08.01.2026N. Bernhardt
Das ewig betablaue Baby GTW 15

Dem Babyblau der aktuellen Triebwagengeneration 15 haftet ein verbranntes Image von verpaßtem Fortschritt und großspurigen Versprechungen an, auf deren Erfüllung wir nach fast 30 Jahren noch warten: Zweiminutentakt, erweiterte Radien damit die Triebwagen überall 60 fahren können, alles wird leiser mit „Flüsterschienen“, deren Gummis man nach großzügigen 20 Jahren erneuert, während der ursprüngliche Hersteller (ORTEC GmbH) 8 bis 13 Jahre empfiehlt.¹
Die Versprechungen über die vorgeblichen Vorteile einer neuen Schwebebahnkopie waren offenbar genauso großspurig wie die Aussage der Wuppertaler Stadtwerke AG 1991 in ihrem Buch „Die Wuppertaler Schwebebahn – Geschichte – Technik – Kultur“, daß das Schwebebahngerüst unbesehen „weitere 75 Jahre halten kann“. Stattdessen schmeißt man in wenigen Jahren das letzte Relikt der Schwebebahnväter, die Wagenhalle Vohwinkel, auch noch auf den Schrotthaufen.
Was die täglich 90.000 Fahr- und Stehgäste der Schwebebahn von den neuen Triebwagen regelmäßig erleben müssen, sind oft Betriebsausfälle und Verspätungen wegen einer ausufernden Technik, die bei der letzten Triebwagengeneration GTW 72 gar nicht vorhanden war:
- Statt ein paar Signale instandzuhalten entschied man sich bei den Stadtwerken für ein Sicherungssystem „ETCS Level Captain Future“, so daß bei der kleinsten Funkstörung der gesamten Betrieb zusammenbricht. Selbst die Deutsche Bahn setzt auf Balisen zur Standortbestimmung der Züge.
- Die betablauen GTW 15 haben nicht nur einen irrsinnig schnellen Radverschleiß, weshalb die Stadtwerke als Betreiber inzwischen von Vollrädern auf Radreifen gewechselt sind. Vielmehr gibt gab und gibt es regelmäßig Flachstellen, offenbar weil beim Bremsen die Räder blockieren. Ergebnis sind Rappelkisten, die beim Fahren bei jeder Radumdrehung ein lautes „Bumm-bumm-bumm“ von sich geben und damit die Anwohner nerven. Beispiel: Bis vor kurzem GTW 15_15, aktuell GTW 15_23.
- Offenbar halten die GTW 15 zwar beim Wagenkasten das vorgegebene Lichtraumprofil ein, aber nicht beim Drehgestell. Sonst wäre GTW15 10 bei der „Berührung“ (WSW-Euphemismus) des Traggerüstes am 19. Mai 2017 nicht ein 10 kg schwerer Bremszylinder abgerissen, hätten die WSW nicht die Auslieferung neuer Triebwagen gestoppt und die Aufsichtsbehörde nicht ein Tempolimit von 40 km/h für die neuen Babyblauen verhängt. In jedem Fall können wir uns den Zweiminutentakt an den Hut stecken, weil mit den aktuellen Umlaufzeiten von rund 70 Minuten mit 26-28 Wagen kein Zweiminutentakt realisierbar ist.
- Teilweise lustige bis absurde „Störungen“ wie Bildschirme, auf denen keine Stationsnamen angezeigt werden, eine blockierte Tür, die sich öffnet, während sich die anderen drei schließen und vice versa, oder ein Notsignals, dessen Rückstellung durch den Fahrer zwar brav im Cockpit angezeigt wird, der dazugehörige nervtötende Pfeifton in der Fahrerkabine aber „vergessen“ wurde und weiter pfeifend den Fahrer an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt.
Die Stadtwerke hatten 2021 der Öffentlichkeit eine Mängelliste mit 200 Macken der Rappelkisten präsentiert.² Wie weit ist deren Abarbeitung vorangeschritten?
Mit dem orange-blauen Farbkleid am GTW 15_27 bringen die Stadtwerke nicht nur eine gelungenes Farbdesign, sondern ein Stück Vertrautheit zurück. Mengenrabatt, wenn zig Betreiber einen Bus im selben Babyblau bestellen, gibt es bei der Schwebebahn nicht. Warum also nicht mehr GTW 15 in Orangenorange und Auberginenblau folieren, wenn deren technische Probleme weitestgehend behoben sind?
Vorschlag: Bei weiteren Farbgestaltungen die Türen komplett orange folieren, um für Sehbehinderte den notwendigen Kontrast zu geben.

Bild: 12. Juni 2023, Station Ohligsmühle. Ein Fahrgast hatte aus gesundheitlichen Gründen den Alarm betätigt. Dieser löst eine entsprechende Warnmeldung im Cockpit sowie ein ohrenbetäubendes Pfeifen in der Fahrerkabine aus. Die Fahrerin von „Versuchsfahrzeug“ № 15 läuft nach hinten und setzt den Alarmhebel zurück. Der Vorgang wird zwar im Cockpit registriert und der Zustand als „abfahrbereit“ angezeigt, allerdings hört das Pfeifen nicht mehr auf. Entweder wurde dies bei der Programmierung schlichtweg „vergessen“, oder unzureichend getestet.
Nach einer viertel Stunde Betriebsstörung und einer Fahrerin reif für die Klapse fährt № 15 als Dienstwagen nach Vohwinkel. – Softwarefehler, kann man nichts machen?

Bild: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. – Softwarefehler, kann man nichts machen?
Fußnoten
(1) Die Brücken zwischen Bemberg- und Wesendonkstraße wurden beispielsweise zwischen 2000 und 2001 ausgetauscht. Die Erneuerung der „Schienengummis“ erfolgte aber erst 2020.
(2) Rheinische Post: „Weitere schwere Mängel bei Schwebebahn“
Sie dazu auch: Welche Probleme hat die Schwebebahn?
Die WSW bezeichnen die aktuelle Triebwagen mal als „GTW 15“ (z.B. bei den 1:87-Modellbahnvarianten), mal als „GTW 2014“. Im Artikel wird nur als „GTW 15“ darauf bezug genommen.
Weiter mit:
Dafür hat die neue Schwebebahn Notfallkonzepte, mit denen sie es bei Stromausfall mit verminderter Leistung fast bis zur nächsten Haltestelle schafft:
wuppertaler-rundschau.de/141935349
radiowuppertal.de/artikel/2539485
Die Bordbatterien im GTW15 dienen lediglich der Aufrechterhaltung einer Notstromversorgung, taugen aber nicht als Antriebsbatterie. Die WSW-Sprecherin erzählt dem WDR in der Lokalzeit vom 08.01.26, daß alle anderen Bahnen bis auf die in Oberbarmen Strom hatten und entsprechend in die jeweils nächste Station einfahren konnte.
Der in Rede stehende GTW 15_13 blieb stromlos vor der Station Oberbarmen mit der ersten Türe über dem Sicherungsgitter des Bahnsteigs liegen. Nach rund einer Stunde durften die Fahrgäste über die vorderste Türe aussteigen, nachdem zwei angeseilte Feuerwehrleute die offene Bahnsteigseite abgesichert hatten.
Video der Rettungsaktion:
https://www.ardmediathek.de/video/lokalzeit-bergisches-land/wdr-lokalzeit-bergisches-land-oder-08-01-2026/wdr-wuppertal/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtZWZhMzVkZWQtOTY4Mi00MDAzLWJjMzUtMjExMTVmMjBjYWZj