15.02.2026Uli Schmidt
Gestaltungsbeirat: Einflussreich, gut bezahlt – aber kaum sichtbar
Die Aufgabe des Beirats ist klar definiert: Er berät Verwaltung, Ausschüsse und den Rat bei städtebaulichen und baukünstlerischen Projekten, die das Stadtbild nachhaltig prägen können. Ziel ist es, architektonische Qualität zu sichern und die Stadtentwicklung fachlich zu begleiten.
Doch obwohl dieses Gremium eine wichtige Rolle spielt, bleibt seine konkrete Tätigkeit für die Öffentlichkeit schwer nachvollziehbar.
Nicht öffentlich – und kaum nachvollziehbar
Die Sitzungen des Gestaltungsbeirats finden grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, die Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Informationen über die Arbeit des Beirats erscheinen meist nur indirekt – etwa in Verwaltungsvorlagen, in denen es lapidar heißt: „Der Gestaltungsbeirat stimmt den Entwürfen zu.“
Was fehlt, sind nachvollziehbare fachliche Bewertungen. Es gibt keinen regelmäßigen öffentlichen Tätigkeitsbericht, keine Übersicht über behandelte Projekte und keine Darstellung, welche Empfehlungen ausgesprochen wurden und ob diese das Stadtbild tatsächlich verbessert haben.
Ein Gremium mit Einfluss – aber ohne sichtbare Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit.
Deutlich höhere Aufwandsentschädigung ab 2026
Mit der neuen Geschäftsordnung soll auch die Aufwandsentschädigung der Fachmitglieder steigen. Bislang erhielten diese 500 Euro pro Sitzung. Künftig sollen es 700 Euro sein.
Die Stadt begründet die Erhöhung mit Empfehlungen der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen sowie der gestiegenen Sitzungsdauer. Üblicherweise dauern die Sitzungen inklusive Ortsbesichtigungen rund fünf Stunden.
Der Beirat besteht aus fünf Fachmitgliedern. Bei maximal acht Sitzungen pro Jahr entstehen so Kosten von bis zu 28.000 Euro jährlich allein für die Aufwandsentschädigungen. Insgesamt sind im Haushalt rund 30.400 Euro pro Jahr für den Gestaltungsbeirat vorgesehen – einschließlich weiterer Ausgaben wie Bewirtung.
Fachliche Qualität hat ihren Preis – aber verdient Transparenz
Grundsätzlich ist es sinnvoll, qualifizierte Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten angemessen zu vergüten. Ihre Expertise kann entscheidend dazu beitragen, Fehlentwicklungen zu vermeiden und die Qualität der gebauten Umwelt zu sichern.
Doch gerade weil der Gestaltungsbeirat Einfluss auf wichtige Bauprojekte hat und öffentliche Mittel erhält, stellt sich die Frage nach der Transparenz seiner Arbeit.
Welche Projekte wurden beraten?
Welche Kritik oder Verbesserungsvorschläge wurden gemacht?
Und welche konkreten Auswirkungen hatten diese Empfehlungen auf das Stadtbild?
Antworten darauf sind bislang kaum öffentlich verfügbar.
Mehr Öffentlichkeit wäre ein Gewinn für alle
Der Gestaltungsbeirat kann ein wichtiges Instrument sein, um architektonische Qualität und eine positive Stadtentwicklung zu fördern. Doch Einfluss und öffentliche Finanzierung sollten auch mit nachvollziehbarer Transparenz einhergehen.
Ein jährlicher Tätigkeitsbericht oder zumindest ausführlichere öffentliche Stellungnahmen würden dazu beitragen, die Arbeit des Gremiums verständlicher zu machen und Vertrauen zu stärken.
Denn gute Stadtgestaltung betrifft alle Bürger – und sollte deshalb nicht im Verborgenen stattfinden.
Quelle: SessionNet | Änderung der Geschäftsordnung des Gestaltungsbeirates ab 2026
Ähnliche Beiträge:
- BUGA 2031 Wuppertal – Wettbewerbskultur zwischen Anspruch und Wirklichkeit
- BUGA 2031: Zwei Bezirksvertretungen, ein Termin – und viele offene Fragen
- Baustraße auf der Königshöhe
- BUGA-Planung: Plan B Hängebrücke
- Informationsveranstaltung zur Seilbahn und Hängebrücke
- Was sagt Chatgpt zur Buga2031 und Parkplätze?
Weiter mit:
Kommentare
Neuen Kommentar verfassen