Baumfällungen in Wuppertal – wenn „Sicherheit“ und ,,Krankheit“ zur Allzweckwaffe wird

In Wuppertal wird vor allem eines kultiviert: das große Aufräumen. Bäume fallen, Büsche verschwinden, Grünräume werden ausgedünnt – alles natürlich alternativlos, sachlich begründet und mit Gutachten abgesegnet. Wer da noch Fragen stellt, hat offenbar das Prinzip nicht verstanden oder ist nicht vom Fach.

 

Symbolfoto:(KI) C.Otte

Selbstverständlich geht Sicherheit vor. Dieses Argument ist unschlagbar, weil es jede Diskussion beendet, bevor sie beginnt. Dass die angebliche Gefahr oft das Ergebnis jahrelanger Fehlplanung ist – zu kleiner Wurzelraum, verdichtete Böden, falsche Standorte – spielt keine Rolle mehr. Die Bäume sind instabil? Dann weg damit. Dass man sie erst in diese Lage gebracht hat, ist ein Detail, über das man elegant hinweg geht. 

Foto: C.Otte Hauptstr: Keine Versorgung der Baumverletzung

So entsteht der Eindruck, dass Stadtgrün in Wuppertal weniger als Schatz betrachtet wird, sondern eher als lästiger Pflegefall. Lebendige, gewachsene Strukturen sind kompliziert. Kahle Flächen sind übersichtlich. Vielleicht ist das der eigentliche Maßstab, je aufgeräumter, desto besser verwaltbar.

Spätestens bei der BUGA wird klar, wohin die Reise geht. Unter dem Banner von Zukunft, Aufwertung und Großprojekt werden intakte Naherholungsgebiete zerlegt. Was über Jahrzehnte gewachsen ist, wird umgebaut, abgeholzt, neu gedacht – auf Kosten von Natur, Rückzugsräumen und ökologischer Funktion. Kollateralschäden nennt man das dann wohl. 

Besonders konsequent zeigt sich diese Haltung des Ressort Grünflächen und Forsten der Stadt beim jährlichen Rückschnitt von Büschen auf Stock. Radikal. Flächig. Wieder und wieder. Dass damit Brutplätze für Vögel auf Jahre zerstört werden, ist kein Geheimnis, sondern Fachwissen. Aber Fachwissen ist unbequem, wenn es den Arbeitsablauf stört und ,,Fachwissen“ hat der ,,Normalbürger“ sowieso nicht, ein Argument wenn man sich über diese Vorgehensweise beschwert.

Foto: C.Otte ( 2022 -23) Von der Heydt Park

Zur Absicherung dienen praktische Schlagworte. „Platanenkrebs“ zum Beispiel. Meldepflichtig, komplex, eigentlich differenziert zu behandeln – aber hervorragend geeignet als universelle Begründung, wenn größere Eingriffe gerade gut passen. Ein Wort, und die Säge läuft.

Und dann die Rhododendren im Von-der-Heydt-Park. Jahrzehnte alt, gesund, jedes Jahr ein Blütenmeer. Eine sanfte Auslichtung hätte völlig gereicht. Stattdessen: komplett auf Stock gesetzt. Totale Ordnung. Null Charme. Maximal effizient. 

Foto: C.Otte /2Jahre später

Natürlich wird anschließend beruhigt: Nachpflanzungen sind geplant. Irgendwann, wenn das Geld da ist, wenn der Untergrund passt, vielleicht auch gar nicht, der Bürger vergiss schnell. Junge Bäume werden dann präsentiert wie ein Trostpflaster, sehen aus wie Zahnstocher – als könnten sie ersetzen, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Nein, tun sie nicht.

Foto: C.Otte

Was hier passiert, ist kein bedauerlicher Einzelfall. Es ist ein auch für den Normalbürger mittlerweile ein erkennbares System.
Wuppertal wird grüne Zukunft verkauft und gleichzeitig unter Deckmäntelchen entgrünt.

