04.06.2026Verteilungsstelle Kunst und Geschichte
„Für Volk und Recht – gen Fürst und Knecht. Heraus zum Volksentscheid!“
Die Forderung nach einem Volksbegehren und der dann folgende Volksentscheid zur Enteignung der Fürsten war das aufwühlende Thema des Jahres 1926.
Zum Hintergrund: Die mit dem Verlust alles Ersparten verbundene Hyperinflation des Jahres 1923 war noch nicht in Vergessenheit geraten und überwunden, da forderten die zahlreichen Fürsten der deutschen Lande eine Entschädigung für ihre durch die Revolution von 1918 entstandenen Verluste. Und die Gerichte, immer noch ganz überwiegend mit den Richtern aus der Zeit der Monarchie besetzt, sprachen sie ihnen auch zu. Im Reichstag war keine Einigung zwischen den rechten und den linken Parteien zu dieser Frage zu erzielen. Schließlich ergriff ein Ausschuss, dem sowohl die aus Elberfeld stammende Publizistin Helene Stöcker (1869-1943) als auch der Ökonom Robert Rene Kuczynski (1876-1947), der eine Zeitlang das statistische Amt der Stadt Elberfeld geleitet hatte, angehörten, die Initiative und forderte einen Volksentscheid über die Enteignung der Fürsten.
Viele lokale Arbeiterorganisation unterstützen den Vorschlag. Schließlich einigten sich sogar die verfeindeten Arbeiterpartien, die Sozialdemokraten und die Kommunisten, auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf und die Beantragung des Volksbegehrens. Die Kampagne, zunächst für den Volksentscheid und dann für das Gesetz, beschäftigte über Monate die Öffentlichkeit. Namhafte Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Käthe Kollwitz, John Heartfield und Kurt Tucholsky unterstützten das Volksbegehren. Es wurde die wohl größte politische Kampagne in den Jahren der Weimarer Republik und mobilisierte mehr als 15 Millionen Wähler. Die örtliche Zeitung der SPD, die „Freie Presse“, sprach gar von der „Zweiten Revolution“.
Die Argumente, Aufrufe, und Berichte zu Aktivitäten lassen das politische Ringen im Wuppertal des Jahres 1926 lebendig werden. Eine Lesung mit Olaf Reitz und Katy Göbel. Kommentierung Reiner Rhefus
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