06.03.2023

FAS

Dohmens unregelmäßig erscheinende Lesefrüchte III

Heute die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" vom 5.3.2023

Gauland und Elsässer überbieten sich im Lob für Wagenknecht. Jürgen E., Chef von „Compact“, „schwärmt: ‚Sarah Wagenknecht ist die nationalste Versuchung, seit es Sozialismus gibt‘“. Absatz. „Wagenknecht findet das alles ‚widerwärtig‘, wie sie der FAS sagt. Sie fühlt sich von Elsässer regelrecht ‚gestalkt‘, kann aber nicht leugnen, dass es stimmt, wenn Elsässer von ‚inhaltlichen Schnittmengen‘ in der ‚Klima-, Gender-, Corona- und Russlandpolitik sowie bei der Förderung von Industrie und Mittelstand‘ spricht“. „Heute ist die AfD im Osten dort stark, wo früher die Linkspartei ihre Hochburgen hatte. Sie ist eine Partei der einfachen Leute geworden, der Arbeiterklasse.“ Armin-Paul Hampe, Ex-„Sozialpolitiker“ der AfD, an den ich mich von Kohls letztem Besuch im sozialistischen Polen erinnere – ein Widerling. Neue Töne auf diesem Feld dann, seit Günther Lachmann „Kommunikationsberater von Björn Höcke wurde“. Der Ex-„Welt“-Journalist startete einen Testballon: Stephan Brandner und Jürgen Pohl „kandidierten mit sozialpolitischen Themen für den Bundestag und nannten sich ‚Volksanwälte‘. Besonders Pohls Auftritt brachte viel Aufmerksamkeit, weil er nicht nur sprach, als wäre er von einer Gewerkschaft, sondern sogar eine gründete: den ‚Alternativen Arbeitnehmerverband Mitteldeutschland‘. Kurz ‚Alarm‘“. „Bei national gesinnten Arbeitern bleibt der Eindruck, von zwei Lagern vertreten zu werden, den ganz Linken und den ganz Rechten. Wenn zwei um die gleichen Leute werben, findet Chrupalla es normal, dass sie einander ähnlich werden. Er nennt Union und SPD als Beispiel, die werben um die Mitte der Gesellschaft, also sind ihre Programme ähnlich. Sie koalieren aber auch miteinander.“ In der Neuen Rechten „gibt es einen jungen Autor namens Benedikt Kaiser, auf den sich viele beziehen, weil er ein Buch namens ‚Querfront‘ geschrieben hat und ein anderes namens ‚Solidarischer Patriotismus‘. Kaiser ist rechtsextrem und kapitalismuskritisch“ (Justus Bender, „Wer hat das Hufeisen verbogen? – Nicht nur in der Russlandfrage, auch beim Klima, Gendern und Asyl ähneln sich ganz Rechte und ganz Linke. Das ist kein Zufall“, FAS, Nr. 9, S. 2). b) „Nach 1990 ist der Osten voller Freude und voller Erwartungen auf den Westen zugegangen, ist aber im Wesentlichen abgeblitzt. Das ist, glaube ich, die Grunderfahrung. Der Schriftsteller Ingo Schulze spricht von der ‚abgewiesenen Braut‘. Der Westen hat den Osten als das Defizitäre wahrgenommen, das Zurückgebliebene, als etwas, das erzogen werden muss. Das hat sich nie geändert.“ Geschlossene Netzwerke bis heute: „Es war klar, dass die westdeutschen Professoren – es waren fast ausschließlich Männer -, die in den Osten gingen, fast durchweg ihren wissenschaftlichen Nachwuchs mitbrachten. Aber das hat sich verstetigt“, so dass bis heute „nur etwa 1,7 Prozent der Spitzenpositionen an Universitäten mit Leuten aus dem Osten besetzt“ sind: „Das ist ein großes Problem, das auch weitere Felder der Gesellschaft betrifft.“ „Seit über 30 Jahren wird der Osten diffamiert, verhöhnt, belächelt, abgewertet, ausgeschlossen“ – angesichts der Vorstellung, „dass der Osten zurückgeblieben ist, erst mal sozialisiert und kultiviert werden muss“. Ostquote „ja“. Und die AfD „war eine Westgründung und ist in der Führungsriege mit einer Ausnahme komplett westdeutsch besetzt“. Parteien: „Manche haben vom Osten überhaupt keine Ahnung, etwa die Grünen oder die FDP“ („‚Der Westen hat den Osten als das Defizitäre wahrgenommen, das Zurückgebliebene, als etwas, das erzogen werden muss. Das hat sich nie geändert‘ – Der Leipziger Professor Dirk Oschmann klagt an: Dreißig Jahre nach der Wende spielen sich die Westdeutschen immer noch als die besseren Menschen auf. Und erfinden Ostdeutsche, die es gar nicht gibt“, S. 5[1]. c) „In der georgischen Hauptstadt Tiflis ist der Diktator überall präsent“ (BU), auch wenn die Offiziellen „schließlich das Stalin-Denkmal auf dem zentralen Platz vor dem Rathaus von Gori in einer Nacht im Juni 2010 ohne jede Vorankündigung von seinem Sockel“ holten (Reinhard Veser, „Stalin, der Untote. Siebzig Jahre nach Stalins Tod sehen manche Georgier den Diktator als Nationalhelden. Andere sagen: Wir müssen uns von ihm befreien“, S. 6). d) „In den besetzten palästinensischen Gebieten war es schon vorher unruhig. Seit dem Amtsantritt der neuen Regierung brodelt es aber noch mehr. Die Siedler fühlen sich ermächtigt. Denn die Ideologie, die Smotrich und andere verbreiten, lässt sich so zusammenfassen: Juden haben den göttlichen Auftrag, im ganzen Eretz Israel zu siedeln, dem historischen ‚Land Israel‘. So beginnen die Leitlinien der Regierung mit dem Satz: ‚Das jüdische Volk hat ein exklusives und unbestreitbares Recht auf alle Gebiete des Landes Israel.