Vorrang für Fahrradstraßen oder für sicheren Radverkehr?

Gedanken über die Formulierung zur Drucksache „Fahrradstraße Ludgerweg“

Aktuelle Stellenangebote:

Foto:Auch Teil der tollen, „sicheren“ Nordbahntrasse: der Park+Rail-Parkplatz Vohwinkel.

Fahrradstraßen sind Verkehrsflächen, die grundsätzlich den Radfahrenden vorbehalten sind bzw. auf denen Radfahrende Vorrang haben. Dies schafft Sicherheit und Komfort und trägt dazu bei, das Fahrrad als attraktive Alternative zum Pkw zu nutzen. Um den Radverkehr zu fördern ist eine gute Radverkehrsinfrastruktur essentiell. Hierzu können Fahrradstraßen einen wichtigen Beitrag leisten.

So toll, so sicher, so kinderfreundlich liest sich der erste Absatz der Drucksache VO/0425/25/1-Neuf. [1], über den die Bezirksvertretung Vohwinkel heute zu entscheiden hatte. Denn grundsätzlich ist laut Straßenverkehrsordnung eine Fahrradstraßen grundsätzlich den Radfahrern vorbehalten, genau wie die Autobahn den Autos und die Fußgängerbereiche den Fußgängern.

Ein klitzekleines Detail trübt allerdings Wuppertals sogenannte „Fahrradstraßen“ erheblich: Denn natürlich sollte auch der Ludgerweg im Falle einer 71.000 Euro teuren Umbeschilderung „wir machen aus Tempo 30 mal eben Fahrradstadt“ jeglicher andere (Kraft-) Fahrzeugverkehr per Zusatzzeichen zugelassen werden. Die Verkehrsregeln sind dann per se nämlich dieselben wie in der Tempo-30-Zone.

Wenn Fahrradstraßen ausschließlich dann eingerichtet würden, wenn dadurch sowohl ein subjektiver, als auch objektiver Sicherheitsgewinn entsteht, könnte man betroffene Anwohner eher ins Boot holen. Denn deren Kinder könnten dann direkt vor der Haustüre das sichere Radfahren erlernen. Etwas, das in Wuppertal natürlich nicht funktioniert, wenn selbst Erwachsene sagen, sie führen lieber Auto, weil sie sich aus Angst um ihre Gesundheit mit dem Rad nicht auf Wuppertals Straßen trauen.

In den Niederlanden hätte man natürlich die Anbindung von Nordbahn- und Korkenziehertrasse kreuzungsfrei entlang der Bahnlinien geführt: vom Homanndamm per Brücke die Bahnlinie queren, Radweg südlich zwischen Bahnlinie und P+R-Parkplatz bis Obgruiten weiterführen und dort auf dem alten Bahndamm den Bogen nach Süden schwenken. Brücken stehen alle noch. Zu guter letzt unter der A 46 und L 357 durch, statt diese großartig umfahren oder mit Bettelampel queren zu müssen. Zumindest das Argument „ist kein Platz da“ zieht hier nicht.

Fußnoten

VO/0425/25/1-Neuf.: Einrichtung einer Fahrradstraße in einem Teilabschnitt der Straße Ludgerweg,
https://ris.wuppertal.de/vo0050.asp?__kvonr=34860

Anmelden

Aktuelle Stellenangebote:

Kommentare

  1. Susanne Zweig sagt:

    Der ADFC Wuppertal kritisiert die Ablehnung durch die BV lt. Radio Wuppertal als „Rückschritt für die Verkehrssicherheit und die Weiterentwicklung des Radverkehrs in Vohwinkel“.
    Schade, dass sogar die Radfahrervertretung hier auf Symbolpolitik setzt. Solange es auf Hauptverkehrsstraßen wie der Kaiserstraße oder Vohwinkeler Str. (aus verständlichen Gründen) keine separate Radverkehrsführung geben kann, sollte der ADFC Tempo-30-Zonen nicht als neue Gefahr ausmachen.
    Wer das Radfahren attraktiver machen will, muss zeigen, wie man sich souverän und regelkonform im ganzen Wuppertaler Stadtverkehr durchsetzt, anstatt die Wandung lokaler Glasglocken über Wohngebieten zu verstärken.

    1. N. Bernhardt sagt:

      Absolut korrekt. Der Ludgerweg ist Eisschlecken gegenüber der Fortsetzung der „Nordbahntrasse“ im Osten über den vielbefahrenen Akzenta- und P+R-Parkplatz oder über den komischen Feldweg im Westen, wo man absolut mittig fahren muß um bei dem nassen Laub nicht in den Graben abzurutschen. Aber leider ist das als Einzelschicksal mit „Sie müssen halt langsam fahren!“ nicht PR-fähig.

      Das Umfahren der Megaparkplatznordbahntrasse über die Nathrather Straße/Homanndamm ist aufgrund der dort vorherrschenden, oft aggressiven Kraftfahrerkrankheit „Ich muß vorbei“ leider auch kein Zuckerschlecken.

      @ADFC: Sicheres Hardtufer, anyone?

      1. Susanne Zweig sagt:

        Wie kommt man denn darauf, den P+R-Parkplatz über die Nathrather Str. zu umfahren? Die Strecke hat 2 Ampeln mehr, ist länger und genau so wenig autofrei.

        1. N. Bernhardt sagt:

          Die Fahrt über die Nathrather- ist zumindest streßfreier als über den P+R- bzw. Akzenta-Parkplatz zu fahren, wo einem neben Fußgängern auch Autos aus allen vier Richtungen um die und vor der Nase tanzen. Ich möchte ja fix von A nach B, da nimmt man ja auch die direkte Strecke über die Autobahn und fährt nicht über jeden Rastplatz.

          Zudem bietet sich von Mettmann/Osterholz kommend die Gruitener Straße an mit einer kleinen Rast beim Gut zur Linden mit Schokopudding oder Mettenden.

          1. Susanne Zweig sagt:

            Harte Text-Bild-Schere.

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert