21.06.2026Karin Hockamp
Viktor Agartz und die Wirtschaftsdemokratie

Zum Internationalen Tag der Genossenschaften lädt „Vorwärts“ am 5. Juli in die Münzstraße ein.
Für Wolfgang Abendroth war er der beste ökonomische Kopf, über den die westdeutschen Arbeitnehmer in der Nachkriegszeit verfügten; andere sahen in ihm den Leo Trotzki der westdeutschen Gewerkschaftsbewegung oder verglichen ihn mal mit Rosa Luxemburg, mal mit Oskar Lafontaine.
Vor allem jedoch war Viktor Agartz (1897-1964) einer der Gründerväter der Bundesrepublik und als ebenso gewerkschaftlicher wie sozialdemokratischer Vordenker in den 1940er und 1950er Jahren der wichtigste Programmatiker einer als „neue Wirtschaftsdemokratie“ damals breit propagierten gesellschaftlichen Neuordnungskonzeption. Ursprünglich geprägt wurde Agartz‘ gesellschafts-politisches Weltbild allerdings in der Genossenschaftsbewegung der Weimarer Republik, als Aktivist und führender Mitarbeiter der rheinischen Genossenschaft „Hoffnung“. Und dieses genossenschaftliche Selbstverständnis spielte nicht nur in den Weimarer Debatten über „Wirtschaftsdemokratie“ eine zentrale Rolle, sondern ist auch (in allerdings veränderter Form) in Agartz‘ Nachkriegskonzept einer „neuen Wirtschaftsdemokratie“ eingegangen.
Der Vortrag widmet sich diesen Kontinuitäten von genossenschaftlichem und wirtschaftsdemokratischem Denken, zeigt aber auch die für die Geschichte des 20. Jahrhunderts aufschlussreichen Brüche auf, die zwischen der „alten Wirtschaftsdemokratie“ des Weimarer ADGB und der von Agartz im Namen des DGB später vertretenen „neuen Wirtschaftsdemokratie“ bestehen.
Der Referent Christoph Jünke ist Historiker und Autor mehrerer Werke zur deutschen Geschichte und zur Theorie und Geschichte der sozialistischen Bewegung. Ende 2024 gab er die biografische Miniatur Viktor Agartz oder: Ein Leben für und wider die Wirtschaftsdemokratie im Berliner Karl Dietz-Verlag heraus.
Sonntag, 5. Juli 2026, 17:00 Uhr im Ausstellungsraum der ehemaligen Konsumgenossenschaft Vorwärts, Münzstraße 51, (2. OG), 42281 Wuppertal-Barmen
Der Eintritt ist frei.
Bitte beachten: Obligatorische Sonntagsöffnung der Ausstellungen am 5. Juli: 14 Uhr bis 16 Uhr
Weiter mit:
Kommentare
Neuen Kommentar verfassen