‘ Damit ist alles vom Mittelmeer bis (mindestens) zum Jordan gemeint – auch das Westjordanland, das in Israel meist mit dem biblischen Namen ‚Judäa und Samaria‘ genannt wird.“ „Praktisch jeden Tag gibt es Berichte über Siedler, die im Westjordanland Felder abbrennen, Bauern attackieren, Autos mit Steinen bewerfen oder Schüsse abfeuern. Offiziell heißt die Regierung so etwas nicht gut. In der Praxis lassen die Soldaten die Siedler aber oft gewähren, wenn sie ihnen nicht sogar Schützenhilfe leisten.“ „Das Pogrom von Huwara wird in die Annalen des Nahostkonflikts eingehen.“ Die USA haben die Gewalt „inzwischen in bemerkenswerter Schärfe verurteilt. Deutschland hat offene Kritik dagegen zu lange vermieden. Wenn der Bundesregierung an der Sicherheit Israels gelegen ist, sollte sie gegen die zerstörerischen Kräfte auf allen Seiten Stellung beziehen“ (Christian Meier, „Brandstifter an Israels Pulverfässern“, Leitartikel, S. 8). e) Auch Russland muss eine Waffenruhe respektieren. „Zu diesem Zustand gibt es zwei Wege. Der erste wäre schrecklich: Russland müsste im Felde eine so verlustreiche Niederlage erleiden, dass es danach niemanden mehr angreifen könnte. Dieses Szenario würden allerdings Hunderttausende Leben kosten. Es würde Russland außerdem so tief erschüttern, dass Putin stürzen könnte. Dann würde tatsächlich ein Atomkrieg drohen. Deshalb darf es so weit nicht kommen“ (Konrad Schuller, „Garantien für Kiew“, ebenda). f) „Man werde im Buchhändlerkeller in Charlottenburg, noch so eine Institution der Berliner 68er, eine Edition der gesammelten Kujau-Hitler-Tagebücher vorstellen“, kommentiert von Heike B. Görtemaker und Hajo Funke (Tobias Rüther, „Die Hitler-Konjunktur – Wenn Fälschungen zu Quellen werden: Kujaus Tagebücher Adolf Hitlers erscheinen neu“, S. 33). g) Kurzvorstellung des bei arte gezeigten Films „Kanonenboot am Yangtse-Kiang[2]“, wegen der man die FAZ/FAS-Filmkritiker, auch wenn im gegebenen Fall namenlos, lieben muss: „Der Film spielt im chinesischen Bürgerkrieg der Zwanzigerjahre, doch als Robert Wise ihn 1966 drehte, lag es nahe, schon an Vietnam zu denken und sich zu fragen, wie Steve McQueen im Film, was die Amerikaner in Fernost zu suchen haben“ (S. 40). h) Für mich only a fake as „Des Kaisers neue Kleider“: „‚Die Kryptowelt ist ein bisschen verrückt‘ – Vitalik Buterin ist Gründer der zweitgrößten Kryptowährung Ethereum. Hier spricht er über gewaltige Kursverluste, die Klimabilanz digitalen Geldes und das Leben ohne festen Wohnsitz“ (S. 27). i) Man kann eine „Urne auch als Verwandter zum Grab tragen, aber ablassen muss sie jemand, der befugt ist“. Särge tragen in „erster Linie Senioren, aber auch Studenten“. Denken Sie bei Ihrer Arbeit nicht ständig über den Tod nach? „Nein, aber ich habe einen anderen Bezug zum Tod gewonnen. Diese Angst, diese Reserviertheit habe ich nicht mehr. Du siehst, es kann jeden erwischen. Arm, reich, alt, jung. Es lehrt mich tatsächlich, denkbar für jeden Tag zu sein“ (Sebastian Dalkowski, „‚Ich fiel kopfüber ins Grab‘ – Der Schauspieler Oliver Fleischer arbeitet im Nebenberuf als Sargträger. Dabei ist es manchmal sogar schwer, nicht zu lachen“, S. 11). j) „Eine recht erschöpfende Sammlung beliebter beziehungsweise häufiger Fehler finden Sie hier alphabetisch geordnet: https://www.korrekturen.de/beliebte_fehler.shtml. Auch sonst hält die Website www.korrekturen.de viele hilfreiche Rubriken bereit, eine automatisierte Rechtschreibprüfung, die deutlich besser arbeitet als jene, die bei MS Office eingebaut ist. Unter https://www.korrekturen.de/rechtschreibprüfung.shtml können Sie per Copy/Paste einen Textabschnitt aus einer beliebigen Anwendung einfügen“ (Ins Netz gegangen Jochen Reinecke, „Katheder oder Katheter?“, S. 56).

