Die Bibel: Mutter aller Bücher

Rund fünf Milliarden Mal gedruckt und übersetzt in über 2.000 Sprachen: Die Bibel ist ein Weltbestseller. Zum "Welttag des Buches" (23.04.) erinnert Superintendent Jochen Denker an die Bedeutung der Bibel als schriftliches Zeugnis von Gottes Wort.

Aktuelle Stellenangebote:


Rund fünf Milliarden Mal gedruckt und übersetzt in über 2.000 Sprachen: Die Bibel ist ein Weltbestseller. Zum „Welttag des Buches“ (23.04.) erinnert Superintendent Jochen Denker an die Bedeutung dieses jahrtausendealten Werkes als schriftliches Zeugnis von Gottes Wort.

Die Geschichte der Bibel beginnt lange vor dem ersten geschriebenen Wort. „Als es nur mündliche Überlieferungen gab, war man darauf angewiesen, dass die ‚Traditionskette‘ nicht abriss“, erklärt Superintendent Jochen Denker. Ob Wissen und Erfahrungen weitergegeben wurden, habe entscheidend davon abgehangen, ob sich Menschen fanden, die diese Aufgabe mit Gewissenhaftigkeit und „Ursprungstreue“ übernahmen.

Erst mit der Erfindung der Schrift änderte sich diese Situation grundlegend. Gedanken, Geschichten und Erfahrungen konnten festgehalten werden – dauerhaft und nachvollziehbar. „Was man ‚schwarz auf weiß‘ hat, gilt als verbindlicher“, so Denker. Schriftliches gewann an Gewicht: „Schriftlich Hinterlegtes – etwa ein Testament – hat hohe Dignität und man darf hoffen, dass es sogar noch Wirkung hat, wenn man selber nicht mehr lebt.“

Das meist übersetzte Buch der Welt

Tatsächlich ist die Bibel ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Ihre ältesten Teile sind über 3.000 Jahre alt, die jüngsten rund 2.000. Entstanden zwischen etwa 1.400 vor Christus und 100 nach Christus, vereint sie Texte aus unterschiedlichsten Zeiten, Kulturen und Lebenswelten. Rund 40 Autoren – darunter Könige, Propheten, Gelehrte und einfache Menschen – haben an ihr mitgewirkt. Zusammen bilden ihre Schriften eine Sammlung, die heute als Altes und Neues Testament bekannt ist und je nach Ausgabe etwa 1.300 bis 1.600 Seiten umfasst.

Mit geschätzten vier bis fünf Milliarden Exemplaren ist die Bibel zudem das meistverbreitete Buch der Welt. Sie wurde ganz oder teilweise in über 2.000 Sprachen übersetzt und erreicht damit einen Großteil der Weltbevölkerung. Ob sie auch das meistgelesene Buch ist, lässt sich statistisch schwer belegen – doch ihre Verbreitung und ihr Einfluss machen diese Einschätzung plausibel.

Die Bibel als Mutter aller Bücher

Für Denker liegt die besondere Bedeutung der Bibel jedoch nicht allein in Zahlen. Bücher könnten über Generationen hinweg unbeachtet bleiben, „aber wenn sie eine Leserin oder einen Leser finden, erwachen sie zum Leben“. Es entstehe eine Verbindung zwischen Menschen – oft über Jahrhunderte hinweg. „Gute Bücher führen auf eigene Art in einen lebendigen Dialog“, ist er überzeugt.

Jochen Denker ist Wuppertaler Superintendent und Pfarrer der reformierten Gemeinde Ronsdorf.

Dass ausgerechnet die Bibel diesen Namen trägt, ist dabei kein Zufall. „Es kommt nicht von ungefähr, dass die ‚Bibel‘ übersetzt einfach nur ‚Buch‘ heißt“, erklärt Denker. „Sie ist sozusagen die Mutter aller Bücher. Eine Büchersammlung sogar, wenn man es genau nimmt.“ Für Glaubende sei sie aber viel mehr als Literatur: „Sie ist schriftliches Zeugnis von Gottes Wort.“

Offen für verschiedene Deutungen

In ihren Texten wird von einem Gott erzählt, der mit Menschen in Beziehung tritt – der spricht, verheißt, hört und antwortet. Im Neuen Testament verdichtet sich diese Botschaft in der Figur Jesu Christi. „In Jesus, so sagen es die schriftlichen Zeugen, wurde dieses Wort ‚Fleisch‘. Gott selbst spricht durch ihn“, so Denker. Jesus sei nicht nur ein Bote, sondern Ausdruck göttlicher Gegenwart in der Welt.

Doch gerade hier zeigt sich auch die Grenze des Geschriebenen. „Das, wovon die Bibel erzählt, lässt sich eigentlich nicht aufschreiben. Es muss erlebt und erfahren werden“, sagt Denker. Die Texte seien Zeugnisse von Begegnungen – nicht deren Ersatz. Ein Buch könne ein Gespräch nicht vollständig ersetzen: „In einem Gespräch kann ich nachfragen, prüfen, ob ich verstanden wurde. Mit dem Verstehen eines geschriebenen Textes bleiben die Lesenden meist allein.“

Das mache die Bibel zugleich anspruchsvoll und lebendig. Ihre Worte seien festgeschrieben – und doch offen für unterschiedliche Deutungen. „So festgeschrieben die Worte sind, so vieldeutig sind sie und so vielsagend zugleich.“ Deshalb habe es in jüdischer und christlicher Tradition immer auch die Auslegung gegeben. Predigten etwa versuchen bis heute, die alten Texte in die Gegenwart zu übersetzen – „eine Art von Übersetzungsarbeit“, erklärt Denker.

Die bleibende Kraft der Bibel

Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis der Bibel: Sie ist nicht nur ein Buch aus der Vergangenheit, sondern ein Text, der immer wieder neu gelesen und verstanden werden will. „Mit guten Büchern wird man nie fertig“, sagt der Wuppertaler Superintendent. „Sie verändern sich mit uns und mit der Zeit.“

Zum „Welttag des Buches“ erinnert die Bibel damit nicht nur an die Anfänge der Schriftkultur, sondern auch an die bleibende Kraft von Geschichten, Gedanken und Worten. „Wir hören beim Lesen immer wieder anderes. Ehemals Bereicherndes wird einem fremd und Befremdliches kann plötzlich bereichern.“

Die Bibel – Groß und Klein

Die Bibel hat etwa 1.300 bis 1.600 Seiten und Man braucht etwa 50 Stunden, um die Bibel in einem Zug durchzulesen.

Ihr größtes Exemplar wurde von einem Tischler aus Los Angeles innerhalb von zwei Jahren aus Holz hergestellt. Jedes Blatt ist ein dünnes Holzbrett von einem Meter Höhe, in das die Buchstaben eingeprägt sind. Diese hölzerne Ausgabe der Bibel hat 8.048 Seiten, wiegt 547 kg und ist 2,5 Meter dick.

Die allerkleinste Bibel der Welt ist ein Dia in der Größe von 3 x 4 cm. Darauf stehen in ganz kleinem Druck 773.746 Worte in 1.189 Kapiteln auf 1.245 Seiten. Mit einem Mikroskop kann sie lesbar gemacht werden. (Quelle: Schweizerische Bibelgesellschaft)

Text: Jochen Denker/Sabine Damaschke
Foto: Jugendreferat Wuppertal

Anmelden

Aktuelle Stellenangebote:

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert