26.10.2026Wuppertaler Friedensforum
Rückblick – „Kleider machen Müll?“
In Zeiten von Fast Fashion und online-Shops für Ultra Fast Fashion nimmt die Menge an produzierter Kleidung seit Jahren unaufhaltsam zu – bei sinkender Qualität. Viele Kleidungsstücke werden kaum getragen, bevor sie weggeworfen werden. Hinzu kommt unverkaufte Neuware aus Überproduktion und aus Rücksendungen. All das lässt weltweit die Müllberge wachsen.
In Deutschland und der westlichen Welt sehen wir kaum, was mit den entsorgten Textilien geschieht. Wir werfen sie in Sammelcontainer, mit dem Gefühl sie werden recycelt oder für einen guten Zweck weitergegeben. Die Wirklichkeit ist eine andere: Textilmüll wird in riesigen Mengen in Länder des globalen Südens exportiert – aus den Augen, aus dem Sinn.
Ausgangspunkt für den Abend war die erschütternde Video-Reportage „Kleider machen Müll – Die Realität hinter der Fast-Fashion-Industrie“ von Greenpeace International (frei verfügbar auf youtube). Greenpeace hat dazu eine aufwändige Recherche auf dem größten Secondhand-Markt der Welt in Ghanas Hauptstadt Accra gemacht. Sie konnten damit belegen, wie der Textilmüll auf gigantischen Müllhalden landet und großflächig das Meer, die Küste und die Luft verschmutzt. Ein großer Teil der Kleidung besteht aus Polyester oder anderen Kunstfasern, die sich kaum zersetzen, sondern sich letztendlich als Mikroplastik über die gesamte Erde verbreiten. Andererseits zeigt der Film, wie kreativ die Menschen in Accra brauchbare Teile upcyclen, sie zu ganz neuen und hochwertigeren Stücken umgestalten. Außerdem gehen In Ghana Menschen aktiv gegen die Vermüllung ihres Landes vor, indem sie Strände reinigen oder Unternehmen zur Wiederverwertung gründen.
Im Anschluss an den Film fand sich ein vielfältiges Podium aus Expert:innen zu den Folgen der Textilindustrie für Mensch und Umwelt zusammen. Besonders bereichernd war dabei Kwabena Obiri Jeboah, der in Ghana Kleinunternehmen mit sozialen und ökologischen Zielen unterstützt. Er möchte erreichen, dass in Ghana eine Industrie zum umweltgerechten Recycling von Textilien entsteht. Er schilderte eindringlich das neokoloniale Vorgehen westlicher Staaten, die beispielsweise mit dem Entzug von Entwicklungsgeldern drohten, wenn sich Länder auf dem afrikanischen Kontinent mit Zöllen und Importverboten gegen die Einfuhr von schädlichen Produkten wie Altkleidern oder billigem Hühnerfleisch wehrten. Entschieden weist er darauf hin, dass jede soziale Ungerechtigkeit, jede Umweltzerstörung letztendlich auf alle Menschen zurückschlägt.
Maike Demandt vom Wuppertal Institut und Dr. Jiska Gojowczyk von Südwind e.V. legten mit großer Fachkenntnis den Stand zum deutschen und europäischen Lieferkettengesetz dar. Sie sehen den Staat in der Verantwortung, der Textilindustrie entlang der gesamten Produktionskette Vorgaben zu machen und diese konsequent durchzusetzen. Stattdessen würden die gerade erst in Kraft getretenen Gesetze auf Druck der Lobby hin systematisch ausgehöhlt und abgeschwächt. Deshalb gelte es, den Protest für ein wirksames Lieferkettengesetz aufrecht zu erhalten. Für Konsument:innen sei es mit Kleidertausch und Seconhandkleidung nicht getan, dies könne sogar einen Rebound-Effekt auslösen, wenn dadurch noch mehr Neues hergestellt würde. Es braucht insgesamt weniger Verbrauch und mehr Wertschätzung für Kleidung.
Upcycling zum Anfassen bot Iris Panknin von dem Wuppertaler Träger „alpha e.V.“ Der Verein bietet Arbeitsgelegenheiten für Frauen mit Migrationsgeschichte und betreibt mit „Stoffwechsel“ einen Laden, der Secondhandkleidung und selbst genähte Upcycling-Produkte anbietet. Die Frauen können dabei die deutsche Sprache lernen und Fähigkeiten erwerben, mit denen sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Frau Panknin hatte eine kleine Auswahl aus ihrem Angebot mitgebracht – alte Stoffe werden zu bunten Taschen verschiedener Größen und Funktionen, Kuscheltieren und Dekoartikeln verarbeitet.
Dieses spannende Podium hätte eine weit aus größere Zahl an Zuhörenden verdient, vor allem solchen, die nicht ohnehin gut zu Umweltthemen informiert sind. Viele Stühle blieben leer. Was bleibt, ist ein viel versprechender Ansatz dafür, dass sich die beteiligten Gruppen weiter vernetzen und gemeinsam aktiv bleiben für einen ökologisch und sozial nachhaltigen Umgang mit Kleidung.
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