Die Verantwortung des Erinnerns

Mit einer Gedenkfeier am Mahnmal Kemna haben der Kirchenkreis und Jugendring Wuppertal am 5. Juli an die Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers Kemna erinnert - und daran, dass Erinnern auch Verantwortung für die Gegenwart bedeutet.


Mit einer Gedenkfeier am Mahnmal Kemna haben der Kirchenkreis und Jugendring Wuppertal am 5. Juli an die Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers Kemna erinnert – und daran, dass Erinnern auch Verantwortung für die Gegenwart bedeutet.

Vor 93 Jahren, am 5. Juli 1933, richteten die Nationalsozialisten in einer ehemaligen Putzwollfabrik an der Beyenburger Straße das Bergische KZ Kemna ein. Am Mahnmal auf dem Karl-Ibach-Weg, das der Jugendring 1983 errichtet hatte, wurden Kränze niedergelegt und der Menschen gedacht, die dort von Juli 1933 bis Januar 1934 entrechtet, misshandelt und verfolgt worden waren.

Angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland sei es besonders wichtig, die Geschichte nicht verblassen zu lassen, Haltung zu zeigen und sich entschieden gegen Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und das Vergessen zu stellen, betonte der Jugendring., der zum 43. Mal zur Gedenkfeier eingeladen hatte.

Schock über Beschädigung des Mahnmals

Für den Evangelischen Kirchenkreis sprach Projektleiterin Barbara Herfurth-Schlömer, die den Aufbau des künftigen Gedenk- und Lernortes am authentischen Ort des ehemaligen Konzentrationslagers auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Mahnmals begleitet.

Zu Beginn ihrer Rede berichtete sie von einem Besuch mit einer Gruppe junger Menschen, die sich anhand des Buches „Nachts, wenn die Gestapo schellt“ mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Wuppertal beschäftigt hatte. Umso erschütternder sei es gewesen, bei diesem Besuch den Diebstahl der beiden Bronzeplatten des Mahnmals festzustellen.

Die Geschichte des Ortes würdigen

„Die Inschriften am Mahnmal machten deutlich, was hier passiert ist und an wen hier gedacht wird. Ohne sie ist das Mahnmal unvollständig“, sagte Herfurth-Schlömer. Dass die Platten vermutlich aus Materialinteresse entwendet worden seien, „aus Gleichgültigkeit und Unwissen um die Geschichte des Ortes“, mache die Tat „nur wenig besser“.

Barbara Herfurth-Schlömer sprach auf der Gedenkfeier für den Kirchenkreis.

„Wir wollen nicht zulassen, dass die Erinnerung an die frühen Opfer des nationalsozialistischen Terrors gestört oder gar ausgelöscht wird“, betonte die Theologin. Das jahrzehntelange Engagement des Jugendrings und vieler weiterer zivilgesellschaftlicher Initiativen zeige, dass die Erinnerung lebendig bleibe. „Weder Diebstahl noch Vandalismus kann diesen fortwährenden Einsatz verhindern.“

Erinnerung sei immer auch Verantwortung für die Gegenwart, so Herfurth-Schlömer weiter. „Uns ist klar, dass wir keine Schuld an dem tragen, was damals passiert ist. Aber uns ist auch klar, dass wir trotzdem Verantwortung tragen.“

„Die rechte Gesinnung ist nicht verschwunden“

Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen warnte sie davor, rechtsextreme Ideologien zu unterschätzen: „Die rechte Gesinnung – der Wunsch nach einer rechten Diktatur – ist nicht mit dem Kriegsende 1945 aus den Köpfen verschwunden.“ Deshalb dürfe das Erinnern nicht enden. „Genau deswegen gibt es kein ,Es muss doch auch mal Schluss sein‘.“

Der Kirchenkreis verstehe den geplanten Gedenk- und Lernort daher als einen Ort, an dem Geschichte erfahrbar werde und der zur Auseinandersetzung mit Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlicher Verantwortung einlade. „Als Kirchenkreis sind wir gewillt, alle kleinen und großen Steine aus dem Weg zu räumen, um hier am authentischen Ort einen Gedenk- und Lernort einzurichten“.

Text: Sabine Damaschke
Fotos: Thorsten Köller-Timm

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