03.06.2026evangelisch wuppertal
Weltweit Kirche sein
Sechs Gäste aus dem Kirchenkreis Keetmanshoop besuchen derzeit die evangelische Kirche in Wuppertal. Beim Empfang durch die Superintendenten wurde deutlich: Trotz unterschiedlicher Lebensrealitäten verbindet die Partnerkirchen viel.

Sechs Gäste aus dem namibischen Kirchenkreis Keetmanshoop besuchen derzeit die evangelische Kirche in Wuppertal. Beim Empfang durch die Superintendenten wurde deutlich: Trotz großer Entfernungen und unterschiedlicher Lebensrealitäten verbindet die Partnerkirchen viel.
Bergig, grün und kurze Wege von einer evangelischen Kirchengemeinde zur nächsten: Das kennen Elisabeth, Minna, Zena, Martha, Miltinet und Abel aus ihrem Kirchenkreis im namibischen Keetmanshoop nicht. Rund 100 bis 300 Kilometer liegen die Gemeinden, in denen sie sich engagieren, von der 19.000-Einwohnerstadt Keetmanshoop entfernt. Doch das ist nicht der einzige Grund zum Staunen.
Die sechsköpfige Delegation des afrikanischen Kirchenkreises, mit dem die evangelische Kirche in Wuppertal seit knapp 50 Jahren eine lebendige Partnerschaft pflegt, ist überrascht, dass sie in Wuppertal von zwei Superintendenten begrüßt wird. Teamarbeit im theologischen Leitungsamt gibt es in Keetmanshoop nicht, aber auch in Wuppertal und der gesamten evangelischen Kirche im Rheinland ist das neu, wie Katharina Pött und Jochen Denker den Delegierten erklären.
„Die Herzen sind offen für uns“
Vor ihrem Besuch der CityKirche und einem Mittagessen im dortigen Weltcafé haben die Delegierten eine Menge Fragen an die beiden leitenden Theologen des Kirchenkreises. Sie reichen vom Superintendentenamt über die Struktur des Kirchenkreises, die Zusammenarbeit mit der Diakonie bis hin zur Gestaltung der Gottesdienste. In der Friedhofskirche haben sie bereits einen erlebt – und waren erstaunt, wie viel sie dabei auf ihren Plätzen sitzen bleiben konnten. „Bei uns stehen wir nicht nur zur Liturgie und zum Gebet auf“, erklärt Elisabeth.

Wie ist der Kirchenkreis aufgebaut? In der Superintendentur wurde das anhand einer Karte erklärt.
Stehen, tanzen, Musik mit Chören und Bands: In den Gemeinden im Kirchenkreis Keetmanshoop wird anders Gottesdienst gefeiert, aber fremd hätten sie sich nicht gefühlt. „Alle Menschen, denen wir hier begegnen, sind sehr freundlich und großzügig. Die Herzen sind offen für uns“, freut sich Abel Christiaan Vries, der Superintendent des Kirchenkreises mit seinen acht Gemeinden ist.
Volle Kirchen, aber weniger junge Leute
Dort sind die Kirchen voll, wenn Gottesdienst gefeiert wird. Allerdings fehlen zunehmend junge Menschen, insbesondere in den Stadtgemeinden. Mit Jugendgruppen, besonderen Tanz- und Musikangeboten versucht man sie zu erreichen. Dabei spielt auch Social Media eine immer größere Rolle. Sechs von zehn Jugendlichen in Namibia haben ein Smartphone, wie die 26-jährige Zena berichtet. „Aber das Internet ist bei uns sehr instabil, deshalb können sie nicht ständig am Handy hängen.“
Großes Interesse haben die sechs Delegierten an der diakonischen Arbeit im Kirchenkreis, denn dass es auch in Wuppertal Armut gibt, wissen sie bereits aus den regelmäßigen, wechselseitigen Besuchen, die alle drei Jahre stattfinden. Ein Einblick in sozial-diakonische Projekte wie das Café Prio der Stadtmission oder das ökumenische Bildungszentrum „Krawatte“ stehen daher ebenfalls auf dem Programm, das am 13. Juni mit dem Besuch der Synode des Kirchenkreises endet.

Gruppenbild vor der Friedhofskirche, wo der Willkommensgottesdienst für die Delegierten aus Namibia stattfand
Verschiedene Kirchen, ähnliche Fragen
Auch in Keetmanshoop engagieren sich die acht Gemeinden für arme Menschen in ihrer Nachbarschaft, obwohl sie wenig Geld haben, denn es gibt keine Kirchensteuer und auch der Pastor wird durch Spenden finanziert. So haben sie mit finanzieller Unterstützung des Kirchenkreises Wuppertal Suppenküchen in allen acht Gemeinden eingerichtet. Ein bis zwei Mal pro Woche wird dort ein einfaches Essen ausgeteilt.
Im Gespräch mit den Superintendenten wird deutlich: Auch wenn die Lebensrealitäten in Keetmanshoop und Wuppertal sehr verschieden sind, stellen sich den Gemeinden ähnliche Fragen: Wie können wir Kirche sein mit weniger Ressourcen und wachsenden Herausforderungen in einer Zeit der globalen Krise? Und wie lässt sich Armut – dort wie hier – effektiv bekämpfen? „Wir leben 9.000 Kilometer von einander entfernt und können doch viel voneinander lernen“, sagt Superintendent Abel Christiaan Vries.
Text: Sabine Damaschke
Fotos: Thorsten Levin
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