Denk.Raum.Wiki: Reden statt posten

Im Juni startet Heiko Schnickmann, Wuppertaler Historiker und engagiertes Mitglied der Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck, den "Denk.Raum.Wiki". Er will Menschen wieder direkt miteinander ins Gespräch bringen - offen, lokal und ohne Podium.

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Im Juni 2026 startet Heiko Schnickmann, Wuppertaler Historiker und engagiertes Mitglied der Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck, den“Denk.Raum.Wiki“. Er will Menschen wieder direkt miteinander ins Gespräch bringen – offen, lokal und ohne Podium.

Herr Schnickmann, Sie sind Historiker, Dozent und Autor – und jetzt auch Gastgeber eines offenen Gesprächsabends. Wie kam es dazu?

Heiko Schnickmann: Ich habe ein Buch über Wut gelesen, in dem stand, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben, ihre Stimme werde nicht gehört. Und gleichzeitig beklagen wir das Kneipensterben – den Verlust des dritten Ortes, an dem man sich trifft, ohne dass es einen Grund dafür braucht. Wenn die Kneipe stirbt, fällt dieser Ort weg. Den Denk.Raum.Wiki verstehe ich als ein Angebot, diesen Raum neu zu öffnen.

Was unterscheidet den Denk.Raum.Wiki vom Stammtisch oder der Podiumsdiskussion?

Schnickmann: Der Stammtisch lebt von den vertrauten Gesichtern, die immer wiederkommen und deren Meinung man meist schon kennt. Das hat seinen Charme – aber es fehlt die Reibung. Das alte Bild des Stammtischs, an dem der Industrielle, der Pfarrer und der Gewerkschafter zusammensitzen, gibt es kaum noch. Genau diese Reibung möchte ich wieder ermöglichen.

Zur Podiumsdiskussion: Da reden Experten miteinander, das Publikum darf am Ende Verständnisfragen stellen. Das ist das Gegenteil von dem, was ich will. Beim Denk.Raum.Wiki gibt es einen kurzen Impulsvortrag von mir – fünf, maximal zehn Minuten. Ich bin kein Experte für die Themen, die ich auswähle. Ich interessiere mich für sie. Und dann rede ich möglichst wenig und die anderen möglichst viel.

Den Auftakt macht ein Abend über Medien, Macht und Gesellschaft. Warum dieses Thema?

Schnickmann: Der Denk.Raum.Wiki ist in sich selbst ein Medium – ein soziales Medium sogar, allerdings ohne technische Abhängigkeit. Und wir sehen gerade, welche Probleme entstehen, wenn man sich auf Plattformen verlässt, deren Regeln woanders gemacht werden. Der Denk.Raum.Wiki funktioniert über persönliche Begegnung. Wenn jemand nicht kommen mag, bleibt er weg – ohne Konsequenzen für alle Beteiligten. Das ist ein Luxus, den soziale Medien nicht bieten.

Denk.Raum.Wiki

Der Denk.Raum.Wiki startet am 11. Juni 2026 um 18.30 Uhr im Stadtteilzentrum Wiki (Westkotter Straße 198) in Wuppertal-Wichlinghausen. Der zweite Termin am 25. Juni ist offen – die Themen bringen die Teilnehmenden mit. Der Eintritt ist frei. Mehr über das Stadtteilzentrum der Diakonie gibt es hier.

Außerdem begleiten mich Medien seit der Schulzeit, nicht als Konsument, sondern als jemanden, der sich fragt: Wie schreiben Medien? Was sagt der Diskurs über sie? Und der diesjährige Tod von Jürgen Habermas, dem großen Denker des öffentlichen Raums und des Strukturwandels der Öffentlichkeit, hat das Thema noch einmal sehr gegenwärtig gemacht. Das erste Thema eines neuen Mediums über Medien zu machen – das ist vielleicht selbstreferenziell, aber ich finde es sehr gewinnbringend.

Warum ist Ihnen der lokale Rahmen für das neue Gesprächsformat so wichtig?

Schnickmann: Weil Gesellschaft vor Ort stattfindet. Deutschland ist ein Abstraktum. Das Schlagloch in meiner Straße ist konkret. Die Wiedereröffnung des Freibads Mählersbeck, dreißig Minuten zu Fuß, macht mich froh. Das sind die Dinge, die direkt vor meinen Augen passieren. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, Demokratie funktioniere am besten im Großen. Sie funktioniert im Kleinen. Im Quartier. Im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Was wäre für Sie ein gelungener Abend?

Schnickmann: Wenn Menschen kommen. Zwei, drei oder zehn – Hauptsache, sie trauen sich, etwas zu sagen. Ein Raum mit zehn Leuten an zwei, drei Tischen, die miteinander reden und beim Gehen denken: Beim nächsten Mal komme ich wieder. Das wäre gut.

Foto: Heinrich Schnickmann

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