Vom Danken und Teilen

Mit dem Erntedankfest erinnern Christ:innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur und danken Gott für die Ernte. Viele Wuppertaler Gemeinden laden zu besonderen Gottesdiensten und gemeinsamem Essen ein. Hier gibt es einige Beispiele.

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Erntedankfest in der Lutherkirche Ronsdorf

Mit dem Erntedankfest erinnern Christ:innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur und danken Gott für die Ernte. Viele Wuppertaler Gemeinden laden zu besonderen Gottesdiensten und gemeinsamem Essen ein. Hier gibt es einige Beispiele.

Erntedank ist wohl einer der ältesten Feiertage der Weltgeschichte, alle frühen Ackerbaukulturen blickten dankbar auf ihre Ernte. Seit Jahrhunderten werden daher in den Kirchen die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten festlich geschmückt. Das Fest soll aber auch deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Denn er ist der Bibel zufolge selbst Teil der Schöpfung.

„Es geht nicht darum, unsere Erfolge zu feiern, sondern anzuerkennen, dass wir vieles nur erreichen können, weil uns die Lebensgrundlagen geschenkt sind – durch Gottes Schöpfung und das Wirken anderer Menschen“, betont Superintendentin Katharina Pött. Daher geht es heute viel um die Themen Tier- und Umweltschutz, Gentechnik und Verschwendung von Lebensmitteln.

Danke sagen mit Dankes-Tüten

Die Gemeinden im Kirchenkreis haben sich Verschiedenes für ihre Erntedank-Gottesdienste einfallen lassen. So lädt die Gemeinde Heckinghausen unter dem Motto „Einfach mal Danke sagen“ zu einem Gottesdienst in das ökumenische Bildungszentrum „Krawatte“ (Bockmühle 17a) um 10.30 Uhr ein. Er wird von Menschen ganz unterschiedlicher religiöser Prägungen und Kulturen gestaltet, die sich in der „Krawatte“ engagieren. Zum Erntedankfest verschenken sie Taschen, an denen ein kleiner Brief Dankesbrief hängt.

„Wir geben die Taschen an Menschen weiter und laden sie ein, diese wiederum einem anderen Menschen zu schenken – jemandem, dem sie für etwas Danke sagen möchten“, erklärt Dorothee van den Borre, die Leiterin des ökumenischen Bildungszentrums. „So wandern die Taschen weiter und tragen den Gedanken der Dankbarkeit von Mensch zu Mensch.“

Danke sagen mit Gebärden

Gehörlosenpfarrerin Verena Kroll gestaltet einen Gebärdengottesdienst mit anschließendem „Oktoberfest“ für ihre gehörlose Gemeinde um 15 Uhr im Gemeindezentrum Röttgen (Röttgen 102).

Ihre Kollegin Norma Lennartz lädt gemeinsam mit Kindern aus der Kita und deren Familien zu einem Familiengottesdienst in die Thomaskirche (Opphofer Straße 60) um 11 Uhr ein. Auch dort wird anschließend weitergefeiert bei einem gesunden Essen, das Ehrenamtliche gekocht haben.

Danke sagen für den Frieden

In Beyenburg begehen die evangelische und katholische Gemeinde gemeinsam das Erntedankfest im Rahmen eines großen ökumenischen Friedensfestes. Nach einem Friedensgang von der evangelischen (Am Kriegermal 24) zur katholischen Kirche (Beyenburger Freiheit 49), einem Morgengebet in der Katholischen Kirche und einem gemeinsamen Frühstück gibt es um 9.45 Uhr eine Familienmesse mit Diözesanjugendseelsorger Thomas Backsmann und dem evangelischen Pfarrer Kai Berger in der Kirche St. Maria Magdalena. Mehr zu „24 Stunden für den Frieden“ gibt es hier.

Die Gemeinde Sonnborn verbindet Erntedank mit einem großen Festgottesdienst in der Sonnborner Hauptkirche (Sonnborner Str. 56), die am 3. Oktober genau 100 Jahre alt wird. Nach einem Festkonzert am Samstag (03.10.) mit der Wuppertaler Kurrende, Blechbläsern des Instrumentalvereins und Kreiskantor Jens-Peter Enk an der Orgel in der Sonnborner Hauptkirche gestaltet sie am Sonntag (04.10.) um 10.15 Uhr einen Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest. Mehr dazu gibt es hier.

Feiern mit Musik und auf dem Bauernhof

Mit einem großen musikalischen Gottesdienst feiert die Gemeinde Elberfeld-Nord Erntedank in ihrer Friedhofskirche (Hochstraße 15). Dort verabschiedet sie die langjährige Leiterin der Elberfelder Mädchenkurrende, Angelika Küpper, und begrüßt deren Nachfolgerin Mirja Betzer. Sie wird feierlich in ihr neues Amt eingeführt – unter Beteiligung aller Chöre der Mädchenkurrende. Außerdem feiert die Gemeinde die Wiedereröffnung ihres Gemeindezentrums am Eckbusch mit einem Erntedank-Familiengottesdienst um 11.15 Uhr. Anschließend gibt es ein gemeinsames Mittagessen.

