Bis zu 40 Grad und mehr möglich – Stadt Wuppertal schweigt zum Hitzeschutz in den städtischen Pflegeheimen

Bis zu 40 Grad und mehr könnten Wuppertal in den kommenden Tagen bevorstehen. Gerade für alte, kranke und pflegebedürftige Menschen kann die Hitze lebensgefährlich werden. Auf unsere Presseanfrage zum Hitzeschutz in den städtischen Pflegeheimen reagiert die Stadt bis heute nicht

Symbolfoto: Wuppertalaktuellnrw

Noch handelt es sich um Prognosen, die sich mit den nächsten Modellläufen verändern können. Doch selbst wenn die Extremwerte nicht überall erreicht werden, ist schon jetzt klar, dass die Belastung für ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen erheblich sein werden.

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Ausgerechnet jetzt bleibt eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wie schützt die Stadt Wuppertal die Bewohnerinnen und Bewohner der Alten- und Pflegeeinrichtungen vor extremer Hitze?

Bereits Ende Juni hatten wir über beunruhigende Schilderungen aus dem Helios Universitätsklinikum in Barmen sowie aus Wuppertaler Alten- und Pflegeeinrichtungen berichtet.

Angehörige berichteten uns von stark überhitzten Zimmern. Im Helios-Klinikum sollen zeitweise Raumtemperaturen von mehr als 40 Grad geherrscht haben. Fenster hätten sich teilweise nicht oder nur auf Kipp öffnen lassen. Ventilatoren, Klimageräte und andere Möglichkeiten zur Kühlung seien nach den Schilderungen nicht ausreichend vorhanden gewesen.

Auch aus den städtischen Alten- und Pflegeeinrichtungen erreichten uns Hinweise auf überhitzte Bewohnerzimmer sowie fehlende Ventilatoren und Klimageräte.

Helios Klinikum reagierte auf unsere Anfrage

Nach unserer ersten Berichterstattung richteten wir eine ausführliche Presseanfrage an das Helios Universitätsklinikum. Die Klinik antwortete innerhalb von drei Tagen.

Nach Angaben von Helios kommen in verschiedenen Bereichen des Klinikums Klimaanlagen zum Einsatz. Ergänzend würden je nach Bedarf Ventilatoren genutzt. Fensterverdunklungen, leichte Bettwäsche und Kühlakkus mit speziellen Auflagen sollen die Hitzebelastung verringern.

Orientierte Patientinnen und Patienten könnten ihre Fenster nachts öffnen. Besonders hitzeempfindliche oder schwer erkrankte Menschen würden bei Bedarf in kühlere Bereiche verlegt.

Die ausreichende Flüssigkeitsversorgung gehöre zur pflegerischen Grundversorgung. Bei Bedarf werde sie im Rahmen einer Flüssigkeitsbilanz überwacht. Medizinisch notwendige Infusionen seien ebenfalls möglich.

Wichtige Fragen blieben allerdings offen. Die Klinik erklärte nicht, ob die Temperaturen in sämtlichen Patientenzimmern regelmäßig gemessen und dokumentiert werden. Auch zu den konkret geschilderten Raumtemperaturen von mehr als 40 Grad nahm die Klinik nicht Stellung.

Ebenso blieb offen, wie viele Ventilatoren oder mobile Klimageräte tatsächlich vorhanden sind und ob damit alle betroffenen Stationen versorgt werden können.

Als zusätzliche Unterstützung für die Beschäftigten nannte Helios unter anderem eisgekühltes Zitronen- und Pfefferminzwasser sowie eine Einladung auf eine Kugel Eis. Eine nette Geste. Bei 40 Grad schmilzt das Eis allerdings vermutlich schneller als das Problem.

Stadt Wuppertal reagiert überhaupt nicht

Auch die Stadt Wuppertal wurde von uns schriftlich um eine Stellungnahme gebeten. Die betroffenen Alten- und Pflegeheime werden vom städtischen Eigenbetrieb Alten- und Altenpflegeheime Wuppertal, kurz APH, geführt.

Uns war bewusst, dass der Eigenbetrieb APH über eine eigene Verwaltung verfügt. Wir haben uns dennoch bewusst an die Stadt und das Büro der Oberbürgermeisterin gewandt. Schließlich geht es nicht nur um Abläufe in einzelnen Pflegeeinrichtungen, sondern um die grundsätzliche Frage, wie die Stadt Wuppertal besonders gefährdete Menschen während extremer Hitze schützt.

