13.03.2026evangelisch wuppertal
Adieu mit Dankbarkeit
Ilka Federschmidt verabschiedet sich als Superintendentin. Im Interview spricht sie über schlaflose Nächte in der Kita-Krise, den Mut der Gemeinden in Veränderungsprozessen und ihre Hoffnung für Kirche und Stadt.

Ilka Federschmidt verabschiedet sich als Superintendentin. Im Interview spricht sie über schlaflose Nächte in der Kita-Krise, den Mut der Gemeinden in Veränderungsprozessen und ihre Hoffnung für Kirche und Stadt.
Seit 15 Jahren blicken Sie aus Ihrem Büro auf die große CityKirche, die gerade renoviert wird. Welche Beziehung haben Sie zu dieser Kirche?
Ilka Federschmidt: Sie ist eines meiner Herzensanliegen. Schon als stellvertretende Superintendentin gehörte die Begleitung der CityKirchenarbeit in der ältesten evangelischen Kirche in Wuppertal zu meinem Aufgabenbereich. Es ist mit viel Einsatz, Versuch und Irrtum gelungen, aus dieser Kirche einen zentralen Ort in der Innenstadt zu machen, in dem spirituelle und theologische Themen mit Kultur, Politik und Gesellschaft zusammengebracht werden und ein Raum der Begegnung für alle Menschen entsteht.
Jetzt ist dieses Konzept aufgegangen mit den vielen Veranstaltungen, Gottesdiensten und dem Weltcafé, das zum integralen Bestandteil der CityKirche geworden ist. Von meinem Büro blicke ich gerade auf eine eingerüstete CityKirche: Wir investieren viel in die Sanierung des Turms und der Fassaden, weil die Kirche ein wichtiger Ort mit Zukunft ist, auch in der vorgesehenen Stadtentwicklung. Eine Unterstützung der Stadt in der Fördermittelakquise wäre mein Wunsch.
Was war in Ihrer Amtszeit die größte Herausforderung – und was hat sie mit Ihnen persönlich gemacht?
Federschmidt: Die größte kritische Herausforderung, die mir teilweise schlaflose Nächte bereitet hat, war die Krise des Evangelischen Kindertagesstättenvereins zu Beginn meiner Amtszeit 2012/2013. Aufgrund der chronischen Unterfinanzierung durch staatliche Mittel drohte die Schließung mehrerer Kitas. Ich bin bis heute dankbar, dass es gelungen ist, alle Kitas in die größeren Strukturen der Diakonie zu übergeben, damit die wertvolle Arbeit für Kinder und ihre Familien weitergehen konnte.
Eine große Herausforderung war die Coronazeit, in der wir viel darüber diskutiert haben, ob wir Kirchen schließen oder offenhalten sollten.
Eine andere große Herausforderung war die Coronazeit, in der unsere Gemeinden ihre Angebote weitgehend auf digitale Formate umstellen mussten. Wir haben viel darüber diskutiert, ob wir Kirchen schließen oder offenhalten sollten. Ich bin froh, dass wir hier im Kirchenkreis über den strittigen Fragen den Zusammenhalt wahren konnten. Aber manchmal hätten wir mutiger sein können, etwa als es um die Seelsorge in den Krankenhäusern und Seniorenheimen ging.
Gab es einen Moment, in dem Sie dachten: „Dafür hat sich alles gelohnt“?
Federschmidt: Ein echtes Highlight war es für mich, als unser Kirchenparlament, die Synode, einmütig beschlossen hat, dass unsere damals 18 Gemeinden sich bis zum Jahr 2030 zu sechs Kooperationsräumen zusammentun. Wir sprechen bewusst von „Weggemeinschaften“, weil die Gemeinden sich gemeinsam auf dem Weg gemacht haben, nicht nur strukturell, sondern vor allem auch geistlich zusammenzuwirken und gemeinsam der „Stadt Bestes“ zu suchen. Bei diesem Prozess geht es auch darum, wie die deutlich geringeren Pfarrstellen im Jahr 2030 verteilt werden.
In meiner Zeit als Superintendentin konnte ich oft die Erfahrung machen, dass Gemeinschaft trägt – mit all den Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe.
Die Mühe, die unser Leitungsgremium des Kreissynodalvorstandes (KSV) und alle Beteiligten in dieses große und herausfordernde Projekt investiert haben, hat sich wirklich gelohnt. Es entsteht neuer Mut und es keimen neue Ideen auf, etwa für diakonische und geistliche Projekte, die das gemeinsame Handeln im Quartier stärken können und sich öffnen für Christ:innen internationaler Herkunft.
Wie hat dieses Amt Ihren eigenen Glauben verändert?
Federschmidt: Ab und zu kommt man an einen Punkt, an dem man fürchtet, dass einem der Atem für die Herausforderungen ausgeht. Da kommt dann auch dieses Urvertrauen, dass Jesus Christus gegenwärtig ist und seine Kirche baut, schon mal ins Wanken. Aber genau dann habe ich immer wieder erlebt, dass uns miteinander neue Kraft, Motivation und Inspiration „von oben“ geschenkt wurde. In meiner Zeit als Superintendentin konnte ich oft die Erfahrung machen, dass Gemeinschaft trägt – mit all den Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Ich stand nie alleine da. Das hat meinen Glauben gestärkt und Hoffnung gemacht.
Was wünschen Sie sich für das Verhältnis von Kirche und Stadtgesellschaft in Wuppertal?
Federschmidt: Wuppertal ist eine offene Stadt. Ich wünsche mir, dass christliches und anderes religiöses Leben weiterhin als wichtiger Teil des öffentlichen Lebens unserer Stadtgesellschaft geschätzt wird. Denn der Dialog der „Religionsgemeinschaften guten Willens“ trägt zum Frieden in dieser Stadt bei.
Unsere Kirche lebt davon, dass Menschen sie mitgestalten, und das kann auch ein Modell für demokratisches Handeln in einer Zeit sein, in der Demokratie immer stärker in Frage gestellt wird.
Außerdem lebt unsere Kirche davon, dass Menschen sie mitgestalten, und das kann auch ein Modell für demokratisches Handeln in einer Zeit sein, in der Demokratie immer stärker in Frage gestellt wird. Deshalb ist mir die Weiterentwicklung des Lern- und Gedenkortes Kemna auf dem Gelände des früheren Bergischen Konzentrationslager so wichtig. Die Zeit, als es 1933 und 1934 bestand, führt uns klar vor Augen, wie schnell eine Demokratie zerstört werden kann und dass wir alles dafür tun müssen, damit es nicht noch einmal geschieht. Es ist wunderbar, dass die drei bergischen Städte den Gedenkort mittragen.
Was wird Ihnen fehlen – und was ganz sicher nicht?
Federschmidt: Was ich sicher nicht vermissen werde, ist das Ringen um „leichtes Gepäck“ im kirchlichen Rechts- und Verwaltungswesen. Da dürfen jetzt andere weiter machen. Aber die Menschen, mit denen ich hier über so viele Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, werden mir ganz gewiss fehlen. Ich bin dankbar für meine Zeit als Pfarrerin und Superintendentin, und ich werde ja auch in meinem Ruhestand weiter für meine Kirche erreichbar sein. Das lasse ich gelassen auf mich zukommen.
Das Gespräch führte Sabine Damaschke.
Foto: Sabine Damaschke
Weiter mit:
Kommentare
Neuen Kommentar verfassen