04.09.2026evangelisch wuppertal
Vom Anfang des NS-Terrors
Mit einer Ausstellung erinnert das Polizeipräsidium Wuppertal ab Donnerstag (10.09.) an die frühen Konzentrationslager. Barbara Herfurth-Schlömer, Leiterin des geplanten Gedenkortes Kemna, erklärt, warum ihre Geschichte bis heute von Bedeutung ist.

Mit einer Ausstellung erinnert das Polizeipräsidium Wuppertal ab Donnerstag (10.09.) an die frühen NS-Konzentrationslager. Barbara Herfurth-Schlömer, Projektleiterin des geplanten Gedenk- und Lernortes Kemna, erklärt im Interview, warum ihre Geschichte bis heute von Bedeutung ist.
Die Ausstellung trägt den Titel „Auftakt des Terrors“. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher – und was macht diese Ausstellung besonders?
Barbara Herfurth-Schlömer: Die Ausstellung der bundesweiten AG „Frühe Lager“ beleuchtet an elf Stationen die bisher wenig bekannte Rolle und Funktion dieser Lager, von denen es damals etwa 90 gab. Anhand vieler Beispiele und Biografien von Inhaftierten und Tätern zeigt sie, wie die Nazis diese frühen Lager zur Einschüchterung ihrer Gegner und zur Sicherung ihrer Macht nutzten.
Die Menschen kennen Konzentrationslager wie Auschwitz oder Buchenwald, von den sogenannten „Frühen Lagern“ haben dagegen nur wenige gehört. Was unterschied diese frühen Konzentrationslager von den späteren KZ – und warum sind sie für das Verständnis der nationalsozialistischen Herrschaft so wichtig?
Herfurth-Schlömer: Das nationalsozialistische Regime erprobte in den frühen KZ ihre Instrumentarien der Gewalt zur Durchsetzung ihrer diktatorischen Macht. Die frühen KZ markierten den Auftakt des Terrors, der sich dann in den Jahren der Nazi-Herrschaft weiter steigerte. Diese Lager waren übrigens noch keine großen, abgeschlossenen KZ-Komplexe, wie man sie aus späteren Bildern kennt. Viele befanden sich in Gefängnissen, Fabrikgebäuden oder anderen bereits vorhandenen Einrichtungen.
Welche Verbindung gibt es zwischen dem KZ Kemna und dem heutigen Polizeipräsidium Wuppertal – und warum ist es wichtig, dass die Ausstellung gerade dort gezeigt wird?
Herfurth-Schlömer: Eine geschichtliche Verbindung gibt es natürlich auf der Täterseite – vor allem mit dem damaligen Polizeipräsidenten Willi Veller, der maßgeblich an der Einrichtung des KZ Kemna beteiligt war. Und dann auch auf der Opferseite – etwa mit Fritz Schulte, der als Polizist und SPD-Mitglied am 4. Oktober 1933 ins KZ Kemna in „Schutzhaft“ kam. Heute arbeiten wir gemeinsam an einem Gedenken und Erinnern, das zeigt diese Kooperation rund um die Ausstellung deutlich.
Die Ausstellung informiert nicht nur über Geschichte, sondern will auch zum Nachdenken über die Gegenwart anregen. Welche Botschaft sollen die Besucherinnen und Besucher nach ihrem Rundgang mit nach Hause nehmen?
Herfurth-Schlömer: Die Menschen sollen einen Einblick bekommen, wie der nationalsozialistische Terror systematisch aufgebaut wurde und auf welche Weise staatliche Institutionen, Organisationen und natürlich viele Menschen daran beteiligt waren. Und sie sollen eine Anregung dazu bekommen, die Verantwortung und die Handlungsspielräume jedes Einzelnen damals und heute zu hinterfragen und die Bedeutung und den Wert unserer Demokratie heute bewusst wahrzunehmen.
Das Gespräch führte Sabine Damaschke.
„Auftakt des Terrors – Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 10. September 2026, 18 Uhr
mit einer Einführung von Barbara Herfurth-Schlömer, Projektleiterin „Gedenk- und Lernort ehemaliges KZ Kemna“
Dauer: 11. September bis 30. Oktober 2026
Ort: Polizeipräsidium Wuppertal, Saal 300, Friedrich-Engels-Allee 228
Für den Besuch ist eine Anmeldung nötig: 0202-284 2014 und Ähnliche Beiträge:
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