15.06.2012

Piraten: ‚Freie Fahrt‘ wichtiger als Kinder?

Damit der Verkehr auf der Berliner Straße schneller fließen kann, hat die Verwaltung den direkten Fußgängerüberweg über die B7 zur Hauptschule Hügelstraße gesperrt. Es stellt sich die Frage, ob die freie Fahrt wichtiger ist, als ein sicherer Schulweg.

Bekanntlich wurde im Rahmen der Schwebebahnbaustelle in Oberbarmen der Busbahnhof an das östliche Ende der Wagenhalle verlagert. Damit einher gingen Neuregelungen an der Kreuzung der Berliner Straße mit der Schwarzbach, unter anderem die Sperrung des östlichen Fußgängerüberwegs über die Berliner Straße. So weit, so schlecht, denn eben dieser liegt praktisch vor der Haustür der Hauptschule Oberbarmen in der Hügelstraße.

Das Backsteingebäude in der Bildmitte gehört zur Hauptschule Hügelstraße.

Die Schüler sollen nach den Vorstellungen der Verkehrsplaner nun – statt über nur einen Ampelüberweg zu ihren Bussen zu gelangen – einen Umweg über die westliche Querung der Berliner Straße machen. Das heißt letztlich, dass die Kinder zusätzlich noch die vielbefahrene Schwarzbach und die Fahrspuren der ausfahrenden Busse auf dem Berliner Platz überqueren müssen. Alles in allem also drei Ampelüberwege statt einem, mit allen Gefahren, die zusätzliche Straßenquerungen mit sich bringen – um vom Zeitfaktor gar nicht reden zu wollen. 

Der Umweg: Links außerhalb des Bildes über die Ausfahrt vom Berliner Platz, dann vor dem weißen LKW und dem Bus zur Litfaßsäule. Zuletzt vor dem blauen LKW her auf die andere Straßenseite.

Die Folgen wären abzusehen gewesen und sind am 11. Mai 2012 erstmals Realität geworden, als eine Elfjährige von einem Auto angefahren wurde. Errare humanum est (Irren ist menschlich) und in der Verwaltung arbeiten nun mal Menschen. Solange es keine Toten oder bleibenden Verletzungen gab, können Fehler aber immer auch korrigiert werden. Darum hat das Mitglied des Ausschuss für Verkehr des Rats der Stadt Wuppertal Herr Ralf Otto Jacob (FDP) einen Antrag eingebracht, die Sperrung der Fußgängerampel noch einmal zu überdenken.[1]  Ganz nach der im Tal unbestrittenen Schulwegsdevise: „Kurze Beine, kurze Wege!“ 

In der Ausschusssitzung am 13. Juni 2012, wurde der Antrag mit dem Aktenzeichen VO/0404/12 behandelt.[2]
Der Ausschussvorsitzende Herr Andreas Weigel (CDU) befragte den anwesenden Vertreter der zuständigen Verwaltung. Letzterer führte aus, daß eine der Vorgaben für die Baustellenplangung war, dass die vom Berliner Platz nach Osten abfahrenden – also rechtsabbiegenden – Busse nicht in die Grünphase der östlichen Fußgängerquerung hineinfahren sollten. Dazu ist anzumerken, dass dieser Umstand bislang Teil der normalen Ampelschaltung war und niemanden störte. Dieses Verfahren ist an zehntausenden von Ampeln in der ganzen Republik üblich, selbst die Rechtsabbieger aus der Schwarzbach werden in die Grünphase der Fußgänger auf der westlichen Querung hinein geschickt. Weiterhin wurde vom Verwaltungsvertreter ausgeführt, dass eine Grünphase für die östliche Querung im gesamten Ampelzyklus der Kreuzung so viel Zeit benötigen würde, dass der Verkehrsdurchsatz auf der B7 verringert würde. Dies mag zwar sein, bedeutet aber auch, daß aus Verwaltungssicht geringere Ampelwartezeiten für Autofahrer  wichtigere Rechtsgüter sind, als die Gefahrenminimierung für und körperliche Unversehrtheit von Kindern auf ihrem Schulweg. Die Ausschussmehrheit machte sich die Sicht der Verwaltung zu eigen und empfahl dem Antragsteller seinen Antrag zurück zu nehmen, bzw. ihn als erledigt zu betrachten. Herrn Jacob blieb nichts übrig, als sich resignierend der Empfehlung zu beugen. 

Der Ausschussmehrheit (und Ratsmehrheit) sei ins Stammbuch geschrieben: Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum. (Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch.) 

Es ist nicht die Art der Piratenpartei, Umstände zu monieren, wenn sie nicht eine Idee für eine möglicherweise bessere Lösung hat. Darum möchte die Piratenpartei in Wuppertal folgenden Vorschlag in die Diskussion einbringen: 

Sollte es für den Wuppertaler Autoverkehr wirklich unzumutbar sein, ein paar Sekunden länger zu warten, um den Kindern der Einwohner eine sichere Schulwegführung zu ermöglichen und darum die Sperrung einer Fußgängerquerung auf der Berliner Straße unvermeidlich sein, dann sollte erwogen werden die westliche Querung der Berliner Straße an der Kreuzung mit der Schwarzbach zu sperren. Denn ein paar Meter weiter, an der nordwestlichen Ecke des Berliner Platzes, gegenüber der Einmündung der Langobardenstraße, befindet sich eine Ampel, die von den aktuellen, abenteuerlichen Schaltexperimenten an der Kreuzung nicht betroffen ist. Fußgänger, die vom Bahnhof kommend (andere ‚Quellen‘ gibt es während der Bauphasen nicht) in die Quartiere westlich der Schwarzbach gelangen wollen, werden diese Ampel meist sowieso nutzen. Fußgängern mit Zielen östlich der Schwarzbach wäre die Querung der Berliner Straße an der Ampel östlich der Kreuzung zuzumuten, da es auch hier nicht zu wesentlichen Umwegen käme. 

Autor: Arnim v. Herff 

Kontakt zur Piratenpartei:

kontakt@piratenpartei-wuppertal.de , Telefon: Telefon 0202/ 26 14 99 33

Ergänzende Links zum Beitrag:
[1] http://www.wuppertal.de/rathaus/onlinedienste/ris/www/pdf/00142789.pdf
[2] http://www.wuppertal.de/rathaus/onlinedienste/ris/www/pdf/00142933.pdf

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