Hilfe in Krisensituationen

Was tun, wenn Menschen plötzlich mit Tod oder Unfall konfrontiert sind? Die ökumenische Notfallseelsorge Wuppertal begleitet Betroffene in den ersten Stunden. Koordinator Ben Sulzbacher konnte jetzt neue Ehrenamtliche in einem Gottesdienst begrüßen.


Was tun, wenn Menschen plötzlich mit Tod oder Unfall konfrontiert sind? Die ökumenische Notfallseelsorge Wuppertal begleitet Betroffene in den ersten Stunden. Koordinator Ben Sulzbacher konnte jetzt neue Ehrenamtliche in einem Gottesdienst begrüßen.

Die neuen Ehrenamtlichen sind in einem Gottesdienst in der Laurentiuskirche in ihre neue Aufgabe bei der Notfallseelsorge eingeführt worden. Rund 20 Mitarbeitende gehören zu Ihrem Team. Reicht das für Wuppertal?

Ben Sulzbacher: Wir können die angestrebte Erreichbarkeit rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr weitestgehend abdecken. Allerdings ist die Anzahl der Mitwirkenden längst nicht so groß, dass wir von einer komfortablen Situation sprechen können. Gerade wenn wir mehrere Notfallseelsorger:innen gleichzeitig benötigen oder es kurzfristige Ausfälle gibt, kann es eng werden. Deshalb freuen wir uns sehr über die neuen Ehrenamtlichen. Sie sind eine wichtige Unterstützung. Gleichzeitig müssen wir auch in Zukunft weitere Menschen für die Notfallseelsorge gewinnen und qualifizieren.

Was ist Aufgabe der Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger vor Ort?

Sulzbacher: Die Notfallseelsorge kommt zum Einsatz, wenn Menschen plötzlich mit besonders belastenden Situationen konfrontiert werden. Häufig sind das unerwartete und unmittelbar miterlebte Todesfälle im häuslichen Umfeld, aber auch die Betreuung von Augenzeug:innen oder Ersthelfenden nach schweren Unglücken oder die Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesbenachrichtigungen gehören dazu.

Es geht vor allem darum zuzuhören, die Betroffenen in der Ausnahmesituation nicht allein zu lassen und erste Orientierung anzubieten.

Die neuen ehrenamtlichen Notfallseelsorger:innen unterstützen zukünftig Betroffene in den ersten Stunden und stehen ihnen menschlich zur Seite. Dabei geht es vor allem darum zuzuhören, die Betroffenen in der Ausnahmesituation nicht allein zu lassen und erste Orientierung anzubieten.

Die Ehrenamtlichen haben eine intensive Ausbildung hinter sich. Was müssen sie lernen, bevor sie zum ersten Mal selbst zu einem Einsatz fahren?

Sulzbacher: Auf ihren Dienst wurden sie umfangreich vorbereitet: Theoretische Grundlagen zu den verschiedenen Einsatzszenarien, aber auch Grundlagen der Psychotraumatologie gehören dazu. Wir vermitteln ebenfalls, welche passenden Rituale sie in einer Ausnahmesituation anbieten können. Gerade bei der Verabschiedung eines plötzlich verstorbenen Menschen kann es für die Hinterbliebenen tröstlich sein, wenn ein Gebet, ein Segen oder ein anderes religiöses Ritual Raum bekommt.

Einführung der neuen Ehrenamtlichen (v.l.): Ben Sulzbacher, Koordinator Notfallseesorge Wuppertal, Dr. Jochen Denker, Superintendent Wuppertal, Michael Pardun, Susanne Stein, Andreas Friese, Gregor Tobias, Jana Hornung, Igor Batista und Dr. Bruno Kurth, Stadtdechant Wuppertal

Vieles davon üben wir in Rollenspielen ein. Ergänzt wird das Programm durch einen Besuch bei der Feuerwehr und den Austausch mit Beamten der Kriminalpolizei. Im praktischen Teil begleiten die angehenden Notfallseelsorger:innen erfahrenere Kolleg:innen in den Einsätzen.

Wie schafft man es, Menschen in einer solchen Ausnahmesituation beizustehen, ohne selbst von dem Erlebten überwältigt zu werden?

Sulzbacher: Auch das ist eine Frage, die in der Ausbildung ihren Platz hat: Was trägt mich und wo finde ich selbst Entlastung und Trost? Manche umgeben sich mit viel Leben, um dem Erlebten etwas entgegenzusetzen. Andere setzen auf Ruhe und Entspannung.

Wenn wir zu einem Menschen gerufen werden, geht es nicht darum, ob oder woran er glaubt. Im Fokus steht, dass jemand bei ihm ist.

Ich persönlich gehe im Vertrauen, dass ich behütet und nicht allein bin, in den Einsatz. Das stärkt mich. Und ich erlebe durch mein soziales Umfeld großen Rückhalt. Wenn mir etwas nachgeht, suche ich auch das Gespräch mit Teamkolleg:innen.

Notfallseelsorge ist ein kirchliches Angebot – was sich auch an der Einführung der Ehrenamtlichen in einem Gottesdienst zeigt. Aber sie richtet sich an alle Menschen – unabhängig von Religion oder Weltanschauung. Wie wichtig ist diese Offenheit in der konkreten Arbeit?

Sulzbacher: Für mich ist das selbstverständlich: In dem Moment, in dem wir zu einem Menschen gerufen werden, geht es nicht darum, ob oder woran er glaubt. Im Fokus steht, dass jemand bei ihm ist. Wir sind als kirchlicher Dienst da, aber eben für alle Menschen. Wenn jemand Halt in seinem Glauben findet, kommen wir darüber ins Gespräch. Wenn jemand keinen Bezug dazu hat, ist das genauso in Ordnung. Entscheidend ist es, den Menschen in seiner ganz persönlichen Situation ernst zu nehmen und ihn ein Stück des Weges zu begleiten.

Sie suchen weitere Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge. Was würden Sie jemandem sagen, der gerade denkt: „Vielleicht wäre das etwas für mich“?

Sulzbacher: Ich würde sagen: Wenn der Gedanke aufkommt, nehmen Sie ihn ruhig einmal ernst. Wir wünschen uns von Interessent:innen Einfühlungsvermögen, die Bereitschaft zuzuhören, aber auch ein gewisses Maß an Zurückhaltung. In solchen Situationen geht es nicht um meine Erfahrungen oder Tipps, die ich vielleicht für richtig halte. Für mich bedeutet Notfallseelsorge, den Menschen und ihrer individuellen Situation Raum zu geben, statt selbst Raum einzunehmen.

Der neue Kurs, den wir von Oktober bis Mai ausbilden und der über 100 Unterrichtseinheiten umfasst, ist zwar schon gut besetzt, aber wir sind immer interessiert an Menschen, die sich in der Notfallseelsorge engagieren möchten. Ich freue mich, wenn sie sich mit mir unter der Mailadresse

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