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Die Highlights: Konrad Schullers Warnung, die Russen nicht zu sehr zu demütigen, und des Sargträgers Mahnung „Carpe diem“.

[1] Fragen by Friederike Haupt. Oschmann-Buch „Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“. Von den hundert Mark Begrüßungsgeld hat er sich gekauft, was im Osten nicht zu erwerben war: Blochs „Erbschaft dieser Zeit“, Uwe Johnsons „Mutmaßungen über Jakob“, Erzählungen von Thomas Bernhard, „Illuminationen“ von Walter Benjamin.

[2] Der Name wird mal mit, mal ohne Bindestrich geschrieben.

Justus Bender, Walter Benjamin, Thomas Bernhard, Ernst Bloch, Stephan Brandner, Vitalik Buterin, Tino Chrupalla, Sebastian Dalkowski, Jürgen Elsässer, Oliver Fleischer, Hajo Funke, Alexander Gauland, Heike B. Görtemaker, Armin-Paul Hampe, Friederike Haupt, Adolf Hitler, Björn Höcke, Uwe Johnson, Benedikt Kaiser, Konrad Kujau, Günther Lachmann, Steve McQueen, Christian Meier, Dirk Oschmann, Jürgen Pohl, Wladimir Wladimirowitsch Putin, Jochen Reinecke, Tobias Rüther, Konrad Schuller, Ingo Schulze, Bezalel Joel Smotrich, Josef Wissarionowitsch Stalin, Reinhard Veser, Sahra Wagenknecht, Robert Wise

 

 

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