24.06.2026evangelisch wuppertal
Vom Armenhaus zum Altenheim
180 Jahre bewegte Geschichte liegen hinter dem Lutherstift. Aus einem Armenhaus entstanden, ist es heute ein großes kirchliches Seniorenzentrum. Das Jubiläum wird am Freitag (26.06.) mit einem Sommerfest begangen.

180 Jahre bewegte Geschichte liegen hinter dem Lutherstift. Aus einem kleinen Armenhaus entstanden, ist es heute ein großes kirchliches Seniorenzentrum. Das Jubiläum wird am Freitag (26.06.) mit einem Sommerfest begangen.
Als großes Gebäudeensemble thront es auf dem Ölberg, unübersehbar und mit weitem Blick über den Stadtteil Elberfeld: Das Lutherstift gehört zu den großen Altenzentren Wuppertals mit einer langen und bewegten Geschichte. Vor 180 Jahren als Armenhaus entstanden, ist es heute für 188 alte Menschen ein letztes Zuhause mit vielen Einzelzimmern, Cafeteria, Kaminzimmer, Kapelle, Wintergarten und Garten.
Dass das Lutherstift, inzwischen eine selbstständige kirchliche Stiftung, seine Wurzeln in der Kirchengemeinde Elberfeld hat, ist deutlich zu spüren. „Bei uns finden regelmäßig Gottesdienste statt, es gibt eine festangestellte Diakonin und viele Ehrenamtliche, die aus einer der evangelischen Elberfelder Kirchengemeinden kommen“, sagt die Geschäftsführende Vorständin Alexsandra Schlautkötter.
Armenhaus und Rettungshaus für Waisenkinder
Die Anfänge des Lutherstifts seien eher klein gewesen, berichtet Stadthistoriker Heiko Schnickmann. Als Antwort auf die soziale Not der rasch wachsenden Industriestadt Wuppertal gründete die lutherische Gemeinde Elberfeld 1846 ein Armenhaus in der Ludwigstraße. „Wesentlich prägender war aber die dreizehn Jahre später folgende Gründung eines zweites Hauses, das sich im äußersten Süden Elberfelds befand: das Rettungshaus.“

Gottesdienst im Lutherstift: Seine kirchliche Geschichte prägt das Haus bis heute.
Bestimmt war es für die vielen Kinder, die die Cholera-Epidemie damals zu Waisen gemacht hatte. Das Rettungshaus entstand in der Blankstraße. Es wuchs schnell und wurde schon bald durch einen Neubau erweitert.
Die Gründung des Lutherstifts
1923 beschloss das Kuratorium die Zusammenlegung von Rettungshaus und Armenhaus, und die Bewohner:innen des Lutherischen Gemeindestifts der Ludwigstraße siedelten in die Blankstraße um. Doch schon schnell wurde das Haus zu eng. Im September 1930 zogen alle Bewohnerinnen und Bewohner in das umgebaute Bethesda-Krankenhaus am Schusterplatz, kurz „Lutherstift“ genannt.
Das Stift umfasste nun Abteilungen für 25 Kinder und 80 alte Menschen, ein Feierabendhaus für Rüstige, eine sogenannte Siechenstation und ein Schwesternheim. „Pflege und Betreuung lagen bei den Kaiserswerther Diakonissen, von denen einige über Jahrzehnte ihren Dienst im Stift verrichteten, bis dieser in den 1960er Jahren endete“, berichtet Schnickmann.
Widerständige Gäste: Die Bekennende Kirche
Während des Kirchenkampfes in der NS-Zeit fanden im Lutherstift die lutherischen Gottesdienste der Bekennenden Kirche statt. Das Haus war damit nicht nur Pflegeeinrichtung, sondern auch Versammlungsort des kirchlichen Widerstands gegen die Gleichschaltung. „Dennoch konnte man nicht verhindern, dass die Nazis auch im Lutherstift ihre Verbrechen begingen“, erzählt der Stadthistoriker. Ab 1943 wurden einige Bewohner:innen deportiert und durch Vergiftung oder Injektion getötet. Das Waisenhaus war zu diesem Zeitpunkt von den Nationalsozialisten bereits geschlossen worden.

Heute ist das Lutherstift ein großes Gebäudeensemble mit 188 Pflegeplätze für alte Menschen.
Den Zweiten Weltkrieg überstand das Lutherstift ohne Bombenschäden. 1955 beschloss der Verwaltungsrat den Bau eines Pflegeheims im Garten des Lutherstifts, das am 11. März 1961 – dem 415. Todestag Martin Luthers – feierlich eingeweiht wurde. In den folgenden Jahrzehnten sei das Lutherstift erheblich gewachsen, erzählt Schnickmann. 1987 gab sich die Einrichtung eine neue Satzung als selbstständige kirchliche Stiftung unter dem Namen „Lutherstift Seniorenzentrum Elberfeld“.
Modernisierung durch Um- und Anbau
In den 1990er Jahren folgten weitere Um- und Anbauten, um das Stift zu modernisieren. Heute gibt es dort neben dem Pflegeheim noch seniorengerechte Wohnungen. 170 Mitarbeitende sind im Lutherstift tätig, hinzu kommen laut Alexsandra Schlautkötter über 20 Ehrenamtliche. „Die Atmosphäre bei uns ist hell und freundlich“, sagt die gelernte Krankenschwester, die seit 22 Jahren im Lutherstift tätig ist. „Jeden Tag gibt es ein Programm, dazu viele kulturelle Angebote, die auch Menschen aus der Nachbarschaft nutzen.“
Mit ihnen, den Bewohner:innen, Angehörigen und Mitarbeitenden sollen 180 Jahre Lutherstift (Schusterstraße 15) am Freitag (26.06.) ab 15 Uhr groß gefeiert werden.
Text: Heiko Schnickmann/Sabine Damaschke
Fotos: Lutherstift, Stadtarchiv
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