„Segen, der unter die Haut geht“

Immer mehr Gemeinden bieten einen Salbungsgottesdienst an. Die nächste Gelegenheit, den Segen intensiv zu erleben, gibt es in der Gemeinde Elberfeld-Südstadt mit Pfarrerin Dorothee Nüllmeier.

Immer mehr Gemeinden bieten einen Salbungsgottesdienst an. Die nächste Gelegenheit, den Segen intensiv zu erleben, gibt es in der Gemeinde Elberfeld-Südstadt. Im Interview spricht Pfarrerin Dorothee Nüllmeier über diese besondere Form des Gottesdienstes.

Was ist das Besondere an einem Salbungsgottesdienst?

Dorothee Nüllmeier: Innerhalb eines Salbungsgottesdienstes gibt es eine Zeit, in der die Besucher:innen eine Salbungsstation aufsuchen können. Dort wird ihnen eine Art Intensivsegen persönlich unter Nennung ihres Vornamens zugesprochen: ein Segen mit einem Bibelwort, bei dem mit duftendem Salböl drei Kreuze in die Handinnenflächen und auf die Stirn gezeichnet werden. Wichtig ist vor allem die Einfachheit: keine Wortlastigkeit, dafür Raum und Stille zum Hören, zum Wahrnehmen, letztlich auch Raum für Begegnung mit Gott. Die Salbung hat das Wesen des Gebets. Durch sie bin ich eingeladen, leiblich und geistlich zu erfahren: Gottes Segen geht unter die Haut. Gott berührt und ist mir nah.

Sind Salbungsgottesdienste „im Kommen“?

Dorothee Nüllmeier: Ja, es gibt mehr und mehr Gemeinden, die ein paar Mal im Jahr Salbungsgottesdienste anbieten. Ausgangspunkt war – wie so oft – der Deutsche Evangelische Kirchentag, auf dem zuerst große Salbungsgottesdienste gefeiert wurden. Übrigens waren Salbungen zu Zeiten Jesu eine übliche Praxis. Wir finden in der Bibel viele Anspielungen darauf – bekanntestes Beispiel ist sicher der Psalm 23 mit dem Gebetsvers: „Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“ Dieses Gebet steht für das Wohltun Gottes an mir mit Leib und Seele.

Wen können diese Gottesdienste besonders ansprechen und warum?

Dorothee Nüllmeier: Auf jeden Fall Menschen, die Sehnsucht danach haben, dass Glaube auch ganzheitlich gelebt wird. Das ist im nüchternen Protestantismus oft in den Hintergrund getreten. Sie sind eine Form, den Körper miteinzubeziehen und zu erleben: Gott berührt uns mit Herz, Kopf und Leib. Er meint mich als ganzen Menschen.

Salbungsgottesdienst

Freitag, 27. März um 19 Uhr
Johanneskirche (Altenberger Str. 25)

Unter dem Thema „Du bist ein Gott, der berührt“ gestaltet Pfarrerin Dorothee Nüllmeier mit einem Team den alternativen Abendgottesdienst. Im Anschluss wird zum Abendessen eingeladen.


Woher kommt die Tradition und welche Bedeutung hat sie in der evangelischen Kirche?

Dorothee Nüllmeier: Salbung geht auf eine alte und breit bezeugte biblische Tradition zurück. Propheten und Könige werden gesalbt, aber auch die ganze Gemeinde wird aufgefordert, kranke Menschen zu salben und für sie zu beten (Jakobus 5). Die Salbung ist wie die Segnung überhaupt ein Auftrag an alle Christ:innen, keineswegs nur an ordinierte Menschen!

Durch Salbung soll erfahrbar werden, dass Gott guttut. Er will uns heilsam berühren und stärken – wie auch immer das im Einzelnen aussieht. In Abgrenzung zum Sakrament zur sogenannten „Letzten Ölung“ der katholischen Kirche ist das alte biblische Ritual in der evangelischen Kirche Europas vielfach verschüttet gewesen. Aber Kirchen des Südens haben die Tradition wachgehalten und in den ökumenischen Dialog eingebracht.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Foto: KK-Archiv

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