Foto: C.Otte Fläche an der Neviandtstr. 2025

Mit Verwaltungssprache, mit Gutachten, mit dem immergleichen Hinweis auf Sicherheit. Stattdessen werden Bäume in mobilen Kübeln an fragwürdigen Plätzen aufgestellt, wie arm ist das denn?

Und irgendwann steht man auf einem aufgeräumten Platz, schaut auf frisch gepflasterte, versiegelte Flächen und fragt sich, warum es sich plötzlich so leer anfühlt.

Aber keine Sorge: Es war alles geprüft. Es gab keine Alternative und ordentlich ist es jetzt auch. (C.O)

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Kommentare

  1. N. Bernhardt sagt:

    Was über Jahrzehnte gewachsen ist, wird umgebaut, abgeholzt, neu gedacht – auf Kosten von Natur, Rückzugsräumen und ökologischer Funktion.
    … und das auf (doppelten) Kosten des Steuerzahlers. Für BUGA gibts doch Zuschüsse, oder nicht? Muß ja nur der Steuerzahler vom nichtkommunalen Teil bezahlen.

    Um es etwas provokant zusammenzufassen: Die Natur geht, die Korr…-BUGA kommt. Mit schönem Parkplatz auf der ehemals grünen Wiese. Wir brauchen dafür angeblich sofort, am besten gestern und ganz plötzlich, ein neues Gewerbegebiet. Wegen Arbeitsplätze und attraktivem Standort, wissenschon. Aber für die BUGA können wir damit natürlich bis irgendwann nach 2031 warten, für den BUGA-Parkplatz. Alles BUGA ist grün oder was?

    Dem privaten Eigentümer wird vorher noch eine Veränderungssperre vor die Nase gesetzt: Ätschibätsch, darfst nicht bauen. Weil: dann müßte man ja den Flächennutzungsplan ändern. Wenn die Stadt „bauen“ oder BUGA-en will, dann geht die FNP-Änderung natürlich ganz schnell und formell.

    In Bergisch Sizilien ist halt alles grün und natürlich.

  2. Susanne Zweig sagt:

    Die Linden auf dem Rathausvorplatz sind über 50 Jahre alt. Wer sie gepflanzt hat, ist längst in Rente.
    Wem nützt das blinde Drauflosschlagen gegen Fachleute, von denen Sie mangels Fachkenntnis selber nicht wissen, ob sie mit ihren Entscheidungen recht haben oder nicht?

    1. N.Bernhardt sagt:

      Hinrich Heyken (wenn ich mich nicht irre, selbst einst Stadtplaner) erklärt in „Fußgängerparadiese“ für Elberfeld und Barmen, daß man vor Einführung der Fußgängerzonen die Parkhäuser bzw. -zufahrten aus den neuen Fußgängerbereichen verbannt hat.

      Das ist eine Tugend, die die Planer vom „Fach“ (Schublade?) heute nicht mehr hinbekommen: Die Zufahrt zum Holiday Inn Express kann man nicht zum Wall hin bauen, das würde die schöne Fassade stören. Man muß das unbedingt mitten in die Fußgängerzone in die Calvinstraße legen, damit der Nutzen der Fußgängerzone als Fußgängerparadies möglichst nachhaltig gestört wird. Bis zur Zufahrt ein vbB hinstellen? Geht niemals nicht!

      Die bauliche Gestaltung der Zu- und Abfahrt Parkhaus City-Arkaden, wo der Gehweg plötzlich verschwindet, hat dieselbe „fachliche“ Qualität für den Rundordner. Fußgänger haben an Zu- und Ausfahrten nach StVO Vorrang, aber man kann es ja mal versuchen, dieses Recht nach Landrecht zu entziehen, indem wir einfach den Gehweg weglassen.

      Am Wall wollte man in den 1980ern unbedingt große Bäume pflanzen. Was war das für ein Theater: wieso kosten ein paar Bäume – ich meine – 40000 Mark? Leider waren die der Busautobahn im Weg („Döppersberg-Projekt“), und auf den Wall-Rückbau – oder zumindest anständigen, fußgängergerechten Umbau (wieder mit Bäumen?) – warten wir bis heute und wahrscheinlich bis St. Nimmerlein.

