Mehr Armut, mehr Hilfe

Weil Wohnen immer teurer wird, helfen Kirche und Diakonie mit dem Beratungsangebot #wärmewinter. Es wird jetzt von den evangelischen Gemeinden mit 250.000 Euro weiter gefördert und um einen vierten Standort in Uellendahl erweitert.

Eric Stöcker (rechts) und Mitarbeiter Uwe Keller im Begegnungszentrum Wiki in Wichlinghausen.

Durch gestiegene Wohn- und Lebenshaltungskosten geraten in Wuppertal immer mehr Menschen in Armut. Seit drei Jahren helfen Kirche und Diakonie mit dem Beratungsangebot #wärmewinter. Es wird jetzt von den evangelischen Gemeinden mit 250.000 Euro weiter gefördert und um einen vierten Standort in Uellendahl erweitert.

Angesichts gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise in Folge des Ukrainekriegs hatten die evangelische Kirche und ihre Diakonie Anfang 2023 die Aktion #wärmewinter gestartet. Inzwischen ist sie zu einem nachhaltigen und notwendigen Hilfsangebot in Wuppertal geworden, wie Eric Stöcker betont, der bei der Diakonie Wuppertal – Kinder – Jugend – Familie GgmbH die sozialen Beratungen des Wärmewinters leitet. „Wohnen ist so teuer geworden, dass viele Menschen unsere Unterstützung dringend brauchen.“

Bisher gab es knapp 3.000 Beratungen im Rahmen der #wärmewinter-Aktion. An drei Standorten in Wichlinghausen, Elberfeld-Mitte und Vohwinkel stehen Fachleute der Diakonie bereit, um bei der oftmals komplizierten Beantragung staatlicher Mittel wie Wohngeld oder Kinderzuschlägen zu helfen. Da die Nachfrage nach Unterstützung so hoch ist, kommt nun ein vierter Standort im Begegnungszentrum OASE im Stadtteil Uellendahl hinzu.

Hohe Nachfrage nach Beratung

Wo die Bearbeitung der Anträge durch die Behörden länger dauert, werden Überbrückungsgelder für Strom- und Heizkosten aus einem Fonds des Kirchenkreises gezahlt oder diese im Härtefall auch übernommen. 250.000 Euro hatten die evangelischen Gemeinden dafür in den letzten drei Jahren bereitgestellt.

Die gleiche Summe geben sie jetzt für die kommenden zwei Jahre noch einmal in den Fonds. „Mit diesem Angebot setzen wir ein Zeichen: Es gilt Partei zu ergreifen für deutlich benachteiligte Menschen in unserer Gesellschaft. Das ist unseren Gemeinden auch in Zeiten wichtig, in denen sie an vielen Stellen sparen müssen“, betont Superintendentin Ilka Federschmidt.

Ausdruck gelebter christlicher Verantwortung

Die Aktion „Wärmewinter“ habe eindrucksvoll gezeigt, dass Kirche und Diakonie gemeinsam verlässlich, nah und wirksam helfen könnten, ergänzt Diakoniedirektorin Dr. Sabine Federmann. „Es ist ein Ausdruck gelebter christlicher Verantwortung und steht für die Solidarität mit den Menschen in unserer Stadt.“

Einfach zu verstehen: Eric Stöcker mit dem Formular, das für den Wärmwinter ausgefüllt werden muss.

Häufig entsteht der Kontakt zu den Beraterinnen und Beratern der Diakonie über die Kirchengemeinden, die bedürftige Menschen auf das Beratungsangebot aufmerksam machen. „Besonders oft kommen Alleinerziehende und Eltern mit niedrigem Einkommen in die Beratung, die keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder finden und deshalb nur in Teilzeit oder gar nicht arbeiten können“, erklärt Stöcker. Zunehmend sei aber auch die Zahl älterer Menschen mit einer niedrigen Rente. „Sie geraten in echte Not, wenn Strom- und Heizkosten steigen.“

Mehr Rentner:innen brauchen Hilfe

Angesichts der demografischen Entwicklung werden künftig noch mehr Rentner:innen in die Beratung kommen, fürchtet der Sozialarbeiter. Mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 11,2 Prozent und steigender Kinderarmut liegt Wuppertal über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig steigen die Mieten und die Strom- und Heizkosten – insbesondere dort, wo Häuser nicht gut gedämmt sind.

„Und genau in diesen Wohnungen leben viele Menschen, die zu uns kommen“, sagt Stöcker. „Oft wissen sie weder ein noch aus, wenn zusätzliche Kosten durch Nachzahlungen entstehen und schämen sich, dass sie in dieser prekären Situation sind.“

Überfordert mit Bürokratie und Digitalisierung

Mit dem Ausfüllen der immer komplizierteren Formulare für staatliche Unterstützung seien viele überfordert. Insbesondere, wenn dafür ein Computer nötig sei, den sich ein Großteil der betroffenen Menschen nicht leisten könne.

„Mich ärgert, dass ihnen in Politik und Medien zunehmend unterstellt wird, den Sozialstaat auszunutzen“, betont der Sozialarbeiter. „Aber wir haben es hier mit Menschen in Not zu tun, die ein Recht auf Unterstützung haben und dazu konnten wir vielen verhelfen und werden dies weiterhin tun.“


Beratungstermine sind nach telefonischer Anmeldung möglich unter Telefon: 0202/ 976 482 88 E-Mail:

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