Schwebebahn zu 99 Prozent verfügbar, zu 100 Prozent Untakt?

Eine „Verfügbarkeitsquote“ sagt nichts über die Zuverlässigkeit eines Verkehrsmittels aus

„Mit einer Verfügbarkeitsquote von 99 Prozent im Jahr 2025 zeigen die Wuppertaler Stadtwerke (WSW), dass die Schwebebahn zu den zuverlässigsten Verkehrssystemen Deutschlands zählt.“ So beginnt die Pressemitteilung der Stadtwerke.

Vergangene Woche, wo bei winterlichen Verhältnissen mal wieder der (bzw. ein Großteil des) Busverkehrs eingestellt wurde, waren auch 100 Prozent der verfügbaren Taxen im Einsatz. Leider stand zeitweise eben keines am Hauptbahnhof – man konnte als Reisender entweder warten, oder zu Fuß laufen.

Ähnlich spiegelt sich die „Verfügbarkeit“ der Schwebebahn im Takt, oder besser: Untakt, wider. Vor rund 25 Jahren, vor Einführung einer neuen Rappelkistengeneration (mit Tonproben), vor Einführung eines unsinnig komplizierten und für einen Schwebebahn-Kreisverkehr völlig überdimensionierten ETCS Level 3-Betrübssystem, hatten wir nachmittags zum Feierabendverkehr einen zuverlässigen Vierminutentakt (lt. Fahrbahn 98/99).

Während bei der Eisenbahn Wagen mit Flachstellen „unverzüglich auszusetzen“¹ sind, fährt man mit den Wuppertaler Rappelkisten aka „GTW15“ wochenlang mit Flachstellen weiter und nervt mit dem „Bumm-bumm“ Anwohner und Angestellte. Gerade aktuell: GTW15_15, oder im WSW-Sprech GTW1415.

Wie zuverlässig unpünktlich die Schwebebahn beizeiten ist, sehen wir auch am aktuellen Feierabend-Untakt: An der Kluse gab es heute statt des Vierminutentaktes Richtung Oberbarmen ein Angebot im 6-2-7-2-2-10-4-2-6-2-2-2-5-2-2-2-3-2-6-3-7-4-5-Minuten-Untakt, Richtung Vohwinkel einen 4-2-2-5-2-2-3-2-7-2-7-6-2-9-6-3-2-2-3-2-3-6-1-Minuten-Untakt. Das bedeutet statistisch: Richtung Oberbarmen sind 13 Wagen zu früh (gerundet 57 Prozent), zwei pünktlich (9 Prozent), und acht zu spät (35 Prozent); Richtung Vohwinkel 65 Prozent zu früh, 4 Prozent pünktlich und 30 Prozent zu spät.

Zusammenfassend kann man auch sagen: Dank eines Untaktes irgendwas zwischen einer und zehn Minuten darf man würfeln, sich wie die Ölsardinen in einer übervollen Kutsche mit altmodischen Heizlüftern aneinanderkuscheln zu müssen, oder sich die Sitzbank in der leeren Bahn aussuchen zu können. Meist läuft es nach Murphys Gesetz ohnehin so, daß wenn man auf die nächste Bahn wartet, diese dann erst recht ölsardinenvoll ist.

Fußnoten

¹) Prof. Jörn Pachl schreibt zu Flachstellen: „Flachstellen sind bei Eisenbahnen eine sehr ernste Angelegenheit. Sie können erhebliche Oberbauschäden bis zu Schienenbrüchen verursachen. Wagen mit Flachstellen sind unverzüglich auszusetzen. Es gibt also keinen Wert, bis zu dem Flachstellen noch zulässig sind.“
Pachl hat unter anderem das sogenannte „Sicherheitskonzept“ der WSW im ersten Landgerichtsprozeß des Schwebebahnabsturzes vom April 99 begutachtet, daß laut vorsitzendem Richter Keiluweit „das Papier nicht wert war, auf dem es steht.“

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Kommentare

  1. Susanne Zweig sagt:

    99% klingt viel, ist es aber nicht. Dazu muss man die paar Minuten Taktabweichung gar nicht als Begründung heranziehen.
    Wer 2025 an 300 Tagen die Schwebebahn für Hin- und Rückfahrt benutzt hat, hat im Schnitt 6 Ausfälle erlebt. Wer Bus und Schwebebahn kombiniert, dürfte mindestens auf die doppelte Zahl kommen. Backup-Planung ist für erfahrene Bahnkunden sowieso Alltag –
    wobei die Deutsche Bahn ja leider nicht zum Vorbild taugt.
    Mein Auto ist 2025 einmal ausgefallen. 2024 gar nicht. Und ich habe keinen Fuhrpark nebst Werkstattteam zu Hause.
    Das ist die Konkurrenz.

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