Schule und Kirche neu denken

Der Religionslehrer Benjamin Breutel ist neuer Schulreferent der evangelischen Kirche in Wuppertal. Am Wochenende führte Superintendentin Katharina Pött ihn in einem Gottesdienst in sein neues Amt ein.

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Der Religionslehrer Benjamin Breutel ist neuer Schulreferent der evangelischen Kirche in Wuppertal. Am Wochenende führte Superintendentin Katharina Pött ihn in einem Gottesdienst in sein neues Amt ein.

Zehn Jahre hat er an der Erich-Fried-Gesamtschule in Wuppertal-Ronsdorf evangelische Religion, Geschichte sowie Theater unterrichtet und sich dafür eingesetzt, dass alle Schüler:innen die gleichen Bildungschancen erhalten. Jetzt arbeitet Benjamin Breutel als Schul- und Bildungsreferent im evangelischen Kirchenkreis Wuppertal.

„Ich bin mit Herz und Seele Religionslehrer, aber nach zehn Jahren im Schuldienst möchte ich meine Erfahrungen gerne weitergeben und in einem neuen Aufgabengebiet dazu beitragen, den Religionsunterricht in Wuppertal weiterzuentwickeln.“

Mammutaufgabe evangelische Bildung

Rund 300 Religionslehrer:innen wird der 37-jährige Pädagoge in Wuppertal begleiten, fortbilden und beraten, aber auch für die Bildungsarbeit in den 17 Gemeinden des Kirchenkreises neue Ideen und Konzepte entwickeln. Eine Mammutaufgabe, wie Superintendentin Katharina bei der Einführung des neuen Schul- und Bildungsreferenten am vergangenen Wochenende in der CityKirche Elberfeld betonte. „Aber wir trauen Ihnen das zu, denn Sie bringen die nötige Leidenschaft, Geduld und Beharrlichkeit dafür mit.“

Superintendentin Katharina Pött und Schulreferent Benjamin Breutel hielten gemeinsam die Predigt im Einführungsgottesdienst.

Schule und Kirche gemeinsam neu denken: Dafür macht sich Benjamin Breutel stark, und das sagte er auch in seinem Einführungsgottesdienst, in dem er gemeinsam mit Superintendentin Katharina Pött die Predigt hielt. „Als Religionspädagog:innen brauchen wir den Mut das Risiko einzugehen für ein politisch oft totgesagtes Unterrichtsfach. Den Mut, Kirche neu zu denken und Schule als ersten Kontakt mit Kirche zu sehen.“

Große Neugierde auf Religion

Trotz der zunehmenden konfessionellen Ungebundenheit junger Menschen sei die Suche nach dem Sinn des Lebens und die Neugierde auf Religion groß, erklärte der Pädagoge. „Themen, die Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag ständig beschäftigen wie Freundschaft, Gerechtigkeit, Krieg und Frieden haben im von messbaren Leistungen geprägten Schulsystem oft keinen Platz, aber im Religionsunterricht. Hier gibt es Zeit und Raum für die großen Fragen unserer Zeit, die uns ganz persönlich betreffen.“

Dazu gehört für Benjamin Breutel vor allem die Frage nach Frieden. Die Predigt (weiter unten zum Download) hatten er und Superintendentin Katharina Pött angesichts von 25 Jahren Terrroranschlag auf das World Trade Center unter das berühmte Bibelzitat „Schwerter zu Pflugscharen“ aus Micha 4,3 gestellt, das zum zentralen Symbol der internationalen Friedensbewegung wurde und für den Wunsch nach Frieden und weltweiter Abrüstung steht.

Schwerter zu Flugscharen – gerade heute

„Mitten hinein in kriegerische Zeiten damals, aber auch heute in unsere Zeit, klingen die Worte des Propheten Micha wie ein Traum“, räumte Superintendentin Katharina Pött in der Predigt ein. „Doch sie trösten, stärken und halten den Mut zum Widerstand auch heute noch aufrecht. Und sie fragen uns, die wir an der Vision festhalten, wie wir sie heute zum Sprechen bringen.“

Im Gottesdienst gab es viele Segensworte für den neuen Schulreferenten.

Die Vision des Friedens zum Sprechen bringen: Das ist für Benjamin Breutel auch eine Aufgabe des Religionsunterrichts, aber, so betonte er: „Bildung darf hier nicht nur bloße Wissensvermittlung sein. Sie muss einen Beitrag zu einer Kultur des Friedens leisten, denn Frieden beginnt nicht erst in der großen Politik, Frieden beginnt im Zwischenmenschlichen.“

Dialog statt Schwarz-Weiß-Denken

In Zeiten von „Hate Speech“ und unzähligen Angeboten an vermeintlich einfachen Antworten von Richtig und Falsch auf schwere Lebensfragen setzt er auf den Dialog und darauf, dass Kirche klar Position bezieht – zu Frieden, Demokratie und Vielfalt.

Weil es dafür den Mut braucht, „große Ambivalenzen auszuhalten – auch jenseits konfessioneller Schranken“, seien „kreative Lösungen“ in der Gesellschaft, Kirche und im Bildungsbereich nötig. Daran will er künftig mit den Wuppertaler Religionslehrer:innen und den evangelischen Gemeinden arbeiten. „Ich verstehe mich hier als Mulitplikator und freue mich richtig auf diese neue Aufgabe“, sagte er.

Zur Person:

Benjamin Breutel wurde 1989 in Werningerode geboren. Er ist im Harz in Sachsen-Anhalt groß geworden und hat in Rostock evangelische Religion, Geschichte und Theaterpädagogik studiert. Nach seinem Referendariat an einer Gesamtschule in Troisdorf hat er zehn Jahre an der Wuppertaler Erich-Fried-Gesamtschule unterrichtet.

Text: Sabine Damaschke
Fotos: Thorsten Levin/Sabine Damaschke

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