03.03.2019

Angelika Zöllner In Istanbul zum Tee matthias dohmen

Flair einer großen Stadt

Das Fesselndste an dem neuen Roman von Angelika Zöllner ist die atmosphärische Dichte, in der die türkische Metropole daherkommt.

Ist es doch „die Stadt der Düfte, des Humors, der wortlosen Wärme. Istanbul, Konstantinopel oder Byzanz. Fast eine Heimat“, wie die Autorin auf S. 18 schreibt.

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Ein Reisebericht, ein Kriminalroman, ein Plädoyer für das Miteinander von Christen und Muselmanen: Die Autorin ist mehrfach in der Türkei gewesen und ist, gemeinsam mit ihrem Mann, der Begegnung mit Türken nicht aus dem Weg gegangen, sondern hat das gegenseitige Kennenlernen gesucht. In mehreren Passagen des Werks sind Gedanken eingepflegt, die von Mouhanad Khorchide stammen, einem bekannten Islamwissenschaftler an der Uni zu Münster, der in seinem 2012 erschienenen Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ seine Vision eines modernen, aufgeklärten Islam vorstellt.

Wie geht nun die Geschichte?

Im Spielecafé erleben die Journalistin Thea und ihr Mann Frederic 2014 Gastfreundschaft und unerwartete Herzlichkeit. Ein halbes Jahr später reist Thea allein nach Istanbul und steigt in einem kleinen Drei-Sterne-Hotel des Aksaray-Viertels ab, in dem sie Kontakt auch zum Personal aufnimmt und mit einem Deutsch sprechenden Syrer, der später ermordet wird, bekannt wird. Teil II und Teil III des Romans spielen in Deutschland, konkret in Wuppertal, wo der Leser zwei Personen wieder erlebt, die er schon aus der Türkei kennt, nämlich Cedric, der vorübergehend in die Fänge so genannter Islamisten gerät, und Gül wiedererlebt. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. – Den Rezensenten irritiert hier und da die Verwendung des Tätigkeitsworts „grunzen“ oder artverwandter Vokabeln.

Mit hüzün hat der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk das Lebensgefühl Istanbuls beschrieben, das den Alltag der Stadt präge und für das jener wochenlange Nieselregen in dunkler Jahreszeit typisch sei. Der damit einhergehenden „Starre“ könne nur eine Annäherung an Europa entgegenwirken.

So lautet auch die Botschaft von Zöllners Prosa. Sie selbst, Jahrgang 1948, ist in Wiesbaden geboren, lebt aber schon lange im Tal der Wupper. Von Beruf Sozialarbeiterin, veröffentlicht sie seit den 1980er-Jahren Romane und Lyrisches. 2017 wurde sie zur stellvertretenden Bezirkssprecherin des Verbandes der Schriftsteller im Bergischen Land gewählt. „In Istanbul zum Tee“ ist ihr bisher vielleicht stärkstes Buch.                                                                      MATTHIAS DOHMEN

 

Angelika Zöllner, In Istanbul zum Tee, Berlin: Beggerow 2019, ISBN 978-3-936103-68-7, 193 S., Euro 12,80, www.beggerow-verlag.de und www.angelika-zoellner.de.

 

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