Das Glockenwunder von Wuppertal

Wie durch ein Wunder überstanden die schönen Glocken der Elberfelder Christuskirche den Zweiten Weltkrieg. Sie ist unsere Kirche des Monats Februar.

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Ihre Glocken zählen zu den schönsten in Wuppertal. Wie durch ein Wunder blieben sie erhalten. Die Christuskirche in Elberfeld ist unsere Kirche des Monats Februar.

Fast stolze 20.000 Goldmark waren die Glocken wert, die am 5. Dezember 1901 erstmals zur Einweihung der Christuskirche in Elberfeld erklangen. Auf dem Gussbund der großen Glocke verewigten sich die Ältesten der Gemeinde mit ihren Namen. Die drei Glocken zählen zu den Schönsten in Deutschland.

„Sie sind ein Musikdenkmal erster Güte und mit denen der Kreuzkirche in Dresden vergleichbar“, zitiert Claus-Dieter Meier, Kirchmeister des in der Elberfelder Südstadt stehenden Gotteshauses, einen bekannten Glockensachverständigen. Dass die vierte Glocke, die Uhrglocke, schon damals fehlte, ist eine weitere für die Kirche typische Besonderheit.

Die Christuskirche ist nach Osten zur aufgehenden Ostersonne orientiert. Sie wurde in Kreuzform und im Stil der Neorenaissance aus weißem belgischem Kalkstein gebaut. Typisch für Kirchen dieser Zeit sei die Übereinander-Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel auf der Stirnseite der Kirche gewesen, erklärt Meier.

Kirchenruine aus Materialnot

Beim sogenannten Elberfelder Angriff in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1943 wurden die Christuskirche und ihre große Orgel mit den 41 Registern massiv beschädigt. Alte Südstädter könnten sich noch erinnern, meint Meier, dass Plünderer und Vandalen die Orgelpfeifen in der ganzen Südstadt verteilt hatten.

Das Dach der Kirche war teilweise abgedeckt, die Fenster zerstört, aber die Kirche hätte erhalten werden können. Sie ist nach dem Krieg zum Wiederaufbau der fast völlig zerstörten Südstadt freigegeben worden, und so machte die Materialnot nach dem Krieg sie zur Ruine. „Wer die alte Christuskirche noch kennt, trauert um diese großartige und schöne Kirche“, sagt der Kirchmeister, räumt aber ein: „Durch den mutigen Entschluss des Presbyteriums, sie zur Materialentnahme durch die Anwohner freizugeben, konnte die schwere Not der Südstädter Bevölkerung gelindert werden.“

Enttrümmerung mit Gottes Segen

1947 rief der damalige Pfarrer Bröcking mit dem Spruch aus Nehemiah 2,18 „So lasst uns auf sein zum Bauen. Und ihre Hände werden gestärkt zum Guten!“ zur Enttrümmerung auf. Am 1. Advent 1948 konnten schließlich ein behelfsmäßiger Kirchraum für 250 Personen innerhalb der Kirchenmauern sowie eine kleine Küsterwohnung eingeweiht werden.

Innenraum der heutigen Christuskirche mit Schuke-Orgel

Auch die Tage der schönen Bronzeglocken schienen nach dem Zweiten Weltkrieg gezählt. Sie sollten in Hamburg zur Rohstoffverwertung eingeschmolzen werden. Wie durch ein Wunder wurden sie jedoch verschont und zurück nach Wuppertal transportiert, wo sie in der durch den Bombenangriff auf Elberfeld vorwiegend am Dach zerstörten und wiederaufgebauten Christuskirche seit der zweiten Einweihung am 9. September 1956 nun wieder ihren Dienst tun.

Neuer Kirchenbau auf alten Räumen

Die neue Kirche wurde damals über die erhaltenen Räume gesetzt, so dass im Untergeschoß Gemeinderäume entstanden. Der Innenraum der neuen Christuskirche ist im Basilika-Stil gestaltet, der in den 50er Jahren modern war. Auch das Äußere der Kirche wurde verändert.

In den 60er Jahren sei dann der Turm baufällig geworden, berichtet Meier, so dass der Umgang weggefallen und die Öffnungen der Turmuhr vermauert worden seien. 1962 konnte eine neue dreimanualige Orgel der Firma Schuke aus Berlin mit 35 Registern eingeweiht werden. Inzwischen ist die Christuskirche mehrmals in den Gemeinderäumen umgebaut worden, auch die Orgel wurde restauriert.

Heutzutage sei die Christuskirche nicht nur ein beliebter Ort für Orgel-Konzerte und bekannt für ihr reichhaltiges Gemeindeleben, sondern ein „Eldorado für Whisky-Liebhaber“, erklärt Meier schmunzelnd. „Zwei- bis dreimal im Jahr finden hier Tastings statt, die Scotch-Whisky-Genießer aus der ganzen Region anziehen.“

Kirchenmusikkalender 2024

In 2024 erscheinen als Ergänzung zum Kalender „Evangelische Klangräume in Wuppertal“ Texte zu den jeweiligen Kirchen des Monats auf der Webseite des Referates Kirche, Kultur und Musik. Der Kalender kostet 15 Euro. Er kann unter

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