„Ich denke gerne an Johannes Rau“

Mit der Gemarker Gemeinde fühlte sich der frühere Bundespräsident Johannes Rau Zeit seines Lebens verbunden. Sigrid Runkel hat ihn gut gekannt. Sie freut sich, dass die Gemeinde ihn jetzt mit einer Gedenktafel ehrt.

Sigrid Runkel in der Ausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung

Mit der Gemarker Gemeinde fühlte sich der frühere Bundespräsident Johannes Rau Zeit seines Lebens verbunden. Sigrid Runkel hat ihn gut gekannt. Sie freut sich, dass die Gemeinde ihn jetzt mit einer Gedenktafel ehrt.

Gerne zitiert Sigrid Runkel einen Satz, den Johannes Rau 1999 in einem Interview gesagt hat: „Ich komme aus Barmen-Gemarke, aus der Gemeinde, in der die Bekennende Kirche begründet worden ist. Das habe ich immer als ein Stück Heimat empfunden.“ Genauso sieht die 79-jährige frühere Presbyterin es auch. „Ich freue mich, dass ich mein Leben lang in einer Gemeinde aktiv sein konnte, die eine so widerständige Geschichte hat.“

Johannes Rau kennt sie bereits seit ihren Jugendtagen, denn sie traf ihn gelegentlich in der „Jungen Gemeinde Barmen-Gemarke“, einem Kreis von Jugendlichen, die engagiert über Kirche, Gesellschaft und Politik diskutierten. Auch im Erwachsenenkreis war der spätere Bundespräsident während seiner Zeit als Oberbürgermeister von Wuppertal, Wissenschaftsminister und NRW-Ministerpräsident immer wieder mal präsent.

Überzeugter Christ und Politiker

„Er blieb nicht nur unserer Gemeinde verbunden, sondern hat die Freundschaft mit uns über all die Jahre gepflegt“, erzählt Sigrid Runkel. Am 27. Januar 2006 verstarb Johannes Rau, der zugleich überzeugter Wuppertaler und Weltenbürger war. Zu seinem 20. Todestag erinnert nun in der Gemarker Kirche, die auch zur weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry gehört, eine Gedenktafel an den engagierten Christen und Politiker. Sie wird am Sonntag (25.01.) nach dem Gottesdienst um 11 Uhr im Beisein von Vertretern der jüdischen Gemeinde, des Freundeskreises Neue Synagoge und der Stadt enthüllt.

„Versöhnen statt Spalten“ war das Leitwort Johannes Raus, der als Zeitzeuge des Holocaust stets die besondere deutsche Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel und dem jüdischen Leben nach der Shoah betonte. Er bat öffentlich um Vergebung und durfte als erster deutscher Bundespräsident Gastredner in der Knesset sein – und das auch noch in deutscher Sprache.

Engagiert für den Bau der Neuen Synagoge

Daher sei der Bau der Bergischen Synagoge auf dem ehemaligen Grundstück der Gemeinde, direkt an der Gemarker Kirche, für ihn von großer Bedeutung gewesen, erinnert sich Sigrid Runkel. „Als 7-jähriger Junge hatte er die noch qualmenden Trümmer der angezündeten Synagoge durch die Nationalsozialisten in der Straße Zur Scheuren gesehen. Wo es ihm möglich war, hat er den Neubau der Bergischen Synagoge unterstützt und gefördert.“

Johannes Rau sprach oft frei in seinen Reden. Hier beim Sommerfest im Schloss Bellevue 2004

Zur Eröffnung lud er im Dezember 2002 als Bundespräsident seinen israelischen Amtskollegen Moshe Katsav ein. Es war das erste Mal in der Geschichte Israels, dass ein Staatspräsident an der Eröffnung einer Synagoge außerhalb des eigenen Landes teilnahm. „Nach den Feierlichkeiten in der Synagoge stand er plötzlich bei uns im Gebäude, um Katsav seine Kirche zu zeigen“, erzählt Sigrid Runkel. „Die ganzen Sicherheitsmaßnahmen haben ihn nicht davon abgehalten. Das war typisch für Johannes Rau.“

Für Menschenrechte mit viel Menschenkenntnis

Trotz all seiner vielen Verpflichtungen als Politiker habe er nie seine Heimat in Barmen-Gemarke vergessen, sondern immer Kontakt zu Mitgliedern seiner alten Kreise gehalten. „Er wusste immer unsere Namen und sogar die meiner Kinder“, erzählt Sigrid Runkel. „Er hatte einfach ein phänomenales Personengedächtnis.“

Diese Zugewandtheit, aber auch sein klares Bekenntnis zu Demokratie, Frieden, Menschenrechten und seinem Christsein hat Sigrid Runkel geschätzt. „Auch heute noch können wir von ihm viel lernen.“ Sie hofft, dass die Gedenktafel dazu beiträgt, die Erinnerung an ihn wachzuhalten und mit jungen Menschen über Johannes Rau und seine Werte ins Gespräch zu kommen.

Text: Sabine Damaschke
Fotos: Barbara Herfurth/Archiv Bundespräsidialamt/Thomas Köhler

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