Gelebte Partnerschaft seit 50 Jahren

Miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam Armut bekämpfen: Das macht die Partnerschaft der Kirchenkreise Wuppertal und Keetmanshoop aus. Anfang Juni kommen sechs Delegierte aus Namibia nach Wuppertal. Für sie werden noch Gastgeber gesucht.

Katja Dummer (Mitte) beim Partnerschaftsbesuch in Keetmanshoop 2023

Miteinander reden, voneinander lernen, gemeinsam Armut bekämpfen: Das macht die Partnerschaft der Kirchenkreise Wuppertal und Keetmanshoop aus. Anfang Juni kommen sechs Delegierte aus Namibia nach Wuppertal. Für sie werden noch Gastgeber gesucht.

Mit der 19.000-Einwohnerstadt Keetmanshoop in Namibia verbindet Katja Dummer die Begegnung mit Freund:innen, aber auch Leere, Weite und Dürre. Wuppertal mit seinen knapp 350.000 Einwohnern ist genau das Gegenteil: dicht besiedelt, bergig und grün. „Wenn wir uns besuchen, staunen wir immer darüber, in welch unterschiedlichen Welten wir leben“, sagt die Leiterin des Wuppertaler Partnerschaftskomitees, das es schon seit 1979 gibt und das seitdem zahlreiche Besuch organisiert hat. „Und wir entdecken trotzdem viele Gemeinsamkeiten.“

Zehn Mal war Katja Dummer bisher in Keetmanshoop, 500 Kilometer südlich von Windhoek, zuletzt vor drei Jahren. Nun organisiert der Arbeitskreis den Gegenbesuch von sechs Delegierten des namibischen Kirchenkreises vom 1. bis 14. Juni in Wuppertal. Zwei Wochen lang gibt es Zeit für einen intensiven Austausch über das kirchliche und gesellschaftliche Leben in den beiden Ländern, über Spiritualität, Armut, soziale Gerechtigkeit und Bildung.

Staunen über das Land Martin Luthers

Die sechs Delegierten, darunter der Superintendent des Kirchenkreises Keetmanshoop, besuchen Wuppertaler Kirchengemeinden, die Vereinte Evangelische Mission (VEM), sozial-diakonische Projekte wie das Café Prio der Stadtmission oder das ökumenische Bildungszentrum „Krawatte“ der Kirchengemeinde Heckinghausen und des Sozialdienstes katholischer Frauen. Auch auf der Sommersynode des Kirchenkreises am 13. Juni werden die Partner:innen aus dem Süden Afrikas zu Gast sein.

Alle drei Jahre finden die wechselseitigen Besuche statt. Dabei setzt sich die Delegation der evangelischen Christ:innen aus Namibia meist neu zusammen, aber die Reaktionen auf das Leben in Wuppertal sind ähnlich. „Sie staunen über unseren Konsum, die weltberühmte Schwebebahn und die vielen sozialen Hilfsangebote“, erzählt Katja Dummer. „Aber sie staunen auch darüber, dass der protestantische Glaube im Land des Reformators Martin Luther für so viele Menschen kaum noch eine Rolle spielt.“

Lebensfreude trotz Armut

Im Kirchenkreis Keetmanshoop mit seinen acht Gemeinden sind die Kirchen voll, wenn Gottesdienst gefeiert wird. „Der christliche Glaube gehört für die meisten Namibier:innen zum Alltag, ebenso wie die Musik. Viele spielen in einer Band oder singen im Chor“, berichtet Katja Dummer. „Diese Aktivitäten sind quasi das Zentrum des Gemeindelebens.“ Lebensfreude bestimme einen beschwerlichen Alltag, der vielfach von Armut geprägt sei. „Das hat mich immer sehr beeindruckt.“

Gute Laune beim letzten Partnerschaftsbesuch 2023 im Kirchenkreis Keetmanshoop

Obwohl die Gemeinden nur wenig Geld haben – es gibt keine Kirchensteuer und auch der Pastor wird durch Spenden finanziert – engagiert sich der Partner-Kirchenkreis Keetmanshoop unter anderem mit Suppenküchen. Einmal pro Woche wird dort ein einfaches Essen ausgeteilt. Der Kirchenkreis Wuppertal unterstützt dieses Engagement jährlich mit 10.000 Euro. Die Bildung von Kindern aus Farmerfamilien, die in Hostels wohnen, um zur Schule gehen zu können, fördert der Kirchenkreis ebenfalls.

Verschiedene Kirchen, ähnliche Fragen

Auch wenn die Lebensrealitäten in Keetmanshoop und Wuppertal sehr verschieden sind, stellen sich den Gemeinden laut Katja Dummer ähnliche Fragen: Wie können wir Kirche sein mit weniger Ressourcen und wachsenden Herausforderungen in einer Zeit der globalen Krise? Und wie lässt sich Armut – dort wie hier – effektiv bekämpfen?

„Dieser Austausch mit Menschen, die knapp 9.000 Kilometer von uns entfernt leben, ist unglaublich bereichernd“, betont sie. Katja Dummer hofft, dass viele Menschen aus den Wuppertaler Kirchengemeinden die Delegierten aus Namibia willkommen heißen. Und sich weitere Familien als Gastgeber melden.

Gastfamilien gesucht

Für die Zeit vom 1.6. – 4.6. und/oder 7.6. – 14.6. (oder auch kürzer) werden noch Gastfamilien in Wuppertal benötigt. Außerdem werden Interessierte an Begegnung gesucht, die Lust haben, einzelne Programmpunkte zu begleiten oder Fahrdienste zu übernehmen.

Wer sich angesprochen fühlt oder mehr erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen: Astrid Eberlein, Tel.: 01577 5318533, Mail:

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