03.08.2026evangelisch wuppertal
Vom Schnaps zur Steinkirche
Die Brauerfamilie Braselmann machte mit Branntwein ihr Vermögen - und finanzierte damit den Bau der evangelischen Kirche in Beyenburg. Wie aus Unternehmern Kirchengestalter wurden, zeigt der achte Teil unserer Reihe "Protestantisch! Wie ein Glaube Wuppertal prägte".

Die Brauerfamilie Braselmann machte mit Branntwein ihr Vermögen – und finanzierte damit den Bau der evangelischen Kirche in Beyenburg. Wie aus Unternehmern Kirchengestalter wurden, zeigt der achte Teil unserer Reihe „Protestantisch! Wie ein Glaube Wuppertal prägte“.
„Welch ein Festtag, wenn mittwochs der alte Schnapsbrenner Braselmann mit seinem Schimmelsgespann am Berliner Hof vorbeifuhr.“ So erinnerte man sich um 1880 in Lennep an die Fuhren mit Brandwein aus Beyenburg im Wuppertal. Fromme Kirchengeschichte und hochprozentiges Gewerbe passen eigentlich schlecht zusammen. Doch die Geschichte der Familie Braselmann zeigt, wie eng wirtschaftlicher Erfolg und kirchliches Engagement im 19. Jahrhundert verflochten sein konnten.
Am Anfang stand ein weltliches Problem: der Weg zur Kirche. Die Beyenburger Protestanten mussten zum Gottesdienst ins über eine Stunde entfernte Remlingrade laufen – bei jedem Wetter. Besonders bei winterlichen Beerdigungen wurde daraus eine Tortur. War der übliche Leichenweg verschneit, führte ein zweistündiger Umweg über Schwelm, mit dem Sarg. Was für die Toten galt, galt täglich auch für die Kinder auf dem Schulweg.
Die Gastwirtschaft als Mittelpunkt

1827 forderten die Beyenburger deshalb eine eigene Schule. 1830 kam der erste evangelische Lehrer, zunächst in angemieteten Räumen – ab 1835 auch in einem Gebäude der Familie Braselmann. Am 11. Mai 1835 versammelten sich die evangelischen Bürger in der Gastwirtschaft von Heinrich Braselmann, um einen Friedhof zu planen. Johann und Heinrich Braselmann saßen im Ausschuss. 1836 war der Friedhof fertig – und die Botschaft klar: Die Toten sollten endlich Ruhe finden, statt auf Reisen geschickt zu werden. Eine Kirche fehlte noch.
Gepredigt wurde zunächst ab 1845 im viel zu kleinen Schulzimmer, ab 1856 in einer erworbenen, aber baufälligen Bretterkirche der Unterbarmer Baptisten. Erst mit der Grundsteinlegung 1865 begann der Bau der heutigen Steinkirche in Beyenburg. Doch woher sollte eine arme Gemeinde die Mittel nehmen? Die Antwort lag bei den Braselmanns, den großen Schnapsbrennern Schwelms.
Der Schnapsbrenner und Napoleon
Woher der Name des wichtigsten Spenders, August Napoleon, stammt, sorgte lange für Diskussionen: Die schöne Legende, Kaiser Napoleon habe dem Vater persönlich ein Brennerei-Rezept geschenkt, ist wohl erfunden – näher liegt die Begeisterung bergischer Unternehmer für die liberalen Aufbruchsjahre um 1809, sein Geburtsjahr.
Zu Brauern wurden die Braselmanns erst durch die Säkularisierung des Kreuzherrenklosters: Vater David erwarb dessen Braugeräte und Gebäude. Sohn Heinrich (1804-1852) betrieb später den Gasthof an der Wupperbrücke samt Poststation – die Familie gewann stetig an Einfluss.
1856 bot die Familie Braselmann der Gemeinde ein Grundstück nahe dem Friedhof für ein Bethaus an. 1857 finanzierten August Napoleon und Hermann Braselmann (1807-1879) bereits den Architektenentwurf. Als der Bau 1865 endlich begann, lieferte die Familie unentgeltlich Grauwacke-Sandsteine aus dem eigenen Steinbruch – ein erheblicher Teil des Mauerwerks stammt daraus.
Reiche Brauherren und einflussreiche Presbyter

August Napoleon trug zudem einen Großteil der Baukosten, die das Mehrfache eines Pastorengehalts betrugen. Seine Frau Helene organisierte 1864 mit anderen Frauen der Familie eine Lotterie zugunsten des Kirchbaus, deren Erlös das familieneigene Bankhaus Braselmann
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