14.07.2026evangelisch wuppertal
Mit Kultur Hoffnung schenken
In der Ferienzeit ist es für Inhaftierte besonders schwer, hinter Gittern zu sein. In der JVA Wuppertal-Vohwinkel sorgen Ehrenamtliche der ökumenischen Gefängnisseelsorge mit einem Kultursommer für Freude und Abwechslung.

Hinter Gittern, wenn andere Urlaub machen: Die Ferienzeit ist für Inhaftierte besonders schwer. In der JVA Wuppertal-Vohwinkel sorgen Ehrenamtliche der ökumenischen Gefängnisseelsorge mit einem Kultursommer für Freude und Abwechslung.
Gospel und Rapp, Folk und Hillybilly, dazu ein Zauberkünstler und eine Märchenerzählerin: Für ihren Kultursommer 2026 haben sich die Ehrenamtlichen der ökumenischen Gefängnisseelsorge in der JVA Wuppertal-Vohwinkel ein abwechslungsreiches Programm überlegt. Vom 15. Juli bis zum 12. August sind die inhaftierten Männer eingeladen, an verschiedenen kulturellen Veranstaltungen in der Kirche der Justizvollzugsanstalt teilzunehmen.
Es ist bereits der zweite Kultursommer, den der evangelische Gefängnisseelsorger Stefan Richert mit einem Teil der rund 40 Ehrenamtlichen in der JVA organisiert. „Gerade im Sommer, wenn sich das Leben vieler Menschen draußen abspielt, ist es für Inhaftierte schwer, hinter Gittern zu sein“, weiß Stefan Richert. „Mit unseren Veranstaltungen bringen wir Abwechslung in ihren Alltag und führen viele zum ersten Mal überhaupt an Kultur heran.“
Großes Interesse am Kultursommer
Schon im letzten Jahr, als der Kultursommer zum ersten Mal stattfand, sei das Interesse an den Konzerten und der Zaubervorführung groß gewesen, berichtet der Seelsorger. Mit Fröhlichkeit und Nachdenklichkeit hätten die Männer auf die Veranstaltungen reagiert. „Für jeweils zwei Stunden konnten sie in eine andere Welt eintauchen und erleben, dass Kultur Spaß macht – und auch für ein Leben nach dem Knast eine gute Perspektive ist.“
Rund 280 inhaftierte Männer ab 20 Jahren leben derzeit in der JVA Wuppertal-Vohwinkel. Bis maximal fünf Jahre sind sie in Untersuchungs- und Kurzzeitstrafhaft. Daher gibt es für sie keine Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen oder eine Ausbildung zu absolvieren. Die Plätze in den Werkbetrieben sind begrenzt.
Kultur als Beitrag zur Resozialisierung
„Viele Männer verbringen den größten Teil ihres Alltags auf der Zelle. Sie leiden unter der Einsamkeit und wünschen sich Abwechslung“, beobachtet die Ehrenamtliche Anette Bösel-Fuchs. Sie besucht regelmäßig Inhaftierte, die sonst keinen Besuch bekommen und sich einen Austausch mit anderen Menschen jenseits des Gefängnisses wünschen. Andere Ehrenamtliche engagieren sich in Gesprächs-, Musik – und Spielgruppen für inhaftierte Männer.

Ehrenamtliche des Kultursommers 2025 in der JVA Wuppertal-Vohwinkel mit Zauberkünstler Pascal Thomas (Mitte)
„Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung“, betont Gefängnisseelsorger Stefan Richert. „Denn sie vermitteln den Inhaftierten eine andere, neue Lebensperspektive.“ Laut Richert setzen sich viele Gefangene damit auseinander, wie sie ihr Leben nach dem Knast anders und besser gestalten können. Auch dazu will der Kultursommer mit einem Wettbewerb einen Denkanstoß geben.
Wettbewerb zum Thema „Zuhause“
Im Anschluss an die Veranstaltungen können die Inhaftierten in Bildern, Collagen, Gedichten, Texten oder einer Performance ihre Überlegungen und Empfindungen zum Thema „Zuhause“ ausdrücken. Am 16. September werden die Arbeiten des Wettbewerbs präsentiert und prämiert. „Die Männer, die hier inhaftiert sind, kommen aus der ganzen Welt. Daher wird es sicher spannend zu erfahren, was sie mit dem Begriff Zuhause verbinden, wie sie sich ein Zuhause nach der Entlassung vorstellen und was sie dafür brauchen“, sagt Stefan Richert.
Bereits im Vorjahr war der Wettbewerb ebenso wie die Kulturveranstaltungen ein großer Erfolg. Rund 70 Beiträge zum Thema „Wenn ich einmal reich wäre…“ wurden eingereicht. „Viele Texte, Bilder und die fünf Performances waren sehr berührend und haben noch lange für Gesprächsstoff gesorgt“, erzählt der Seelsorger.
Kultursommer in der JVA Wuppertal-Vohwinkel
Mittwoch, 15. Juli, Konzert der Rapper KEGE
Mittwoch, 22. Juli, Gospelabend mit Chioma Igwe und Jens-Peter Enk
Mittwoch, 29. Juli, ein Abend mit der Märchenerzählerin Irene Stöber
Mittwoch, 5. August, Zaubershow mit Michael Horn
Mittwoch, 12. August, Konzert der Folkband „Moonshine Torpedos“
Die Veranstaltungen finden abends in der Kirche der JVA statt. Sie fasst 50 Plätze. Über 100 Inhaftierte haben sich bereits dafür angemeldet.
Text: Sabine Damaschke
Fotos: pixababy/Marko Lovric, BLB NRW, Stefan Richert
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