30.09.2026evangelisch wuppertal
100 Jahre Hauptkirche Sonnborn
In Sonnborn grüßt sie die Fahrgäste der Schwebebahn: Seit 100 Jahren steht die Hauptkirche mächtig wie eine Burg neben der weltberühmten Bahn. Die Gemeinde feiert das Jubiläum jetzt mit Festkonzert und Festgottesdienst.

In Sonnborn grüßt sie die Fahrgäste der Schwebebahn: Seit 100 Jahren steht die Hauptkirche mächtig wie eine Burg neben der weltberühmten Bahn. Die Gemeinde feiert das Jubiläum jetzt mit Festkonzert und Festgottesdienst (03./04.10.).
Das massive Kirchengebäude aus bergischem Bruchstein wirkt auf den ersten Blick wie eine Burg. Verantwortlich dafür ist sicher auch der wuchtige Turm. Doch genau dem fehlte noch ein wichtiges Detail, als die Sonnborner Hauptkirche am 3. Oktober 1926 feierlich eingeweiht wurde. Er hatte kein Dach, denn das wäre zu teuer gewesen. „Und dann haben sich alle Gemeindeglieder so daran gewöhnt, dass es einen Sturm der Entrüstung gab, als wir 1995 ankündigten, endlich genug Geld für ein Zwiebeldach zu haben“, erinnert sich Frank Römpke. Was nur als Aprilscherz gedacht war, löste Emotionen aus, mit denen der pensionierte Bankangestellte, der 48 Jahre lang Presbyter der Gemeinde war, nicht gerechnet hatte.
Doch der Turm bietet auf seinem Flachdach einen wunderbaren Blick über das Tal, auf den viele Sonnborner nicht verzichten wollten. Die Turmführungen, die die Gemeinde seit vielen Jahren regelmäßig anbietet, sind äußerst beliebt. Erst recht im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Sonnborner Hauptkirche. Schon seit Beginn des Jahres feiert die Gemeinde das runde Jubiläum mit verschiedenen Veranstaltungen (s. Programm zum Download). Den Höhepunkt bilden ein Festkonzert und Festgottesdienst am kommenden Wochenende.
Festwochenende 100 Jahre Hauptkirche
Am Samstag (03.10.) lädt die Gemeinde Sonnborn um 18 Uhr zu einem Festkonzert mit der Wuppertaler Kurrende, Blechbläsern des Instrumentalvereins und Kreiskantor Jens-Peter Enk an der Orgel in die Sonnborner Hauptkirche (Sonnborner Str. 56) ein. Der Eintritt ist frei.
Am Sonntagmorgen (04.10.) findet um 10.15 Uhr ein Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest statt. Mit dabei sind Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Superintendent Dr. Jochen Denker.
Besonders freut sich Pfarrer Gernold Sommer darüber, dass der Geburtstag der Kirche mit dem Erntedankfest zusammenfällt. An einem Tag, an dem daran erinnert wird, welche Gaben die Menschen von Gott erhalten haben, werden die 100 Jahre der Kirche für ihn ganz oben auf der Liste stehen.
Bildergalerie: Frank Römpke und Gernold Sommer (v.l.) führen durch die Hauptkirche: Turmuhr, Glocken, Kanzel und Kirchraum mit Spielbereich.
Gernold Sommer und Frank Römpke sind sichtlich stolz auf die Hauptkirche, deren alte Bronzeglocken sogar aus den Jahren 1453 und 1458 stammen. Sie erklangen schon im Gotteshaus, das zuvor an der Stelle der heutigen Hauptkirche stand und 1917 komplett ausbrannte.
Das Wunder der Glocken
Um die Glocken rankt sich eine abenteuerliche Geschichte, wie Pfarrer Gernold Sommer berichtet. Bevor das Feuer 1917 ausbrach, waren sie abgehängt worden, um für die Rüstungsindustrie im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen zu werden. Sie standen zur Abholung bereit, wurden aber aufgrund des baldigen Kriegsendes nicht mehr abtransportiert.
„Im Zweiten Weltkrieg drohte ihnen das gleiche Schicksal. Sie standen schon am Steinbecker Bahnhof, verschwanden aber von dort und tauchten nach dem Krieg plötzlich wieder auf. Wer sie für die Kirche gerettet hat, ist nicht bekannt.“
Mehr als ein Gebäude
Zum 100-jährigen Bestehen erscheint auch eine neue Festschrift über die Hauptkirche Sonnborn. Verfasst wurde sie von dem renommierten Kulturjournalisten Werner Wittersheim, der zugleich Vorsitzender des Stiftungsbeirats der Kurrende-Stiftung ist. Mit dem ehrwürdigen Datum verbindet Pfarrer Gernold Sommer vor allem einen Wunsch: Die Hauptkirche Sonnborn soll ihrer Gemeinde noch viele Gottesdienste schenken, die in die Herzen der Menschen Einzug halten.
Denn für viele Gemeindemitglieder ist die Kirche mehr als ein historisches Gebäude. Sie gehört zur eigenen Familiengeschichte. Hier werden Menschen getauft, hier wird geheiratet und hier nehmen Angehörige Abschied von ihren Verstorbenen. „100 Jahre Hauptkirche Sonnborn sind zugleich auch 100 Jahre gelebtes Gemeindeleben und persönliche Erinnerungen“, betont Gerold Sommer.
Text und Fotos: Sabine Damaschke
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