Zu einem Gottesdienst auf dem Bauernhof lädt die Gemeinde Vohwinkel um 11.30 Uhr auf das Gut zur Linden (Gruitener Str. 308) ein. Auch die evangelische Gemeinde Ronsdorf zieht es nach draußen. Im Anschluss an ihren Erntedank-Familiengottesdienst um 11.15 Uhr in der Lutherkirche (Bandwirkerstraße 15) feiert sie auf dem Kirchplatz ein buntes Fest unter dem Motto „Schöpfung erleben“. Die mitgebrachten Gaben werden gemeinsam zu einer Erntedanksuppe verarbeitet, Maiskolben werden gegrillt, Obst klein geschnitten und beim Schokobrunnen gegessen.

Text: Sabine Damaschke
Foto: KK Archiv

Vom Danken und Teilen

Zum Erntedankfest erklärt Antonia Dicken-Begrich vom Kreissynodalvorstand, warum Dankbarkeit mehr ist als Freude über eigene Erfolge - und wie sie uns zu mehr Solidarität in der Gesellschaft führen kann.


Zum Erntedankfest erklärt Antonia Dicken-Begrich vom Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Wuppertal, warum Dankbarkeit mehr ist als Freude über eigene Erfolge – und wie sie uns zu mehr Solidarität in der Gesellschaft führen kann.

Der Oktober ist der Monat der Ernte. Was macht das Erntedankfest für Sie besonders?

Antonia Dicken-Begrich: Für mich ist Erntedank ein Fest der Freude und der Dankbarkeit. Es geht nicht nur um die sichtbaren Früchte der Natur – Kürbisse, Äpfel, Getreide – sondern vor allem um das Bewusstsein, dass all das, was wir schaffen, letztlich ein Geschenk ist. Wir feiern, dass wir in der Lage sind, zu arbeiten, zu gestalten und zu leben, und dass wir Teil einer größeren Schöpfung sind.

Erntedankfest in Wuppertal

In allen evangelischen Gemeinden Wuppertals wird am Sonntag (05.10.) Erntedank gefeiert. Die jeweiligen Gottesdiensttermine finden Sie in unserem Kalender.


In vielen Gottesdiensten wird besonders betont, dass es nicht um Stolz auf die eigene Leistung geht.

Antonia Dicken-Begrich: Genau. Es geht nicht darum, unsere Erfolge zu feiern, sondern anzuerkennen, dass wir vieles nur erreichen können, weil uns die Lebensgrundlagen geschenkt sind – durch Gottes Schöpfung und das Wirken anderer Menschen. Dankbarkeit bedeutet Demut und den Blick über das eigene Ich hinaus.

Welche Bedeutung hat Erntedank für unser gesellschaftliches Miteinander?

Antonia Dicken-Begrich: Dankbarkeit sollte uns motivieren, zu teilen. Alle Menschen haben ein Recht auf Teilhabe. Gerade heute sehen wir, dass Armut und Ausgrenzung zunehmen. Wer dankbar ist, erkennt die Verantwortung, sich für die Schwächsten einzusetzen – sei es im Ehrenamt oder durch das Eintreten für soziale Gerechtigkeit.

In der Lutherkirche gibt es jedes Jahr einen reich gedeckten Gabentisch zum Erntedankfest.

Welche Rolle spielen Kirchen und Gemeinden dabei?

Antonia Dicken-Begrich: Kirchen können sichtbar machen, wie Solidarität funktioniert – durch Lebensmittelaktionen, Unterstützung von Tafeln oder konkrete Hilfe für Bedürftige. Gleichzeitig müssen wir im öffentlichen Raum klar Stellung beziehen, wenn Menschen ausgegrenzt werden und sich die Gesellschaft von den Schwächsten abschottet.

Gibt es einen biblischen Bezug, der Sie besonders anspricht?

Antonia Dicken-Begrich: Ja, der Prophet Jesaja formulierte schon vor beinahe 3.000 Jahren: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn.“ Diese Worte sind zeitlos und erinnern uns daran, dass Dankbarkeit immer auch eine Verantwortung für andere ist, die wir heute genauso ernst nehmen müssen wie damals.

Was wünschen Sie den Menschen in diesem Erntedankmonat?

Antonia Dicken-Begrich: Dass sie die Fülle des Lebens wahrnehmen, sich an den eigenen Erfolgen und an der Möglichkeit des Teilens freuen. Dass sie ihre Mitmenschen im Blick behalten und Solidarität praktisch werden lassen – das ist für mich der wahre Geist des Erntedankfests.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Das Erntedankfest

Kirchengemeinden in ganz Deutschland feiern Anfang Oktober das Erntedankfest, in diesem Jahr am 5. Oktober. In Gottesdiensten bedanken sich Christ:innen für die Ernte eines Jahres und erinnern damit an die Verbindung von Mensch und Schöpfung. Die Altäre werden in den Kirchen mit Feldfrüchten geschmückt.

Erntedank ist wohl einer der ältesten Feiertage der Weltgeschichte, alle frühen Ackerbaukulturen blickten dankbar auf ihre Ernte. Das Fest soll auch deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Denn der Mensch ist der Bibel zufolge selbst Teil der Schöpfung. Heute spielen die Themen Tier- und Umweltschutz, Gentechnik und

Verschwendung von Lebensmitteln eine wichtige Rolle.
Mit der Bitte des Vaterunsers „unser tägliches Brot gib uns heute“ wird zugleich an die katastrophale Ernährungssituation in den ärmsten Ländern der Erde erinnert. Daher organisieren Kirchengemeinden zum Erntedank-Sonntag oft Solidaritätsaktionen für notleidende Menschen und sammeln Spenden. (Text: epd)

Fotos: Sabine Damaschke

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