So viel Grieg war noch nie
Muss der Mann ein Archiv haben: 600 Gramm schwer ist das Kompendium „Ein Norweger in Münster. Drei Jahrzehnte Festivals und Forschung für Edvard Grieg an der Universität Münster“. Autor ist – wer könnte es anders sein – der Barmer Prof. Dr. phil. Joachim Dorfmüller.

Mit dem Buch legt er, fasst es der Verlag zusammen, „eine lückenlose, tiefgründige und sehr persönliche Dokumentation“ vor, „die drei Jahrzehnte intensiver Grieg-Forschung, hochkarätiger Festivals und lebendiger Musikvermittlung“ umfasst, die Münster zu einem zentralen Ort der weltweiten Landkarte der skandinavischen Musikwissenschaft gemacht haben.
Die Publiktion sei weit mehr als eine Chronik – sie ist das bleibende Vermächtnis einer Epoche und setzt nach der offiziellen Auflösung der Edvard-Grieg-Gesellschaft im Jahr 2025 einen würdigen, fulminanten Schlusspunkt.
Den Leser erwartet die komplette Chronik: Eine detaillierte Aufarbeitung von fast 33 Jahren Festivalgeschichte (1993 bis 2025) und von 30 Jahren Vereinsarbeit, Einblicke in die Arbeit der (aufgelösten) Edvard-Grieg-Forschungsstelle an der Uni Münster und das akademische Erbe rund um das Werk des Komponisten und die skandinavische Musik.
Das Buch, das mit einer schier zahllosen Zahl von Fotos aufwartet, beinhaltet persönliche Anekdoten und berührende biographische Notizen des Autors – von seinen ersten musikalischen Begegnungen mit Griegs „An den Frühling“ vor 75 Jahren bis hin zu den engen, teilweise familiären Verflechtungen mit Norwegen. Geboten werden darüber hinaus Einblicke hinter die Kulissen einer fruchtbaren Kooperation von Grieg-Gesellschaft, Universität, internationalen Gästen von Japan bis Nordeuropa, treuen Förderern und der Kunststiftung NRW, die auch die Herausgabe der Publikation unterstützt hat.
Die Bilanz spricht für sich: Auf 183 Festivalkonzerten stand das Werk von Edvard Grieg im Fokus, ergänzt durch Kompositionen von 30 weiteren norwegischen Landsleuten und 18 exklusiven Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten. Vier deutsche Edvard-Grieg-Kongresse ziehen am Auge des Lesers vorüber. Vorgestellt werden 25 eingespielte CDs mit insgesamt 140 Werken Griegs in originaler Instrumentierung und feinen Bearbeitungen.
Nein, so viel Grieg war noch nie. Und so warten die Fachwelt und Freunde des Orgelenthusiasten auf die – in dem besprochenen Band auf S. 307 angekündigte – Autobiographie Dorfmüllers. M. D.
Joachim Dorfmüller, Ein Norweger in Münster. Drei Jahrzehnte Festivals und Forschung für Edvard Grieg an der Universität Münster – Eine Dokumentation mit Edvard-Grieg-CD „An den Frühling“, Hamburg: Hildegard Junker 2026. ISBN 978-3-937628-35-6, 307 S., 19,80 Euro, www.junker-verlag.com, https://www.uni-muenster.de/Musikpaedagogik/institut/personen/ehemalige/dorfmueller.shtml.
Weiter mit:
Kommentare
Neuen Kommentar verfassen