn ich halte nicht viel davon, wenn Frauen predigen.“ Das habe ich mit Humor genommen. Ebenso wie die Erfahrung, dass ich als Frau viel häufiger gebeten wurde einen Kuchen fürs Gemeindefest zu backen als meine männlichen Kollegen. Aber das war kein Problem für mich, denn ich liebe es zu backen und zu kochen.

Welche Rolle spielt das Essen in der Gemeindearbeit für Sie?

Ruth Knebel: Eine sehr große! Beim Essen entsteht oft eine schöne Gemeinschaft, von der alle profitieren und mit der wir vor allem denjenigen eine Freude machen, die in ihrem Alltag viel alleine sind. Seit 2005 bieten mein Mann – der übrigens auch sehr gerne kocht – und ich an Heiligabend ein Essen für alleinstehende Menschen an. Das wird sehr gut angenommen. Und vor den vielen Reisen, die wir als Gemeinde nach China, Südafrika, Kuba, Sri Lanka oder Moskau angeboten haben, gab es auch immer ein landestypisches Essen, das uns schon mal auf die Reise eingestimmt hat. Es ist auch dort immer eine intensive Gemeinschaft entstanden, die nachgewirkt und neue Gesichter in unsere Gemeinde gebracht hat.

Sie waren 33 Jahre lang Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Ronsdorf. Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

Ruth Knebel: Als ich 1996 hier anfing, waren wir vier Pfarrpersonen und hatten rund 12.000 Gemeindeglieder. Wenn ich jetzt in Rente gehe, bleibt nur noch meine Kollegin Friederike Slupina-Beck, die dann als Pfarrerin für rund 4.600 Gemeindeglieder zuständig ist. Auch wenn unsere Gemeinde – wie viele andere in der gesamten evangelischen Kirche – geschrumpft ist, habe ich sie als lebendig und engagiert erlebt. Nach wie vor fühlen sich bei uns viele Menschen zuhause. Aber wir müssen immer wieder neue Wege finden, wie wir sie erreichen. Als ich hier anfing, habe ich samstags Krabbelgottesdienste gestaltet. Im Anschluss gab es ein gemeinsames Kaffeetrinken sowie eine Bastel- oder Spielezeit. Aber im Laufe der Jahre sagten mir immer mehr Eltern, dass der Samstag als Familientag nicht passt. Also habe ich Freitagabends Schlafanzuggottesdienste angeboten. Das kommt bis heute gut an.

Wird ihr Abschied aus der Gemeinde auch ein Abschied aus Wuppertal-Ronsdorf sein?

Ruth Knebel: Nein, ich bleibe mit meinem Mann sogar im Pfarrhaus wohnen, das wir mieten können, weil es keinen Nachfolger für mich gibt. Ich könnte mir vorstellen, wieder zurück in den Hunsrück zu ziehen, wo mein Bruder neben seinem eigentlichen Beruf den Hof meiner Eltern bewirtschaftet und noch viel Familie und Freunde leben. Aber das kann ich meinem Mann nicht antun. Er kommt aus Köln. In unserem eher dörflich geprägten Stadtteil Ronsdorf fühlt er sich inzwischen sehr wohl, aber richtig aufs Land könnte ich mit ihm nicht ziehen.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.
Foto: Michael Zech

Zur Person

Ruth Knebel wurde am 17. Dezember 1962 geboren. Sie hat in Wuppertal, Tübingen und Bonn studiert und ist seit 1993 Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Ronsdorf.Pfarrerin Ruth Knebel wird am Sonntag, 26. April, um 14 Uhr in einem Gottesdienst mit Superintendent Dr. Jochen Denker verabschiedet. Er findet in der Lutherkirche (Bandwirkerstraße 15) statt.

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