Im Krisenmodus die Balance halten

Wie können wir angesichts permanenter Krisennachrichten innerlich im Gleichgewicht bleiben? Der Philosoph Jürgen Wiebicke spricht in Ronsdorf (23.09.) über Ungewissheit, Zuversicht und eine demokratische Streitkultur.

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Wie können wir angesichts permanenter Krisennachrichten innerlich im Gleichgewicht bleiben? Der Philosoph und Journalist Jürgen Wiebicke spricht in Ronsdorf (23.09.) über Ungewissheit, Zuversicht, demokratische Streitkultur und die Kraft des gemeinsamen Gesprächs.

Viele Menschen erleben die Gegenwart als eine Zeit permanenter Krisen. Ungewissheit, Unsicherheit, Unbehagen und Unruhe können sich dabei zu wachsender Unzufriedenheit verbinden. Wie lässt sich inmitten dieser Nachrichtenlage die innere Balance bewahren? Und wie verhindert man, dass Angst und Frust zum Nährboden für Verschwörungserzählungen und demokratiefeindliche Kräfte werden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich Jürgen Wiebicke seit vielen Jahren. Am Mittwoch (23.09.) ist der bekannte Kölner Philosoph und Journalist, der die WDR-Sendung „Das philosophische Radio“ moderiert, um 19 Uhr bei der reformierten Gemeinde Ronsdorf zu Gast. Wiebicke gehört auch zur Programmleitung des internationalen Philosophiefestivals phil.Cologne.

„Im Krisenmodus die Balance halten“

Vortrag und Diskussion mit Jürgen Wiebicke
Mittwoch, 23. September 2026, 19 Uhr
Evangelisch-reformierte Gemeinde Ronsdorf
Gemeindehaus, Kurfürstenstraße 13, 42369 Wuppertal
Der Eintritt ist frei.

Kleine Philosophie für verrückte Zeiten

In seinem Buch „Emotionale Gleichgewichtsstörung. Kleine Philosophie für verrückte Zeiten“ zeigt der Journalist und Autor Verständnis für das Lebensgefühl vieler Menschen, das von Angst, Wut, Hilflosigkeit und Ohnmacht geprägt ist. Entscheidend sei jedoch, ob es gelinge, aus der lähmenden Negativität wieder ins Handeln zu kommen, meint er.

Dabei gehe es nicht darum, gegenüber den Problemen der Welt ignorant zu werden, betont er in einem Interview. Vielmehr müsse jeder und jede Einzelne darauf achten, wie viel Negativität man selbst weitergebe und sich fragen, wo man persönlich Orientierung finde, wenn Gewissheiten ins Wanken geraten und was Kraft gebe, wenn die Nachrichtenlage belaste.

Demokratie braucht Streit und Begegnung

Für Wiebicke ist die Frage nach der persönlichen Balance eng mit der Frage nach dem Zustand der Demokratie verbunden. Denn Unsicherheit und Unzufriedenheit können zum Nährboden für einfache Antworten und radikale politische Angebote werden. Sein Buch „Erste Hilfe für Demokratie-Retter“ ist deshalb ein Plädoyer dafür, Demokratie nicht nur als Aufgabe von Politik und Institutionen zu verstehen, sondern als etwas, das im Alltag und vor Ort gelebt werden muss. Dazu gehört für Wiebicke ausdrücklich auch die Bereitschaft, Widerspruch auszuhalten.

Auch deshalb setzt der Journalist auf das Gespräch. Das gemeinsame Nachdenken ist für ihn dabei kein Luxus für philosophische Zirkel. Es könne ganz konkret helfen, wieder Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. „Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir uns zusammentun“, fordert Wiebicke. Gerade auf lokaler Ebene könne man erfahren, dass das eigene Engagement einen Unterschied mache.

Text: Gemeinde/Sabine Damaschke
Foto: Bettina Fürst-Fastré

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