Politik
 |  | 3.5. | 

Das Nachleben des Nationalsozialismus in Wuppertal

03.05.2015 20:19

In der Nacht zum 11. April wurde in Wuppertal ein 53-jähriger Mann nahe dem Autonomen Zentrum (AZ) mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt.

Mittlerweile soll ein Hogesa-Nazi die Tat gestanden haben und zwei weitere Mittäter sollen auf freiem Fuß sein. Die Polizei hat sich bis heute hierzu nicht öffentlich geäußert.
Zum Messerangriff und dem Vorgehen der Polizei wurde auf der Internetseite der Wuppertaler Rundschau am 30. April 2015 der offene Brief der Opferberatung Rheinland – Beratung und Unterstützung für Betroffene rechtsextremer und rassistischer Gewalt und der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus NRW – Regierungsbezirk Düsseldorf an die Wuppertaler Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher abgedruckt. Darin kritisieren die beiden Initiativen die öffentliche Darstellung der Wuppertaler Polizei zum Überfall auf den Antifaschisten. Im offenen Brief heißt es u.a.
„Wir befürchten, dass im Zusammenhang mit der Tat eine Kriminalisierung der Hilfeleistenden im AZ und eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet. Auch mit Blick auf die schweren Ermittlungsdefizite bei der Aufklärung der rechten Gewalttaten vom 25.09.2011 (Vohwinkler Nachtflohmarkt) und vom 30.11.2010 (Filmvorführung Cinemaxx) appellieren wir an Sie, Ersthelfer_innen und Zeug_innen nicht als mögliche Täter_innen zu stigmatisieren und einen maximalen Opfer- und Zeugenschutz zu gewährleisten.“
Man kann der Opferberatung Rheinland danken, dass Sie diese Initiative ergriffen hat. Und man kann nur beschämt zur Kenntnis nehmen, dass in Wuppertal offensichtlich niemand daran denkt, das Verhalten der Polizei zu hinterfragen oder gar zu kritisieren. Die einzige Wuppertaler Tageszeitung Westdeutsche Zeitung (WZ) fungiert als Pressestelle der Wuppertaler Polizei und übernimmt unreflektiert und unkritisch deren Darstellung. Die kostenlose Wuppertaler Rundschau druckt zwar die Presseerklärungen des Autonomen Zentrums ab, wird ihrer journalistischen Arbeit jedoch nicht gerecht und hakt nicht nach.
Weder die Kirchen, noch die Parteien, noch die Gewerkschaften scheint es zu beunruhigen, dass in Wuppertal ein Mann auf offener Straße von Nazis abgestochen wird. Auf der Kundgebung des DGB am 1. Mai beschworen der Überbürgermeister Peter Jung und der DGB-Vorsitzende Guido Grüning zwar den Kampf gegen Rechts, aber die jungen Leuten aus dem Autonomen Zentrum, die mit einem Transparent auf den Mordversuch aufmerksam machten, wurden dennoch nicht eingeladen, öffentlich auf der Bühne zu sprechen.
Dass die Wuppertaler Polizei rechte Straftaten nicht energisch verfolgt, ist schon skandalös genug. Aber noch deprimierender sind das Schweigen, das Wegsehen, das Nicht-Hören und das Nicht-Wissen-Wollen der sogenannten Zivilgesellschaft. Wird doch überall gerne und vollmundig von den oben genannten Institutionen beschworen, sich „gegen rechtes Gedankengut“, gegen „fremdenfeindliche Parolen“ etc. als „Lehre aus der Vergangenheit“ einzusetzen. In Wuppertal jedenfalls geschieht dies nicht. Wieso nicht? Und inwiefern hat das Gestern mit dem Heute zu tun?
Theodor W. Adorno hat dies 1959 in seinem berühmten Vortrag „Was heißt Aufarbeitung der Vergangenheit“ so beschrieben: „Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie“. Das Verhalten der Wuppertaler Öffentlichkeit gehört zweifelsohne zum Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie. Daran ändern auch 70 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus, „Aufarbeitung der Geschichte“ und die vielbeschworene Formel „Hellwach gegen Rechts“ unserer Polizeipräsidentin nichts.

Dr. Sonja Grabowsky, Dr. Dieter Nelles


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1 Kommentar zu „Das Nachleben des Nationalsozialismus in Wuppertal“
  1. Gerechtigkeit sagt:

    Was für eine linksfaschistische Scheiße hier veröffentlicht wird! Die meisten Straftaten geht eben von diesen linken Punks aus, die Polizisten mit Steinen bewerfen, die Sanitäter an der Versorgung eines Opfers hindern! Diese linksfaschistische Lügenpropaganda muss endlich aufhören!
    Wieso veröffentlicht njuuz solch einen einseitigen Bericht, der nicht mal darstellt, dass die kranken, gestörten Punks vom AZ die Polizei und Rettungskräfte mit GEWALT an der Versorgung des Opfers gehindert hatte? Wieso wird links hier als Held gefeiert, während dieses asoziale Pack am 1. Mai Steine auf Polizisten wirft und Autos anzündet, während ein Aufschrei durch Deutschland geht, wenn 20 Rechte in Weimar einem SPD-Kandidaten das Mikrofon entreißen?
    Wieso wird nicht über den von einem Moslem ermordeten Juden in Berlin so intensiv berichtet, wie man es von einem leerstehenden Asylbewerbewerberheim im tiefsten Osten gewohnt ist?
    Wieso ist die linke Presse so verkommen und verlogen?

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