15.06.2026N. Bernhardt
Der durchgängige Talachsen-Radweg – ein Traum⁉
2020 wurde in Wuppertal ein „Radverkehrskonzept“ mit einem „Talachsenradweg“ präsentiert, um Wuppertal 2025 eine Fahrradstadt nennen zu können. 2025 ist nun Vergangenheit, umgesetzt wurde – wenn überhaupt – mal hier 300 Meter „Radinfrastruktur“, mal dort 500 Meter. Es ist nichts halbes und nichts ganzes, es ist Flickwerk. Wenn man dann Gehwege zum Radweg erklärt (Unterdörnen) und Radfahrer mit scharfen Kurven zu Schrittempo nötigt (Brücke Wasserstraße), ist das angeordnete Verkehrsgefährdung.
So endet der ohne jeglichen Sicherheitsabstand zu parkenden Fahrzeugen aufgemalte Radweg auf der Friedrich-Ebert-Straße vor dem Robert-Daum-Platz plötzlich auf einer Busspur. Wer nicht aufpaßt, wird noch schön auf den alten baulich angelegten Gehweg-Radweg (Hochbord) an der Haltestelle „geleitet“, der einfach per blauem Fußgängerlolli (VZ 239) zum Gehweg erklärt wird. Damit fahren wir aber automatisch an der Fußgänger-Fahrradstraße im Luisenviertel und den Knutschradgehwegen am Hofkamp vorbei.
Ein Sprung zum Hofkamp/Wunderbau: Bei dieser Ewigkeitsbaustelle wird man in westlicher Richtung mal von der B 7 zum Hofkamp geführt, mal vom Hofkamp über Wunderbau und B 7 umgeleitet, mal an der Gerichtsinsel über einen Gehweg zum Wunderbau. Da ist nichts durchgehendes oder dauerhaftes.
In den Niederlanden wirken selbst Baustellen mitgedacht: Die Umleitung ist logisch verständlich und sicher eingerichtet. Radfahren ist hier kognitiv einfach: man muß nicht ständig interpretieren, ob ein Schutzstreifen jetzt endet, ob man auf den Gehweg soll, ob die Furt noch zur Route gehört, ob man den Autos vor den Kühler geschmissen wird, ob man an der nächsten Kreuzung wieder irgendwie rüber muß.
Radwege sind bei unserem Nachbarn kein Luxus, sondern Planung auf erwarteten Radverkehr, eingebettet in ein durchgehendes Radwegenetz. Man hat nicht an jeder Kreuzung das Gefühl, wieder Verhandlungsmasse oder Teil einer Resteplanung zu sein nach dem Motto: erst kommt alles andere, dann schauen wir mal, wo wir vielleicht noch einen Radweg aufmalen können. Man muß nicht zwischen Außenspiegel links und LKW rechts oder im Gegenverkehr um das eigene Leben fürchten.
Aus diesem Grund drei Vorschläge für einen schnell zu realisierenden, durchgehenden Talachsenradweg:
Tempo 30 durchs Tal
Die Stadt Wuppertal ist wie alle anderen Kommunen seit 2008 verpflichtet, Lärmaktionspläne aufzustellen um Straßenanwohner vor schädlichem Lärm zu schützen. Erst in den letzten Jahren ist die Verwaltung aufgewacht und hat mal hier, mal da, aber häufig nur auf Nebenstrecken, Straßen neu asphaltiert oder Tempo 30 angeordnet. Die Talachse mit den Bundesstraßen 228 und 7 sind bisher nicht angerührt worden, obwohl hier die Lärmpegel deutlich über 70 dB(A) liegen. Gut geschlafen wir also vor allem im Rathaus.
Um die Sache zu beschleunigen, verbinden wir eine Maßnahme zur Lärmreduktion mit der Verkehrssicherheit und ordnen auf der Talachse zwischen Sonnborner Straße bis Höfen aus Lärmschutzgründen Tempo 30 an. Gleichzeitig pflastern wir die Talachse mit festen und mobilen Geschwindigkeits-Überwachungsanlagen (Enforcement-Trailer) zu. Das klappt auf dem Abschnitt der Berliner Straße sehr gut, wo die Unfallkommission Tempo 30 vorgeschrieben hat. Oftmals wird dort sogar nur 20 km/h gefahren, so daß sich das sonst zwanghafte Überholen von Radfahrern gar nicht mehr lohnt.
Durchgehende Radwegspur
Eine nette Möglichkeit ist, den Radfahrstreifen auf der Friedrich-Ebert-Straße breiter zu markieren und wo möglich baulich zu trennen („Popup-Radweg“). Sodann auf der Bundesallee durchgängig weiterführen über die (historische) Friedrich-Engels-Allee bis Oberbarmen. Auch die Friedrich-Ebert-Straße war einst mit der Straßenbahn in der Mitte vierspurig – und es gab auch keine Probleme mit dem Verkehr. Warum soll Zweispurigkeit auf der Engels-Allee nicht möglich sein?
Beides zusammen
Ein Mix aus Radweg und Tempolimit schützt nicht nur die schwächeren Verkehrsteilnehmer, sondern sorgt mit der Angleichung der Geschwindigkeit durch kürzere Abstände untereinander für mehr Leistungsfähigkeit einer Strecke.
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