      1. Susanne Zweig sagt:

        Warum erzählen Sie mir das?
        Vielleicht sind die Fachleute (welche überhaupt? die Stadtverwaltung ist groß) ja nicht vom Fach und treffen reihenweise Fehlentscheidungen. Aber das müsste der Beitrag von Frau Otte dann auch hergeben. Leider belässt sie es aber bei pauschalem Unbehagen und schreibt sich so in Fettschrift und unstrukturiert den Frust von der Seele.
        Ich kann damit nichts anfangen.

        1. Claudia Otte sagt:

          Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor.
          Ich äußere kein pauschales Unbehagen und schreibe mir keinen Frust von der Seele, sondern benenne konkrete Zuständigkeiten und nachvollziehbare Fakten.

          Für Fragen rund um Bäume, Rückschnitte und Fällungen ist das Grünflächenamt zuständig.
          Die fachliche Verantwortung liegt dort bei der Leitung des Ressorts. Entscheidungen fallen also nicht anonym, sondern innerhalb klarer Strukturen.

          Wenn über Jahre hinweg ähnliche Maßnahmen, ähnliche Begründungen und ähnliche Ergebnisse auftreten, dann darf und muss man das kritisch einordnen. Kritik an Entscheidungen ist keine persönliche Abrechnung, sondern Teil einer öffentlichen Debatte – vor allem dann, wenn es um dauerhaft verlorenes Stadtgrün geht.

          Unzufriedenheit entsteht hier nicht aus Stimmung, sondern aus Beobachtung.
          Und genau darüber sollte man sprechen dürfen – sachlich, aber deutlich.

          1. Susanne Zweig sagt:

            Ich glaube tatsächlich, hier liegt ein Missverständnis vor. Der Beitrag beschreibt keinen einzigen konkreten Fall. An Andeutungen mangelt es nicht: Die Linden, die Rhododendren, der „Platanenkrebs“, …
            Konkrete Zuständigkeiten? Am häufigsten „man“.
            Nachvollziehbare Fakten? Kein Ort, kein Datum, keine Beschreibung.
            Dokumentieren Sie einen einzigen Fall, und wir können über Sachlichkeit reden.

          2. claudia Otte sagt:

            Wir reden hier offensichtlich aneinander vorbei.
            Mein Beitrag ist ein Kommentar zu einer Entwicklung, nicht die Protokollierung einzelner Aktenvorgänge.
            Wer nur dann Kritik gelten lässt, wenn sie tabellarisch mit Ort, Datum und Aktenzeichen erfolgt, verengt die Debatte unnötig. Außerdem war von den Linden keine Rede.
            Dabei belasse ich es.

          3. Susanne Zweig sagt:

            „zu kleiner Wurzelraum, verdichtete Böden, …“ – wenn Sie damit nicht die Rathauslinden meinen, habe ich die Lust am Raten verloren.

  3. Michael Felstau sagt:

    Du bist doch Fotografin, hast du keine Fotos von dem was du erzählst? Nur ein Symbolbild ist wirklich enttäuschend…. hast du keine konkreten Fälle?

    1. N.Bernhardt III. sagt:

      Für ein Foto braucht man nur auf die historische Engels-Allee gehen, wo die Fahrzeuge nicht nur ordnungswidrig auf dem Gehweg parken, weil Amt 104 sich nicht imstande sieht, dort offiziell Gehwegparken anzuordnen (kein Geld, kein Personal, kein …). Vielmehr muß da unbedingt bis an den Baumstamm auf den Wurzeln geparkt und das bißchen Sickerfläche auch noch in regelmäßiger Manier verdichtet werden.

    2. Claudia Otte sagt:

      Suche ich raus die Fotos.

    3. Claudia Otte sagt:

      Ich habe Bilder hinzugefügt, Ganz aktuell sind sie jetzt nicht, von letzem Jahr und vom Park sind die Bilder ca 2022 oder 23. Nachgewachsen sind die Rododendren etwas, man sieht wieder grün, blühen werden die erst in einigen Jahren wieder. Vögel können darin nicht brüten

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