Wir wollten unter anderem wissen, ob verbindliche Hitze- und Notfallpläne für Alten- und Pflegeeinrichtungen des Eigenbetriebs APH  bestehen, ob die Temperaturen in Bewohnerzimmern regelmäßig gemessen werden und welche Kühlmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Außerdem fragten wir, wie sichergestellt wird, dass Menschen, die nicht selbstständig trinken können, ausreichend Flüssigkeit erhalten. Wir wollten wissen, ob besonders gefährdete Bewohnerinnen und Bewohner in kühlere Räume verlegt werden können und ob der Stadt bereits hitzebedingte Beschwerden oder medizinische Notfälle aus den Einrichtungen bekannt sind. Auch die Situation des Pflegepersonals war für uns von Interesse, wir fragten, wie die Beschäftigten unter den hohen Temperaturen arbeiten, ob ihnen ausreichend Getränke bereitgestellt werden und welche Maßnahmen zur Entlastung vorgesehen sind.

Die Presseanfrage wurde laut Lesebestätigung am 29.06.26 geöffnet. Eine Antwort erhielten wir bis heute nicht.

Nach einer Woche erinnerten wir schriftlich und setzten eine Frist bis zum 17. Juli 2026.  Auch diese Frist ließ die Stadt verstreichen. Bis heute liegt unserer Redaktion keine Stellungnahme vor.

Eigener Hitzeaktionsplan wirft zusätzliche Fragen auf

Besonders bemerkenswert ist das Schweigen der Stadt vor dem Hintergrund ihres eigenen Hitzeaktionsplans. Der noch unter Oberbürgermeister Uwe Schneidewind vorgestellte Plan verfolgt ausdrücklich das Ziel, besonders hitzegefährdete Menschen durch konkrete Maßnahmen zu schützen.

Darin heißt es außerdem, Betreuungs-, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in Wuppertal sollten auf den „Ernstfall“ vorbereitet werden. Für Alten- und Pflegeeinrichtungen wurden sogar spezielle Checklisten zur Entwicklung eigener Hitze-Notfallpläne vorgesehen. Genannt werden unter anderem die Bereitstellung von Getränken, kühle Aufenthaltsräume, angepasste Tagesabläufe und weitere organisatorische Schutzmaßnahmen.

Genau deshalb wollten wir wissen, ob diese Vorgaben in den Einrichtungen des städtischen Eigenbetriebs APH tatsächlich umgesetzt werden. Gibt es konkrete Notfallpläne? Werden Raumtemperaturen kontrolliert? Stehen ausreichend Getränke, Ventilatoren und kühlere Räume zur Verfügung?

Die Stadt hat sich diese Ziele selbst gesetzt. Umso unverständlicher ist es, dass sie nicht beantworten will, ob der eigene Hitzeaktionsplan in ihren Pflegeeinrichtungen mehr ist als ein gut gestaltetes PDF mit viel Sonne auf dem Titelblatt. https://www.wuppertal.de/microsite/hitzeportal/Hitzeaktionsplan___weitere_Informationen/Hitzeaktionsplan.php

Angesichts möglicher Temperaturen von annähernd oder sogar mehr als 40 Grad ist dieses Schweigen nicht mehr nur ärgerlich. Es ist fahrlässig wirkende Kommunikationsverweigerung bei einem Thema, das besonders gefährdete Menschen betrifft.

Schon bei deutlich niedrigeren Außentemperaturen können sich schlecht gekühlte Zimmer über Tage massiv aufheizen. Gebäude speichern die Wärme, nachts findet kaum noch Abkühlung statt. Für hochbetagte, pflegebedürftige oder schwer erkrankte Menschen kann dies schnell zu einer ernsthaften gesundheitlichen Gefahr werden.

Viele Bewohnerinnen und Bewohner können sich nicht selbst mit Getränken versorgen. Sie können ihre Zimmer nicht eigenständig verdunkeln, keinen Ventilator organisieren und nicht ohne Hilfe in einen kühleren Raum wechseln.

Sie sind darauf angewiesen, dass Betreiber, Pflegepersonal und die zuständigen Stellen rechtzeitig vorbereitet sind.

Die Stadt hatte die Bevölkerung während der vergangenen Hitze selbst dazu aufgerufen, besonders auf ältere, kranke und alleinstehende Menschen zu achten.

Dieser Appell ist richtig. Er verliert jedoch erheblich an Glaubwürdigkeit, wenn die Stadt nicht einmal bereit ist zu erklären, welche konkreten Schutzmaßnahmen in den Einrichtungen bestehen und ob diese vor der bevorstehenden Hitzewelle überprüft wurden.

Wer von Bürgerinnen und Bürgern Verantwortung verlangt, muss auch Auskunft über die eigene Verantwortung geben. Es geht nicht um ein paar unangenehm warme Sommertage. Es geht um Menschen, die sich nicht selbst helfen können.

Die extreme Hitze ist möglicherweise nur noch wenige Tage entfernt. Die Antwort der Stadt offenbar irgendwo im ewigen Verwaltungswinter. (C.O)

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