Sieben Wochen ohne Härte

Widerstand gegen eine Kultur der Verhärtung leisten: Dazu will die diesjährige evangelische Fastenaktion "Sieben Wochen ohne" ermutigen, die am Aschermittwoch beginnt. Öffentlichkeitsreferentin Sabine Damaschke hat dafür eine Fastengruppe gegründet.


Widerstand gegen eine Kultur der Verhärtung leisten: Dazu will die diesjährige evangelische Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“ ermutigen, die am Aschermittwoch beginnt. Öffentlichkeitsreferentin Sabine Damaschke hat dafür eine Fastengruppe gegründet.

Fasten ist eine sehr persönliche Sache. Welchen Vorteil siehst du darin, es in einer Gruppe zu tun?

Sabine Damaschke: Über zwei Millionen Menschen beteiligen sich jedes Jahr an der evangelischen Fastenaktion, die sie mit Materialien und Fastenbriefen gut und umfassend begleitet. Doch sie ermutigt auch dazu, die Erfahrungen, die wir in den sieben Wochen machen, mit anderen zu teilen. Sieben Wochen bewusst auf etwas zu verzichten, das sich in meinen Alltag eingeschlichen hat, aber mir nicht guttut, ist gar nicht so einfach. Es motiviert und hilft, den Verzicht durchzuhalten, wenn ich Mitstreiter:innen habe.

Der Austausch über das Thema, das die Fastenaktion vorgibt, hilft mir, eine andere Sichtweise auf mich, meinen Glauben und meine Mitmenschen zu bekommen.

Viel wichtiger finde ich aber den Austausch über das Thema, das die Fastenaktion vorgibt und das mir hilft, eine andere Sichtweise zu bekommen – auf mich und meinen Glauben, aber auch auf meine Mitmenschen und die Gesellschaft. Insofern bietet die Fastenaktion für mich eine echte Chance auf Veränderung.

Diesmal heißt das Motto „Mit Gefühl – Sieben Wochen ohne Härte“. Warum hat dich das Thema angesprochen?

Sabine Damaschke: Zwar scheint unserer Gesellschaft heute viel offener für Emotionen zu sein als das in früheren Zeiten – insbesondere in der Kriegs- und Nachkriegszeit – der Fall war. Aber die Gefühle, die gezeigt werden, haben mit „Mitgefühl“ meistens wenig zu tun. In politischen Debatten und in den sozialen Medien erlebe ich eher eine Kultur der Verhärtung und Abwertung. Viele leben in ihrer „Bubble“ und versuchen gar nicht mehr, sich in andere Menschen, deren Sichtweisen und Lebenswelten hineinzuversetzen. Wenn Gefühle gezeigt werden, dann dominieren Wut und Ärger, Freude und Begeisterung. Aber über Traurigkeit, Angst oder Scham wird wenig gesprochen. Dabei gehören sie auch zu unserem Leben.

Über Gefühle zu reden, fällt vielen Menschen schwer. Kann das eine Fastengruppe nicht leicht überfordern?

Sabine Damaschke: Eine Fastengruppe ist keine Therapiegruppe! Niemand muss etwas von sich preisgeben, das er oder sie nicht erzählen möchte. Die Materialien der evangelischen Fastenaktion sind so gestaltet, dass die Gruppe in den sieben Wochen zu jeweils einem Thema mit einem biblischen Impuls ins Gespräch kommen kann, aber auch Raum gelassen wird, um persönliche Fragen alleine zu beantworten und eventuell auch nicht mit der Gruppe zu teilen.

Kein Zufall: Zum Thema „Gefühle“ wirbt die Fastenaktion auf den Materialien mit einem Mann.

Unter dem diesjährigen Motto „Mit Gefühl“ sind es die Themen Sehnsucht, Weite, Verletzlichkeit, Mitgefühl, Sanfte Töne sowie Furcht und große Freude. Beim letzten Thema geht es natürlich um die Ostergeschichte.

Wie viel Arbeit ist es, eine Fastengruppe zu gründen und zu leiten?

Sabine Damaschke: Die Materialien, die jedes Jahr von der Fastenaktion herausgegeben werden, sind eine gute Grundlage für die Fastengruppe. Sie enthalten Andachtsimpulse, Fragen fürs Gruppengespräch, aber auch Ideen für kreative Einheiten, in denen gebastelt, gemalt oder gesungen werden kann. Ich leite die Fastengruppe gemeinsam mit einer Freundin. Daher treffen wir uns zusätzlich zu den wöchentlichen Gruppenstunden noch, um sie gemeinsam vorzubereiten.

Ich kann nur alle, die es gerne mal versuchen möchten, ermutigen, eine Fastengruppe zu gründen!

Das haben wir schon im letzten Jahr so gemacht, nachdem ich mir vor zwei Jahren in der evangelischen Gemeinde Ronsdorf eine Gruppe angeschaut und von dort Anregungen mitgenommen hatte. Die Vorbereitung hat mir persönlich ganz viele wertvolle Impulse gegeben, denn meine Freundin und ich haben viel diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und voneinander gelernt. Ich kann daher nur alle, die es gerne mal versuchen möchten, ermutigen, eine Fastengruppe zu gründen!

Wie viele Teilnehmende braucht es denn dafür?

Sabine Damaschke: Wir hatten uns vorgenommen, mit mindestens fünf und maximal 12 Teilnehmenden zu starten. Doch das Thema „Luft holen – 7 Wochen ohne Panik“ schien kaum jemanden von den Aktiven in unserer Kirchengemeinde zu interessieren. Dann haben wir Menschen eingeladen, die wir aus anderen Zusammenhängen kennen – und plötzlich war die Gruppe voll. Wir hatten vertrauensvolle und inspirierende Gespräche mit vielen Anregungen, wie wir zu Ruhe kommen und Gottes Kraft für uns neu entdecken können. Einige Teilnehmende machen deshalb wieder mit, aber es kommen auch neue Leute dazu. Ich bin sehr gespannt auf die Gruppe und unser Thema.

Das Gespräch führte Thorsten Levin.
Fotos: Thorsten Levin/ Jodie Griggs / Getty Images

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