Abschied mit Dankbarkeit und Sorge

Studierendenpfarrerin Claudia Andrews wird am Dienstag (21.07.) verabschiedet. Sie freut sich auf ihre neue Stelle in Hannover, ist aber auch besorgt, wie es mit "Kirche an der Uni" in Wuppertal weitergeht, wenn die rheinische Landeskirche sich als Träger Ende 2027 zurückzieht.

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Die evangelische Studierendenpfarrerin Claudia Andrews wird am Dienstag (21.07.) verabschiedet. Sie freut sich auf ihre neue Stelle in Hannover, ist aber auch besorgt, wie es mit „Kirche an der Uni“ in Wuppertal weitergeht, wenn die rheinische Landeskirche sich als Träger Ende 2027 aus der Studierendenarbeit zurückzieht.

Seit 2014 haben Sie als Studierendenpfarrerin an der Bergischen Universität Wuppertal gearbeitet. Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Claudia Andrews: Ich habe sehr gerne für und in der „Kirche an der Uni“ gearbeitet und bin dankbar, dass ich das tun durfte. Einerseits freue ich mich auf meine neue Aufgabe als Leiterin und Geschäftsführerin der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) Niedersachsen, andererseits erfüllen mich die Beschlüsse der Landessynode 2026 zur Beendigung der evangelischen Studierendenarbeit in ihrer bisherigen Form auch mit Sorge.

Abschied von Claudia Andrews

Die evangelische Studierendenpfarrerin Dr. Claudia Andrews wird im ökumenischen Semesterabschlussgottesdienst am Dienstag (21.07.) um 18 Uhr im Saal der Kirche an der Uni (Oberer Grifflenberg 158) verabschiedet.

Denn jede wissenschaftliche Untersuchung besagt, dass für die Zukunft der Kirche die Arbeit mit jungen Erwachsenen von zentraler Bedeutung ist. Ich halte es für ausgesprochen wichtig, dass wir uns gerade in den aktuellen gesellschaftlichen Transformations- und Krisenzeiten als Kirche nicht aus dem Hochschulleben zurückziehen.

Warum ist das für Sie so wichtig?

Andrews: Auf dem Campus begegnen uns im breiten Spektrum von Forschung und Lehre viele Zukunftsfragen. Im Gespräch mit Studierenden und anderen Universitätsangehörigen werden wir gefragt, wie wir als Kirche dazu stehen und können unsere theologischen und ethischen Perspektiven einbringen.

Gespräche über Gott, die Welt und persönliche Sorgen: Claudia Andrews hat ein offenes Ohr für die Studierenden

„Kirche an der Uni“ ist auch wichtig als Ort für die seelsorgerliche und spirituelle Begleitung junger Erwachsener, die hier studieren und unsere Zukunft gestalten werden. Viele wissen heute kaum noch etwas über Kirche und Konfessionen. Aber sie sind neugierig und offen für Spiritualität und die Frage nach Gott in der Welt.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat beschlossen, die Trägerschaft der Evangelischen Studierendengemeinden (ESG) Ende 2027 zu beenden. Nun sollen die Kirchenkreise überlegen, ob und wie sie die Arbeit weiterführen können. Wo stehen wir da in Wuppertal?

Andrews: Die Synode des Kirchenkreises hat beschlossen, erst einmal zu prüfen, unter welchen organisatorischen und finanziellen Bedingungen die evangelische Arbeit mit Studierenden nach 2027 weitergeführt werden kann. In Wuppertal haben wir ja ein sehr besonderes Konzept: Seit 2018 arbeiten wir eng mit der katholischen Hochschulgemeinde in einem Gebäude direkt auf dem Hauptcampus Grifflenberg zusammen, das der rheinischen Landeskirche gehört.

Als „Kirche an der Uni“ sind wir für den gesamten Sozialraum der Universität offen.

Seit 2021 sind wir „Kirche an der Uni“. Das bedeutet: Wir sind für den gesamten Sozialraum der Universität offen. Viele Veranstaltungen finden in Kooperation mit der Universität in unseren Räumen statt. Studierende nutzen unser Haus, um hier zu lernen und andere Studierende kennenzulernen. Dieses Konzept lässt sich gut weiterentwickeln.

„Kirche an der Uni“ ist gut vernetzt auf dem Campus und auch auf dem Lageplan zu finden.

Zeitgleich mit mir wird im Semesterabschlussgottesdienst auch mein katholischer Kollege verabschiedet, der im Oktober in den Ruhestand geht. Die Zeit drängt also, dass unsere Träger klären, welches neue Team die Arbeit im Wintersemester erfolgreich fortsetzt – und wie es nach 2027 weitergehen kann.

Was hat Ihnen an der Arbeit als Studierendenpfarrerin besonders viel Freude gemacht?

Andrews: Ich habe hier viele Gestaltungsfreiräume, um – wie ich es gerne ausdrücke – die „Menschenfreundlichkeit Gottes“ auf dem Campus erfahrbar zu machen. Die Architektur unseres Hauses ist dafür perfekt geschaffen. Jede und jeder fühlt sich darin wohl, alle sind willkommen. Da kann es auch gelingen, Studierende darin zu stärken, für sich selber und andere gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, sich aktiv als Akteure einzubringen.

Wir würden uns als Kirche in dieser Stadtgesellschaft wirklich etwas nehmen, wenn wir die „Kirche an der Uni“ nicht nach Ende 2027 weiterführen.

Verlässlich da zu sein und ein offenes Ort für die Sorgen Einzelner zu haben, war mir immer wichtig, aber auch, dass wir uns mit Tabuthemen auseinandersetzen, die sie beschäftigen, etwa mit sexualisierter Gewalt, Querness oder Tod und Sterben. So habe ich hier zum Beispiel eine Trauerarbeit für Studierende aufgebaut, die gut angenommen wird. Wir würden uns als Kirche in dieser Stadtgesellschaft wirklich etwas nehmen, wenn wir die „Kirche an der Uni“ nicht nach Ende 2027 weiterführen, wenn sich die landeskirchliche Ebene zurückzieht.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Zur Person

Dr. Claudia Andrews ist in Wuppertal geboren und aufgewachsen. Die 55-jährige Pfarrerin hat in Wuppertal, Kiel und Duram (GB) studiert, war als Pfarrerin in der Kreuzkirchengemeinde in Elberfeld. Danach hat sie zehn Jahre in Frankfurt a.M. im Themenfeld Fundraising gearbeitet und währenddessen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam promoviert. Seit 2014 ist sie unter anderem als Pfarrerin in der ESG in Wuppertal und Duisburg-Essen leitend tätig. Ab 2021 hat sie zudem die Fachstelle „Kirchliche Begleitung von Studierenden der Evangelischen Religionslehre geleitet, die sie zuvor aufgebaut hat.

Fotos: Sabine Damaschke

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